Gren­zen für Kip­pa und Kopf­tuch

Schwarz-Grün ei­nigt sich auf Ver­bot / Schöf­fen und Rechts­pfle­ger be­freit

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Kip­pa-Trä­ger

Stutt­gart (dpa/lsw). Das Tra­gen re­li­gi­ös be­setz­ter Klei­dung wie Kopf­tuch und Kip­pa im Ge­richt soll für haupt­amt­li­che Rich­ter und Staats­an­wäl­te im Süd­wes­ten künf­tig ver­bo­ten sein. Doch das Ver­bot gilt nicht für al­le Per­so­nen in Ge­richts­sä­len: Grü­ne und CDU ei­nig­ten sich nach lan­gem Tau­zie­hen auf ei­nem Kom­pro­miss, bei dem an­de­re Grup­pen, dar­un­ter Rechts­pfle­ger und Pro­to­kol­lan­ten, von dem Ver­bot aus­ge­nom­men sein sol­len.

Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann (Grü­ne) sprach von ei­nem „sach­ge­rech­ten“Kom­pro­miss, ob­wohl sei­ne Par­tei zu­nächst kei­nen Re­ge­lungs­be­darf ge­se­hen hat­te. Die FDP warf Kret­sch­mann vor, vor der CDU ein­ge­knickt zu sein, um den Frie­den in der grün­schwar­zen Ko­ali­ti­on nicht zu ge­fähr­den. Sie rech­net mit Kla­gen von Be­trof­fe­nen. Der Ver­fas­sungs­recht­ler Chris­ti­an Kirch­berg hält die Chan­cen al­ler­dings für gut, dass die ge­plan­te ba­den-würt­tem­ber­gi­sche Re­ge­lung vor dem Ver­fas­sungs­ge­richt Be­stand hat. Die Neu­tra­li­täts­pflicht des Ge­rich­tes wie­ge hier schwe­rer als die Re­li­gi­ons­frei­heit, sag­te Kirch­berg in Stutt­gart.

Kirch­berg sag­te, er hal­te das für ei­ne zu­läs­si­ge Ein­schrän­kung der Re­li­gi­ons­frei­heit. Dass Schöf­fen und an­de­re Grup­pen von der ge­plan­ten Re­ge­lung aus­ge­nom­men wer­den sol­len, sei klug. Bei Kon­flik­ten zwi­schen Ver­fas­sungs­gü­tern – hier zwi­schen der Neu­tra­li­täts­pflicht des Ge­richts und der Re­li­gi­ons­frei­heit des ein­zel­nen Men­schen – ge­he es im­mer dar­um, in der Ab­wä­gung zu ei­nem ver­nünf­ti­gen Kom­pro­miss zu kom­men. Wenn sich das Ver­bot wie ge­plant nur auf die haupt­amt­li­chen Rich­ter und Staats­an­wäl­te er­stre­cke, sei dies der ge­ringst­mög­li­che Ein­griff, um die Neu­tra­li­täts­pflicht mit der Re­li­gi­ons­frei­heit zu ver­ein­ba­ren, sag­te Kirch­berg, der Vor­sit­zen­der des Ver­fas­sungs­rechts­aus­schus­ses der Bun­des­rechts­an­walts­kam­mer ist.

Es geht bei der Dis­kus­si­on um al­le deut­lich sicht­ba­ren re­li­giö­sen Sym­bo­le, auch die jü­di­sche Kip­pa. Der Bun­des­vor­sit­zen­de der Tür­ki­schen Ge­mein­de, Gö­kay So­fuog­lu, sag­te, ent­schei­dend sei, dass eben nicht nur das Kopf­tuch, son­dern al­le re­li­gö­sen Sym­bo­len im Ge­richts­saal von der Re­ge­lung er­fasst sein sol­len. „An sol­chen Or­ten ha­ben re­li­giö­se Sym­bo­le nichts zu su­chen“, sag­te So­fuog­lu.

DAS KOPF­TUCH IM GE­RICHTS­SAAL wird auch in Zu­kunft er­laubt sein – aber nicht für haupt­amt­li­che Rich­te­rin­nen und Staats­an­wäl­tin­nen. Die Lan­des­re­gie­rung be­schloss, Klei­dung mit re­li­giö­sem Sym­bol­ge­halt bei den Pro­fis zu ver­bie­ten. Fo­tos: dpa

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