„Ge­sin­nungs­jus­tiz“ge­gen AfD-Spre­cher?

Bam­ber­gers Ver­ur­tei­lung we­gen Face­book-Post bleibt be­ste­hen / An­walt er­hebt schwe­re Vor­wür­fe

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ro­land Wei­sen­bur­ger

Das Ur­teil ge­gen den AfD-Spre­cher Al­f­red Bam­ber­ger hat Be­stand. Ges­tern be­stä­tig­te die Be­ru­fungs­kam­mer des Land­ge­richts, dass sich Bam­ber­ger der Bil­li­gung ei­ner Straf­tat schul­dig ge­macht hat, als er im Au­gust ver­gan­ge­nen Jah­res, un­mit­tel­bar nach der Brand­stif­tung in ei­ner ge­plan­ten Asyl­un­ter­kunft in Rem­chin­gen, Ver­ständ­nis für der­lei Brand­an­schlä­ge äu­ßer­te. Bam­ber­ger muss 70 Ta­ges­sät­ze à 80 Eu­ro, al­so ei­ne Stra­fe von 5 600 Eu­ro be­zah­len.

Auf der Face­book-Sei­te sei­ner Par­tei pos­te­te der Par­tei­spre­cher da­mals: „Ist es nicht so, dass den ... An­woh­nern ... al­ter­na­tiv­los ei­ne Ein­rich­tung vor die Na­se ge­setzt wird, die sie ein­fach nicht ha­ben wol­len und des­halb in Form von zi­vi­lem Un­ge­hor­sam die ge­plan­ten Flücht­lings­un­ter­künf­te ein­fach ab­fa­ckeln?“Dar­in sah so­wohl das Amts­ge­richt, wie auch jetzt Rich­te­rin Sa­bi­ne Sa­lo­mon den Straf­tat­be­stand des Bil­li­gens ei­ner Straf­tat er­füllt. Im Ver­lauf sei­nes In­ter­net­kom­men­tars hat­te Bam­ber­ger die Tat­sa­che, dass in Ost­deutsch­land mehr Flücht­lings­un­ter­künf­te bren­nen als im Wes­ten da­mit er­klärt, dass die Men­schen im Os­ten wohl noch nicht so „hirn­ge­wa­schen“sei­en, wie die im Wes­ten.

Dem Le­ser die­ses Kom­men­tars, so Rich­te­rin Sa­lo­mon, drän­ge sich auf, „dass es hier kei­ne Al­ter­na­ti­ve gibt zum Ab­fa­ckeln von Flücht­lings­hei­men, wenn man sich nicht hirn­wa­schen las­sen will“. Wer sich nicht be­vor­mun­den las­sen wol­le, dem blei­be da­nach nur, die Un­ter­künf­te an­zu­zün­den. „Die­ser Kom­men­tar ist ge­eig­net, den öf­fent­li­chen Frie­den zu stö­ren, in­dem er in Tei­len der Be­völ­ke­rung die Nei­gung zu Rechts­brü­chen an­heizt“, so Sa­lo­mon. Der Pforz­hei­mer AfD-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Bernd Grim­mer hat­te Bam­ber­ger nach des­sen Wor­ten schon am Tag nach der Ver­öf­fent­li­chung auf­ge­for­dert, den Kom­men­tar wie­der von der Sei­te zu neh­men. Nach den Be­weg­grün­den Grim­mers ge­fragt, sag­te Bam­ber­ger: „Wahr­schein­lich kennt er die man­geln­de Le­se­kom­pe­tenz der Ba­den-Würt­tem­ber­ger und mein­te, die könn­ten das falsch ver­ste­hen.“Be­reits vor der Ur­teils­ver­kün­dung ritt Bam­ber­gers Rechts­bei­stand, der Frei­bur­ger An­walt und AfD-Funk­tio­när Du­brav­ko Man­dic, hef­ti­ge Atta­cken ge­gen das Ge­richt. „Wir ha­ben es hier mit ei­nem po­li­ti­schen Pro­zess zu tun, mit po­li­ti­scher Jus­tiz“, so Man­dic, ge­gen den der­zeit selbst er­mit­telt wird, weil er ein Fo­to auf Face­book pos­te­te, auf dem un­ter an­de­rem die Köp­fe von An­ge­la Mer­kel und Joa­chim Gauck in ei­ne Auf­nah­me von den Nürn­ber­ger Kriegs­ver­bre­cher­pro­zes­sen re­tou­chiert wa­ren.

Jus­tiz­mi­nis­ter Maas ha­be den Ge­rich­ten vor­ge­ge­ben, ge­gen un­lieb­sa­me Schrei­ber im In­ter­net vor­zu­ge­hen, so Man­dic. Genau das tue das Land­ge­richt jetzt. „Ei­ne rech­te, pa­trio­ti­sche Ge­sin­nung soll un­ter­drückt wer­den. Mein Man­dant hat sich über die ver­fehl­te Flücht­lings­po­li­tik Ge­dan­ken ge­macht. An ihm soll jetzt ein Ex­em­pel sta­tu­iert wer­den, auch um von den wah­ren Ver­bre­chen ab­zu­len­ken. Hier geht es um Macht­po­li­tik und dar­um, po­li­ti­sche Mei­nungs­äu­ße­rung im Keim zu er­sti­cken“, so Man­dic, der für die AfD in den Bun­des­tag ein­zie­hen will.

Rich­te­rin Sa­lo­mon ver­wahr­te sich ge­gen die­se Vor­wür­fe und be­ton­te: „Wir sind dem Ge­setz ver­pflich­tet, un­ab­hän­gig von je­der po­li­ti­schen Cou­leur.“Ihr Ur­teil kom­men­tiert Man­dic mit den Wor­ten: „Das ist noch nicht zu En­de.“

„Das ist noch nicht zu En­de“

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