Geld, Ge­füh­le und Ge­rech­tig­keit

Al­les dreht sich um Mo­ne­ten in Frank­furts Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mu­se­um

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

„Die Er­wach­se­nen ma­chen da so ein gro­ßes Ding draus, al­les ein biss­chen ge­heim und so. Und sehr ernst. Das nervt manch­mal.“Der elf­jäh­ri­ge Phil­ipp hat recht, über Geld spricht man in Deutsch­land be­kannt­lich nicht. Die­se Re­de­wen­dung hat das Frank­fur­ter Mu­se­um für Kom­mu­ni­ka­ti­on um­ge­dreht zu der fast trot­zi­gen Auf­for­de­rung „Über Geld spricht man doch!“, als Ti­tel ei­ner in­ter­ak­ti­ven Aus­stel­lung über al­le Kin­der-Fra­gen rund um den schnö­den Mam­mon.

„Die Idee der Aus­stel­lung ist, dass Kin­der und Er­wach­se­ne mit­ein­an­der über Geld re­den“, er­läu­tert Ku­ra­tor Be­ne­dikt Bur­kard. Frei­lich soll­ten die Kids min­des­tens acht Jah­re alt sein, um die Zu­sam­men­hän­ge zu ver­ste­hen. Doch sind Zweit­kläss­ler heu­te schon er­staun­lich rea­lis­tisch, wie ein Mal­wett­be­werb zeigt. Er for­dert Kin­der auf, das für sie Wert­volls­te zu ma­len und zu be­schrei­ben. So möch­te Ve­ro­ni­ka ihr Eif­fel­turm-Spiel­zeug nicht um al­les in der Welt her­ge­ben; Sa­ra hin­ge­gen hat ganz an­de­re Sor­gen, sie will ih­re Ma­ma nicht ver­lie­ren.

Bei drei wei­te­ren Mit­mach-Sta­tio­nen geht es et­wa dar­um, was der Ein­zel­ne mit sei­nem Ta­schen­geld an­stellt und was an­de­re da­mit ma­chen. Al­ler­dings blickt die Schau nicht nur aus der Per­spek­ti­ve von Kin­dern und Ju­gend­li­chen auf die Mo­ne­ten. „Was Er­wach­se­ne Dir über Geld sa­gen“heißt ei­ne Hör­sta­ti­on mit Bei­spie­len aus der Li­te­ra­tur, vom Grimm-Mär­chen „Hän­sel und Gre­tel“über Erich Käst­ners „Emil und die De­tek­ti­ve“bis zur an­ony­men Ge­schich­te, die seit 15 Jah­ren im In­ter­net kur­siert. Da bie­tet ein Jun­ge sei­nem Va­ter 50 Eu­ro an, da­mit er ei­ne St­un­de frü­her von der Ar­beit kommt und mit ihm zu Abend isst. Ein be­schä­men­des Lehr­stück für Er­wach­se­ne.

Ge­schickt pen­delt die Schau zwi­schen his­to­ri­schen Ka­pi­teln, ak­ti­vem Mit­ma­chen und Be­rich­ten von Kin­dern. Da sind in ei­ner Vi­tri­ne al­te Spar­do­sen oder ein klei­ner ge­hä­kel­ter Spar­strumpf von 1840 zu se­hen, da­ne­ben kann man auf ei­ner Welt­kar­te die pas­sen­den Geld­schei­ne zu­ord­nen oder fünf Ju­gend­li­chen beim je­weils drei­mi­nü­ti­gen Er­zäh­len über Geld und Wün­sche zu­hö­ren. Span­nend aber wird es für Kin­der und El­tern oder Groß­el­tern an ei­nem Spiel­tisch. Bei vie­len Fra­gen kom­men auch Er­wach­se­ne ins Grü­beln: „Was be­deu­tet ‚ich hät­te ger­ne’ und ‚ich brau­che’?“Und beim Ant­wor­ten dürf­te manch ei­ner in Er­klä­rungs­nö­te ge­ra­ten.

Geld ist eben nicht nur zum Be­zah­len da, es weckt auch Ge­füh­le zwi­schen Glück und Neid, ver­leiht aber im bes­ten Fall An­er­ken­nung und Wert­schät­zung. Doch wie er­klärt man sei­nem Kind, dass der Vor­stands­vor­sit­zen­de von Adi­das sa­ge und schrei­be 1 744,80 Eu­ro in der St­un­de ver­dient? Ei­ne Gra­fik mit Bal­ken ver­gleicht näm­lich acht St­un­den­löh­ne, vom Piz­zabo­ten (brut­to 8,84 Eu­ro Min­dest­lohn) über ei­nen In­ge­nieur (38,70 Eu­ro) bis zur Bun­des­kanz­le­rin (98,95 Eu­ro). Im­mer­hin reicht der Lohn­bal­ken des Adi­das-Bos­ses fast über den ge­sam­ten Aus­stel­lungs­raum, der oh­ne­hin sehr lang ge­streckt ist. Nicht zu ver­ges­sen die Vi­de­os der Siebt- und Acht­kläss­ler, die ge­won­nen ha­ben bei ei­nem Wett­be­werb für mehr Fi­nanz­wis­sen, in­iti­iert vom Hes­si­schen Kul­tus­mi­nis­te­ri­um und der Spar­da-Bank Hes­sen. Da er­klä­ren Chris­to­pher und Jo­kim sehr wit­zig und gut ver­ständ­lich den De­vi­sen­han­del mit all sei­nen Chan­cen und Ri­si­ken, den mög­li­chen Ge­win­nen und Ver­lus­ten. Ein an­de­rer Bei­trag zeigt Schü­ler, die ih­re Kum­pels um ein Stück Piz­za an­bet­teln, aber sel­ten Er­folg ha­ben. Da­nach kau­fen sie ei­nem Ob­dach­lo­sen ei­ne Piz­za und schi­cken ei­nen an­de­ren Mit­schü­ler los, um ihm ein Stück ab­zu­schwat­zen. Das macht der Ob­dach­lo­se na­tür­lich, das Tei­len ist er oh­ne­hin ge­wohnt.

Gut, dass es die­se Aus­stel­lung in Frank­furt gibt. Sie kon­fron­tiert uns Er­wach­se­ne mit Fra­gen und Pro­ble­men, über die wir zu Hau­se nicht ganz so leicht re­den wür­den. Chris­ti­an Hu­ther

Ser­vice

Bis 14. Mai 2017 im Frank­fur­ter Mu­se­um für Kom­mu­ni­ka­ti­on, Schau­main­kai 53. Ge­öff­net: Di­ens­tag bis Frei­tag 9 bis 18 Uhr, Sams­tag und Sonn­tag 11 bis 19 Uhr. In­ter­net: www.mfk-frank­furt.de

MO­NE­TEN IN AL­LER MUN­DE: Kin­der und Er­wach­se­ne sol­len mit­ein­an­der über Geld re­den. Das ist das Ziel der Schau in Frank­furt, die mit er­staun­li­chen Fra­gen und Pro­ble­men kon­fron­tiert. Fo­to: MKF

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