Neue Krea­ti­vi­tät für die Gold­stadt

Pforz­heim-Sti­pen­di­um für De­si­gner ver­ge­ben / Per­so­nal­not im EM­MA

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Edith Kopf AN HAUT IN­TER­ES­SIERT: Schmuck­de­si­gne­rin El­wy Schutt. NAH AM ZEIT­GEIST: Mo­de­de­si­gne­rin Mat­hil­de Hum­bert.

Ein me­di­zi­ni­sches Kis­sen für Epi­lep­ti­ker könn­te bald Pforz­heims De­sign­ge­schich­te wei­ter schrei­ben, wenn al­les klappt, wie sich das Mi­ri­am Boh­nen­käm­per und Or Shachar aus­ge­dacht ha­ben. Die bei­den in En­g­land le­ben­den In­dus­trie­de­si­gner ha­ben bei der zwei­ten Aus­schrei­bung des Pforz­heim-Sti­pen­di­ums „De­si­gner in Re­si­dence“über­zeugt. Sie wer­den vom 1. April bis 30. Ju­ni im Krea­tiv­zen­trum EM­MA an ih­rem Pro­jekt ar­bei­ten. Zeit­gleich wer­den auch die Nie­der­län­de­rin El­wy Schutt und die Fran­zö­sin Mat­hil­de Hum­bert er­war­tet. Die bei­den setz­ten in den Be­rei­chen Schmuck­de­sign und Mo­de die An­stren­gun­gen Pforz­heims fort, dem Be­griff Gold­stadt ei­nen eben­so in­ter­na­tio­na­len wie krea­ti­ven Nim­bus zu ver­lei­hen.

Die Ent­schei­dung für die Preis­trä­ger fäll­te, wie schon bei der Pre­mie­re im ver­gan­ge­nen Jahr, ei­ne hoch­ka­rä­tig Ju­ry. Da­zu ge­hör­ten er­neut Schmuck­de­si­gner Phil­ipp Eber­le, der zum Bei­spiel für Hu­go Boss, Swa­rov­ski oder Ken­zo ent­wirft, In­dus­trie­de­si­gner Alex­an­der Schlag von der Pforz­hei­mer Fir­ma yel­low de­sign so­wie Chris­tia­ne Ni­co­laus, die als Di­rek­to­rin des De­sign Cen­ter Ba­den-Würt­tem­berg die Er­geb­nis­se der Pforz­heim-Sti­pen­di­en in Stutt­gart aus­stellt. Neu in der Run­de der Ent­schei­der war Mo­de­de­si­gne­rin Ale­xa Poll­mann, die in Lon­don lehrt und Work­shops bei­spiels­wei­se am ZKM in Karls­ru­he oder am Vic­to­ria & Al­bert Mu­se­um in Lon­don gibt.

Kei­nen Zwei­fel ließ die Ju­ry laut EM­MA-Che­fin Al­mut Ben­kert an der Be­deu­tung der Ar­beits­sti­pen­di­en – nicht für die vier jetzt aus­ge­wähl­ten De­si­gner im Al­ter zwi­schen 22 und 28 Jah­ren. Was Pforz­heim hier ge­schaf­fen hat, wer­de in­ter­na­tio­nal wahr­ge­nom­men. Wie ein Be­leg da­für ist die Her­kunft der Be­wer­ber. Nach­wuchs­de­si­gner aus Chi­na, Ka­na­da, Ägyp­ten und Is­ra­el in­ter­es­sier­ten sich da­für, in Pforz­heim in un­mit­tel­ba­rer Nä­he zur Hoch­schu­le und un­ter­stützt von re­nom­mier­ten Fir­men ih­re Ar­beit vor­an zu brin­gen.

Auf­fäl­lig ist al­ler­dings, dass le­dig­lich 30 Be­wer­bun­gen ein­gin­gen – 25 we­ni­ger als 2015. „Je­des Pro­jekt braucht Kraft­ein­satz“, sagt da­zu Ben­kert. Die An- spra­che sei schwä­cher ge­wor­den, nach­dem ih­re bis­he­ri­ge Stell­ver­tre­te­rin im Som­mer auf ei­ne an­de­re Stel­le ge­wech­selt hat. Da­mit fehlt im EM­MA bis heu­te ei­ne von je nach Les­art 3,5 Stel­len. Ge­plant ist, dass sich dies zum 15. Ja­nu­ar än­dert. Ei­ne Kan­di­da­tin da­für sei aus 85 Be­wer­bun­gen aus­ge­wählt wor­den, sagt Ben­kert auf Nach­fra­ge.

Die Be­deu­tung der Personalie lässt sich am Pro­gramm er­mes­sen, das al­lein im EM­MA durch das Schmuck­ju­bi­lä­um zu­sätz­lich zum re­gu­lä­ren Be­trieb zu be­wäl­ti­gen ist. Es be­ginnt am 5. Mai mit ei­ner Aus­stel­lung des Hoch­schul­pro­jekts „Pf Re­vi­si­ted“, bei dem es um Ma­nu­fak­tur­pro­duk­ti­on mit al­ten Tech­ni­ken geht. Am 19. Mai folgt in Zu­sam­men­ar­beit mit Hoch­schu­le, Kul­tur­amt und Kunst­ver­ein ei­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit Lu­xus und was ihn her­vor­bringt. Par­al­lel zu die­ser Aus­stel­lung im Al­fons-Kern-Turm gibt es am 23./24. Ju­ni ein Sym­po­si­um zu dem The­ma, an dem das EM­MA be­tei­ligt ist.

Viel An­re­gung al­so für die vier Sti­pen­dia­ten, die sich am 29. Ju­ni mit ei­ner Aus­stel­lung ver­ab­schie­den. An­sons­ten be­kom­men sie die Un­ter­kunft so­wie ein um 200 auf 1 000 Eu­ro ge­kürz­tes Bud­get, mit dem die bei­den In­dus­trie­de­si­gner ge­mein­sam aus­kom­men müs­sen, die dar­an ar­bei­ten, Epi­lep­ti­ker vor dem Er­sti­ckungs­tod im Schlaf zu be­wah­ren.

MI­RI­AM BOH­NEN­KÄM­PER bringt Pforz­hei­mer-Er­fah­rung mit, wenn sie zu­sam­men mit Or Shachar das Sti­pen­di­um für In­dus­trie­de­si­gner an­tritt. Sie hat auch an der Hoch­schu­le Pforz­heim stu­diert, be­vor sie nach Lon­don an die Golds­mith Uni­ver­si­ty ging. Fo­tos: PK

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.