„PFC im Grund­was­ser sind ei­ne Zeit­bom­be“

Ener­gie­wer­ke-Chef for­dert Lang­zeit-Kon­zep­te

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO -

Ras­tatt (BNN). Der ver­mut­lich flä­chen­mä­ßig größ­te Um­welt­skan­dal Deutsch­lands im ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Mit­tel­ba­den hat jetzt die Um­welt­mi­nis­ter­kon­fe­renz be­schäf­tigt: Im Raum Ras­tatt/Ba­den-Ba­den und Mann­heim sind nicht nur mehr als 500 Hekt­ar Land mit per­fluo­rier­ten Che­mi­ka­li­en (PFC) ver­seucht; die­se Stof­fe stel­len auch die Trink­was­ser­ver­sor­gung seit fast vier Jah­ren vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen. Olaf Kas­pryk, Ge­schäfts­füh­rer der star.Ener­gie­wer­ke in Ras­tatt, be­grüßt, dass das The­ma end­lich auf der po­li­ti­schen Agen­da steht – die Be­schlüs­se der Um­welt­mi­nis­ter ge­hen ihm al­ler­dings noch nicht weit ge­nug. Wie die star.Ener­gie­wer­ke mit­teil­ten, sieht Kas­pryk die Was­ser­wirt­schaft da­bei noch zu we­nig be­rück­sich­tigt. „PFC im Grund­was­ser sind ei­ne ti­cken­de Zeit­bom­be“, er­klärt Kas­pryk und fügt an: „Es han­delt sich um Stof­fe, die sich nicht ab- bau­en. Sie wer­den jahr­hun­der­te­lang im Grund­was­ser un­ter­wegs sein – und je nach Rich­tung und Ge­schwin­dig­keit ir­gend­wann die Brun­nen be­nach­bar­ter und wei­ter ent­fern­ter Was­ser­wer­ke er­rei­chen.“

PFC ste­hen un­ter an­de­rem im Ver­dacht, krebs­er­re­gend zu sein: Was­ser­ver­sor­ger müss­ten al­so We­ge fin­den, sie aus dem Trink­was­ser zu ent­fer­nen, gibt er zu be­den­ken. Wie be­rich­tet wa­ren die star.Ener­gie­wer­ke vor vier Jah­ren eher zu­fäl­lig auf die ho­he PFC-Be­las­tung auf­merk­sam ge­wor­den: Ei­ne Vol­l­ana­ly­se des Grund­was­ser, die in ei­nem an­de­ren Zu­sam­men­hang vor­ge­nom­men wur­de, brach­te die Ve­r­un­rei­ni­gung ans Licht. Die Trink­was­ser­ver­ord­nung schreibt ei­ne Un­ter­su­chung auf PFC nicht vor. Seit­her kämpft Ras­tatt mit den Fol­gen für die Trink­was­ser­ver­sor­gung: Zwei der drei Was­ser­wer­ke sind der­zeit we­gen PFC-Ve­r­un­rei­ni­gun­gen au­ßer Be­trieb. Das Un­ter­neh­men hat ein um­fang­rei­ches Maß­nah­men­pa­ket in An­griff ge­nom­men, um ei­ne aus­rei­chen­de Ver­sor­gung der Be­völ­ke­rung mit ein­wand­frei­em Trink­was­ser auch in Zu­kunft ge­währ­leis­ten zu kön­nen, zum Bei­spiel wur­den Ver­bin­dun­gen zu be­nach­bar­ten Was­ser­ver­sor­gern ge­schaf­fen und Ver­fah­ren ent­wi­ckelt, um PFC aus dem Was­ser zu ent­fer­nen.

„Das kos­tet et­li­che Mil­lio­nen Eu­ro und wir wis­sen noch nicht, ob der oder die Ver­ur­sa­cher je­mals zur Kas­se ge­be­ten wer­den kön­nen oder wir Hil­fen von Bund oder Land er­hal­ten“, so Kas­pryk. „Wir – und an­de­re Was­ser­ver­sor­ger – müs­sen nicht nur Tech­ni­ken zum Her­aus­fil­tern von PFC ent­wi­ckeln, son­dern die An­la­gen auch jahr­zehn­te­lang oder gar dau­er­haft be­trei­ben.“Das ver­teue­re die Trink­was­ser­ver­sor­gung und tref­fe letzt­lich die Bür­ger.

Kas­pa­ryk reicht das be­schlos­se­ne Vor­ge­hen der Um­welt­mi­nis­ter nicht aus: Bis­lang wol­len sie ge­mein­sam mit dem Bund vor al­lem die Be­las­tung von Bö­den und Was­ser er­for­schen so­wie mi­ni­mie­ren. Hier­bei ste­hen Land­wirt­schaft und Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men im Vor­der­grund. „Was aber ist mit PFC, das be­reits im Grund­was­ser ist oder auf dem Weg dort­hin? Und was ist mit dem PFC­be­las­te­ten Grund­was­ser, das wir ge­ra­de auf­be­rei­ten?“, fragt Kas­pryk. De­fi­zi­te sieht er zu­dem bei be­hörd­li­chen Kon­trol­len und Do­ku­men­ta­ti­ons­pflich­ten: „PFC sind ein Pro­blem, das na­he­zu je­des Bun­des­land be­trifft. Vie­ler­orts ist es je­doch noch nicht be­kannt.“

OB DAS TRINK­WAS­SER das ge­fürch­te­te PFC ent­hält, ist vie­ler­orts un­klar. Fo­to: dpa

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