No­ro­vi­rus wirft vie­le aufs Kran­ken­la­ger

Un­ge­wöhn­lich schnell steigt die Zahl der Brech­durch­fall-Pa­ti­en­ten / „Mit Hand­schu­hen put­zen“

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - SO SIEHT DER ÜBELTÄTER un­term Elek­tro­nen­mi­kro­skop aus. Fo­to: RKI

Karls­ru­he (ew/cs/chen/lf). Sie gras­siert nicht sel­ten auf Kreuz­fahrt-Schif­fen, doch der­zeit wirft sie vie­le Men­schen in der Re­gi­on aus ih­rem All­tag her­aus aufs Bett­la­ger: Die Brech­durch­fall-Er­kran­kung, die vom No­ro­vi­rus aus­ge­löst wird. Wo­bei vie­le Be­trof­fe­ne gar nie er­fah­ren, was genau sie so plagt. „Ich ha­be Ma­gen-Darm“, pfle­gen sie zu sa­gen, wenn sie das schwall­ar­ti­ge Er­bre­chen und star­ker Durch­fall heim­su­chen. Und Lei­dens­ge­nos­sen ha­ben sie in die­sen Ta­gen zahl­rei­che: Das Lan­des­ge­sund­heits­amt mel­det in die­ser Herbst-Win­ter-Sai­son ei­nen un­ge­wöhn­lich star­ken An­stieg der Neu­er­kran­kun­gen: 602 wa­ren es in der ver­gan­ge­nen Wo­che.

Be­son­ders hart trifft es klei­ne Kin­der. „Die höchs­ten Neu­er­kran­kungs­ra­ten wer­den bei Säug­lin­gen und Kin­dern im Al­ter un­ter fünf Jah­ren ver­zeich­net“, mel­det das Lan­des­ge­sund­heits­amt. Wo­bei die Sta­tis­ti­ken le­dig­lich ei­ne gro­be Vor­stel­lung des Lei­dens ge­ben. „Das ist nur die Spit­ze des Eis­bergs“, sagt Gün­ter Pfaff, Me­di­zi­ner beim Lan­des­ge­sund­heits­amt. Nur wenn Stuhl­pro­ben im La­bor un­ter­sucht wer­den, kann die Dia­gno­se ein­deu­tig ge­stellt wer­den. Mel­de­pflich­tig sind No­ro­vi­rus-Er­kran­kun­gen bei Men­schen, die in der Le­bens­mit­tel­bran­che ar­bei­ten, zum Bei­spiel in Kü­chen und Gast­stät­ten. Auch wenn meh­re­re Fäl­le im glei­chen Um­feld auf­tau­chen, et­wa nach ei­ner Be­triebs­weih­nachts­fei­er, soll das Ge­sund­heits­amt in­for­miert wer­den.

Die meis­ten Er­kran­kun­gen mel­de­te vo­ri­ge Wo­che der Land­kreis Ras­tatt mit 112 Fäl­len. Doch das sei­en eher zu­fäl­li­ge Er­geb­nis­se, er­klärt Pfaff. Die Rang­ord­nung der Städ­te und Krei­se auf der Lis­te wechs­le wö­chent­lich.

In Gag­ge­nau wa­ren kürz­lich meh­re­re Be­woh­ner ei­nes Se­nio­ren­hei­mes an Brech­durch­fall er­krankt, wor­auf­hin al­le Ge­mein­schafts­ver­an­stal­tun­gen ab­ge­sagt wur­den. Die Heim­lei­tung setz­te spe­zi­el­le Rei­ni­gungs­und Des­in­fek­ti­ons­mit­tel ein. „Das Er­bro­che­ne ist hoch­in­fek­ti­ös – und die­je­ni­gen, die das weg­wi­schen müs­sen, ha­ben das größ­te Ri­si­ko“, warnt auch Gün­ter Pfaff. Schutz­hand­schu­he sei­en beim Put­zen drin­gend emp­foh­len, eben­so wirk­sa­me Des­in­fek­ti­ons­mit­tel. „Gründ­li­che Hän­de­hy­gie­ne ist ge­ne­rell ganz wich­tig“, sagt er. Es­sen und Ge­trän­ke, das mit Er­krank­ten in Be­rüh­rung ge­kom­men ist, könn­ten das Vi­rus über­tra­gen.

Ein bis zwei Ta­ge hiel­ten die un­an­ge­neh­men Be­schwer­den bei No­ro­vi­rus­Pa­ti­en­ten in der Re­gel an, sagt Pfaff. „Die Kör­per­tem­pe­ra­tur kann leicht er­höht sein, ho­hes Fie­ber ist eher sel­ten“, sagt er. Schwin­del und Schwä­che­ge­fühl ge­hör­ten häu­fig zu den Be­gleit­erschei­nun­gen des Brech­durch­falls. „Manch­mal gibt es auch fast be­schwer­de­freie Ver­läu­fe – aber das ist sel­ten.“

Viel trin­ken, aus­ru­hen und mög­lichst we­nig Kon­takt zu (noch) Ge­sun­den hal­ten – das emp­feh­len die Ex­per­ten.

War­um die­se Sai­son so rasch so vie­le Men­schen be­trof­fen sind? Das Auf­tre­ten neu­er, im­mu­no­lo­gisch ver­än­der­ter Va­ri­an­ten des No­ro­vi­rus ist nach An­ga­ben des Lan­des­ge­sund­heits­am­tes die Ur­sa­che da­für. Die­se wer­den vom Im­mun­sys­tem der Be­völ­ke­rung nicht mehr so gut er­kannt. In Karls­ru­he und dem um­lie­gen­den Land­kreis wa­ren ver­gan­ge­ne Wo­che auch drei Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen, zwei Kli­nik-Sta­tio­nen und meh­re­re Se­nio­ren­ein­rich­tun­gen be­trof­fen. 27 neue No­ro­vi­rus­Fäl­le wa­ren im Raum Karls­ru­he vo­ri­ge Wo­che ak­ten­kun­dig. Im Herbst wa­ren be­reits zwei bis drei Schu­len in der Stadt von Schlie­ßun­gen be­trof­fen.

Auch im Or­ten­au­kreis hat in die­sem Spät­jahr die Zahl der Er­kran­kun­gen deut­lich zu­ge­nom­men: Im letz­ten Quar­tal des Jah­res wur­den bis­lang 333 Nach­wei­se von No­ro­vi­ren ge­mel­det – im Ver­gleichs­zeit­raum 2015 wa­ren es nur 87.

Wenn die Pa­ti­en­ten sich nach we­ni­gen Ta­gen wie­der ge­sund füh­len, soll­ten sie aber nicht leicht­sin­nig wer­den, rät das Lan­des­ge­sund­heits­amt: „Auch nach Ab­klin­gen der Sym­pto­me soll­ten Er­krank­te meh­re­re Wo­chen ver­stärkt auf Hän­de­hy­gie­ne ach­ten, da No­ro­vi­ren über ei­nen län­ge­ren Zei­t­raum nach Er­kran­kung aus­ge­schie­den wer­den.“

KIN­DER SIND HÄU­FIG BE­TROF­FEN UND BE­SON­DERS GE­FÄHR­DET: Wenn der Ver­dacht be­steht, dass die Er­kran­kung auf das No­ro­vi­rus zu­rück­geht, soll­te auf je­den Fall ein Arzt kon­sul­tiert wer­den. Fo­to: bil­der­box

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