Al­les rich­tig ge­macht!

Fri­scher, ge­er­de­ter und un­ver­brauch­ter als im Stu­dio: Clue­so im aus­ver­kauf­ten Toll­haus Karls­ru­he

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

„Es kann al­les pas­sie­ren – auch das Schö­ne und Gu­te!“sagt ei­ner, der es wis­sen muss. Clue­so hat den „Neu­an­fang“ge­wagt und sich nach sechs sehr er­folg­rei­chen So­lo­al­ben künst­le­risch und pri­vat neu auf­ge­stellt. Die gleich­na­mi­ge Pro­duk­ti­on, die den Sän­ger und sei­ne bes­tens auf­ge­stell­te Band nun ins aus­ver­kauf­te Toll­haus nach Karls­ru­he ge­führt hat, klingt live so­gar noch ei­nen Tick fri­scher, ge­er­de­ter und un­ver­brauch­ter als in der Stu­dio­va­ri­an­te. Als hät­te der grund­sym­pa­thi­sche Er­fur­ter tat­säch­lich ne­ben dem Re­set-Knopf auch noch den für den Ex­tra-Ener­gie­schub ge­drückt! Dass Clue­so manch­mal die Pus­te aus­geht, wie er im Ope­ner „Neue Luft“an ei­ner Stel­le an­deu­tet, kann man an­ge­sichts die­ses Auf­tritts je­den­falls nur schwer glau­ben.

Ne­ben oft­mals klu­gen und bild­star­ken Tex­ten, bei de­nen es sich lohnt hin­zu­hö­ren, gibt es je­de Men­ge gran­dio­se Ohr­wür­mer wie „Ach­ter­bahn“und „An­ders sein“– letz­te­rer mit Sup­port Sa­ra Hart­man aus New York (eben­falls in der Stu­dio­ver­si­on zu hö­ren) und meh­re­ren Ra­pIm­pro­vi­sa­tio­nen, die Clue­so frisch von der Le­ber weg ein­streut.

Schwer zu sa­gen, wer hier­bei mehr Spaß hat: Die Mu­si­ker auf der Büh­ne oder das Pu­bli­kum, das nicht nur zu die­sem Song das Le­ben fei­ert. Co­ver-Ver­sio­nen von Udo Lin­den­bergs „Cel­lo“in ei­ner kna­cki­gen Off­beat-Va­ri­an­te und Bru­ce Springs­teens „I’m On Fi­re“(hier

Klu­ge und bild­star­ke Tex­te

auf Deutsch: „Es brennt wie Feu­er“) sor­gen für zu­sätz­li­ches Hur­ra in der Men­ge.

Mehr Be­geis­te­rung bran­det fast nur noch im Zu­ga­ben­block bei Clue­sos ei­ge­nem Hit „Chi­ca­go“auf, der über die Jah­re nichts an emo­tio­na­ler Kraft ver­lo­ren hat. Denn na­tür­lich ist bei ihm nicht al­les „nur“Frie­de-Freu­de-Tral­la­la: Auch von Zwei­feln und Sor­gen ist mu­si­ka­lisch die Re­de, von Er­war­tungs­druck, ver­pass­ten Chan­cen und Lie­ben. Denn nur wer Angst und Ver­lust kennt, kann wirk­lich mu­tig sein.

„Wenn du liebst“ist so ein klei­nes re­du­zier­tes Du­ett, das tie­fer geht und be­wegt (den Part von Kat Fran­kie über­nimmt Sa­ra Hart­man), und auch „Je­der lebt für sich al­lein“mit der Zei­le „Wie oft spal­tet ein ein­zi­ger Tag/das Le­ben in ein Da­vor und Da­nach“regt zum Nach­den­ken an.

Ei­ne gro­ße Band­brei­te, die am En­de des auch in­stru­men­tal ast­rein um­ge­setz­ten Gigs nur ein Fa­zit zu­lässt: Al­les rich­tig ge­macht, Herr Hüb­ner! Was für ein schö­nes Kon­zert. Eli­sa Rez­nicek

GRUNDSYMPATHISCHER ER­FUR­TER: Clue­so hat den „Neu­an­fang“ge­wagt und sich nach sechs sehr er­folg­rei­chen So­lo­al­ben künst­le­risch und pri­vat neu auf­ge­stellt. Mit Er­folg, wie sein Kon­zert im Toll­haus be­wies. Fo­to: rez

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