„Ver­ro­hung der Sit­ten“

OB Men­trup stellt sich schüt­zend vor die Mit­ar­bei­ter der Stadt­ver­wal­tung

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE -

Kurz­fris­ti­ge Ein­la­dung zur städ­ti­schen Pres­se­kon­fe­renz, pro­mi­nen­te Be­set­zung durch Ober­bür­ger­meis­ter Frank Men­trup, Bür­ger­meis­te­rin Ga­b­rie­le Lucz­ak-Schwarz und Björn Wei­ße, Lei­ter des Ord­nungs- und Bür­ger­amts. Der An­lass: Die Stadt macht sich Sor­gen über die zu­neh­men­de Ver­ro­hung in den so­zia­len Netz­wer­ken oder in Hass-Mails ge­gen­über städ­ti­schen Mit­ar­bei­tern, aber auch sons­ti­gen ver­ba­len und so­gar hand­greif­li­chen Atta­cken. „Und es gibt ei­ne Er­war­tung der Mit­ar­bei­ter der Stadt­ver­wal­tung an die Stadt­spit­ze, dass wir uns die­ser Ver­ro­hung ent­ge­gen­stel­len“, so Ober­bür­ger­meis­ter Frank Men­trup bei der gest­ri­gen Pres­se­kon­fe­renz. Amts­lei­ter und Per­so­nal­rä­te hät­ten sich für die­se Rü­cken­de­ckung stark ge­macht, so der OB wei­ter.

Ziel­rich­tung für Be­lei­di­gun­gen und Ver­leum­dun­gen sei nicht mehr die Stadt­ver­wal­tung all­ge­mein, so der OB, son­dern es ge­be zu­neh­mend ei­ne in­di­vi­dua­li­sier­te Be­lei­di­gung ein­zel­ner Mit­ar­bei­ter, so der Ober­bür­ger­meis­ter. Als jüngs­tes Be­leg für die­se Fest­stel­lung nann­ten Men­trup und Lucz­akSchwarz zahl­rei­che be­lei­di­gen­de Mails, die an die Mit­ar­bei­ter und die Lei­tung des Markt­amts we­gen den Vor­gän­gen um den Christ­kind­les­markt ge­rich­tet sei­en. Be­kannt­lich hat­te die Ent­schei­dung des Markt­amts nach ei­nem neu­en Kri­te­ri­en­ka­ta­log bis­he­ri­ge Markt­be­schi­cker nicht er­neut zu­zu­las­sen, Pro­tes­te vie­ler Bür­ger aus­ge­löst (die BNN be­rich­te­ten). „Wir ha­ben fest­stel­len müs­sen, dass die Mit­te der Ge­sell­schaft nicht mehr die Gren­zen ein­hält.“Die Mit­ar­bei­ter des Am­tes wür­den mit „in­ten­si­ven mas­si­ven und übels­ten Be­schimp­fun­gen“über das Netz kon­fron­tiert, so die zu­stän­di­ge Bür­ger­meis­te­rin. Dies ha­be sich ne­ga­tiv auf die Mit­ar­bei­ter­schaft aus­ge­wirkt. Lucz­ak-Schwarz wie­der­hol­te ih­re Fest­stel­lung, dass das Markt­amt in Sa­chen Christ­kind­les­markt al­les rich­tig ge­macht ha­be, dies hät­te das Ver­wal­tungs­ge­richt be­stä­tigt. Doch Sach­ar­gu­men­te oder Ge­richts­ur­tei­le wür­den nicht mehr ak­zep­tiert. Man se­he die­ses Mal al­ler­dings noch von Straf­an­zei­gen bei be­lei­di­gen­dem In­halt von Mails oder Pos­tings in die­ser Sa­che ab, wer­de aber ver­su­chen, mit den Ab­sen­dern ein klä­ren­des Ge­spräch zu füh­ren, kün­dig­te die Bür­ger­meis­te­rin an. „Aber beim nächs­ten Mal hat dies dann Kon­se­quen­zen.“Dass die Stadt im Prin­zip vor Straf­an­zei­gen nicht zu­rück­scheut, mach­te Ord­nungs­amts­chef Wei­ße deut­lich. 2016 hat die Stadt 26 Straf­an­zei­gen we­gen Be­lei­di­gung und ähn­li­cher De­lik­te ge­stellt, sämt­lich ha­be die Stadt recht be­kom­men und die Be­trof­fe­nen sind zu Geld­stra­fen ver­ur­teilt wor­den. Da­bei ging es aber nicht nur über Be­lei­di­gun­gen via Mail oder Face­book, son­dern um die ge­sam­te Pa­let­te. Aus al­len Be­rei­chen wie Ord­nungs­amt, Ver­kehrs­über­wa­chung, Aus­län­der­be­hör­de oder Le­bens­mit­tel­über­wa­chung re­gis­trier­ten städ­ti­sche Mit­ar­bei­ter zu­neh­mend, dass der „gu­te An­stand“schwin­det, es so­gar zu of­fe­nen Feind­se­lig­kei­ten kommt. Im­mer öf­ter müs­se man bei der Stadt­ver­wal­tung auch „uni­for­mier­te Kräf­te“, so Wei­ße, zu Be­spre­chun­gen hin­zu­zie­hen, ei­ne Be­ob­ach­tung, die die Stadt bei­spiels­wei­se auch mit dem Amts­ge­richt Karls­ru­he teilt. In­zwi­schen hat die Ver­wal­tung flä­chen­de­ckend Alarm­sys­te­me für die Mit­ar­bei­ter in­stal­liert, um schnell Hil­fe ru­fen zu kön­nen.

OB Men­trup sah ein grund­sätz­li­ches Pro­blem: „In den so­zia­len Netz­wer­ken fal­len Hemm­schwel­len.“Die­se Ver­ro­hung hal­te die Ge­sell­schaft auf Dau­er nicht aus, zeig­te sich das Stadt­ober­haupt über­zeugt, der auch auf bun­des­wei­te De­bat­ten über die­ses Phä­no­men oder gar welt­wei­te Ent­wick­lun­gen – sie­he US-Prä­si­dent­schafts­wahl­kampf – ver­wies. Theo Wes­ter­mann

Markt­amt Ziel von Be­lei­di­gun­gen

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