Die Gold­stadt auf dem Weg zur Wohn­stadt?

Po­di­ums­dis­kus­si­on der CDU: „Quo va­dis Pforz­heim?“/ Ver­schie­de­ne Wohn­kon­zep­te er­ör­tert

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Jür­gen Pe­che

Wo sind neue Wohn­ge­bie­te in Pforz­heim ge­plant? Gibt es dort be­zahl­ba­ren Wohn­raum und für wen? Wel­che Quar­tie­re sol­len nach der KF sa­niert wer­den und wie geht es mit der Gestal­tung der In­nen­stadt wei­ter?

Al­les Fra­gen, mit de­nen sich die Kom­mu­nal­po­li­tik seit ge­rau­mer Zeit be­schäf­tigt und de­nen die CDU be­son­de­re Auf­merk­sam­keit schenkt. Des­halb hat­ten der Stadt­ver­band Pforz­heim und die Frau­en­uni­on am Mon­tag­abend drei Sach­kun­di­ge zu ei­ner Po­di­ums­dis­kus­si­on zum The­ma „Quo va­dis Pforz­heim: Auf dem Weg zu ei­ner Wohn­stadt?“ein­ge­la­den. Es ka­men in die Räu­me des Bau­zen­trums Goldmann Ka­trin Schütz, Staats­se­kre­tä­rin im Mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft, Ar­beit und Woh­nungs­bau Ba­den-Würt­tem­berg, Pforz­heims Bau­bür­ger­meis­te­rin Sibylle Schüs­s­ler und Cars­ten von Ze­pe­lin, Chef der Bau­ge­nos­sen­schaft Ar­lin­ger, Stadt­rat und Vor­sit­zen­der des Pla­nungs­aus­schus­ses im Ge­mein­de­rat – und über 60 in­ter­es­sier­te Zu­hö­rer. Die Mo­de­ra­ti­on lag bei der Vor­sit­zen­den der Frau­en­uni­on, Alex­an­dra Tat­ja­na Baur.

Stadt­ver­bands­vor­sit­zen­der Tho­mas Dörf­lin­ger um­riss die Aus­gangs­la­ge, den Zu­zug von Flücht­lin­gen und an­de­ren Men­schen, den Zwang zum Neu­bau und der Er­halt der Sub­stanz. Die Stadt, so Sibylle Schüs­s­ler, er­ar­bei­tet der­zeit ein woh­nungs­bau­po­li­ti­sches Kon­zept, das wei­te­re Sa­nie­rungs­ge­bie­te, neue Wohn­for­men und För­der­mög­lich­kei­ten um­fas­se. Im So­zia­len Miet­woh­nungs­bau ha­be das Land in­zwi­schen für Pforz­heim 48 Woh­nun­gen und ih­re För­de­rung mit 6,2 Mil­lio­nen Eu­ro be­wil­ligt, so Staats­se­kre­tä­rin Schütz. Das Land ver­ste­he sich als Part­ner der Kom­mu­nen. Und stel­le 2017 im­mer­hin 250 Mil­lio­nen Eu­ro an För­der­mit­teln lan­des­weit zur Ver­fü­gung. Mit ei­ner Wohn­bau-Al­li­anz wol­le man Hil­fe­stel­lung bie­ten und rea­lis­ti­sche Be­darfs­zah­len lie­fern, ver­spricht die Staats­se­kre­tä­rin. Sie denkt da­bei auch an den Ab­bau von bü­ro­kra­ti­schen Hemm­nis­sen und ei­ne Über­ar­bei­tung der Lan­des­bau­ord­nung.

Schüs­s­ler spricht lie­ber von „ge­för­der­tem“als von „so­zia­lem“Woh­nungs­bau, weil es bei die­sen Pro­jek­ten eher um bes­ser ver­die­nen­de Leu­te aus der Mit­tel­schicht ge­he. „Die­se Men­schen ha­ben wir zu we­nig be­glei­tet.“Für Hartz-IVLeu­te ist der ge­för­der­te Woh­nungs­bau si­cher nicht ge­dacht. Bis­lang lie­gen die Mie­ten bei „Ar­lin­ger“im Mit­tel noch bei knapp un­ter sechs Eu­ro. Im Pforz­hei­mer Miet­spie­gel wer­den als Durch­schnitt 6,21 Eu­ro an­ge­ge­ben.

Grund­la­ge für den Woh­nungs­bau soll laut Schüs­s­ler ei­ne Art Stadt­ent­wick­lungs­ge­sell­schaft sein, die als „Schar­nier“die­ne, um ge­eig­ne­te Flä­chen zu kau­fen.

„Nur mit Flä­chen kön­nen wir die Nut­zung si­chern, und zu­sam­men mit den Woh­nungs­bau­un­ter­neh­men Kon­zep­te ent­wi­ckeln“, so die Bau­bür­ger­meis­te­rin. Flä­chen ge­be es et­wa noch ent­lang der Bahn­li­nie.

So ist im Be­reich des Gü­ter­bahn­hofs an ei­ne gemischte Struk­tur ge­dacht: Für das Are­al der al­ten Raiff­ei­sen­zen­tra­le will man Lidl ge­win­nen, drum her­um könn­te Wohn­be­bau­ung ent­ste­hen. Schüs­s­ler denkt an punk­tu­el­le Wohn­be­bau­ung, nicht an ge­ball­te Sied­lun­gen wie einst beim Haidach.

Die Nord­stadt gilt laut Ze­pe­lin als Stadt­teil mit vie­len Vor­zü­gen und sei si­cher als nächs­tes dran mit der Sa­nie­rung, nach Ab­schluss der KF, die als Blau­pau­se für neue Pro­jek­te gilt. Auch die Sa­nie­rung von In­nen­stadt-Ost hän­ge von För­der­mit­teln ab, und wer­de in ih­rer Trag­wei­te noch im­mer ver­kannt: „Das lie­fert ei­nen Im­puls für die Ge­samt­stadt“, so Ze­pe­lin, und Schüs­s­ler pflich­tet ihm bei: „In der In­nen­stadt le­ben und woh­nen der­zeit nur 1700 Men­schen, das müs­sen mehr wer­den.“

In der Dis­kus­si­on be­klag­te An­dré Fo­ers­ter die Ab­wan­de­rung von Fir­men als „Leicht­sinns­feh­ler“und das „Ver­schen­ken“wert­vol­ler Flä­che an Ama­zon. Bür­ger­meis­te­rin Schüs­s­ler da­zu: „Un­ter mir wird es kein Ama­zon mehr ge­ben.“Wer­ner Wild er­in­ner­te dar­an, dass be­zahl­ba­rer Wohn­raum aus Sicht der In­ves­to­ren auch wirt­schaft­lich sein muss. Fer­ner sorgt er sich um die Leer­stän­de im Han­del. Den Sor­gen ei­ner Zu­hö­re­rin zum Ver­lust von Frei­räu­men und Grün­flä­chen be­geg­net Schüs­s­ler mit dem Zwang zur Ver­dich­tung in ei­ner Stadt, aber gleich­zei­tig der Mehr­fach­nut­zung von Räu­men: Schul­hö­fe und Sport­plät­ze als Spiel­or­te und Or­te der Be­geg­nung. Die CDU, so Dörf­lin­ger, will sol­che Ge­sprächs­run­den im nächs­ten Jahr mo­nat­lich fort­set­zen.

„In der In­nen­stadt le­ben nur 1 700 Men­schen“

ÜBER BAU- UND WOHN­KON­ZEP­TE spra­chen (von links) Sy­bil­le Schüs­s­ler, Ka­trin Schütz, Cars­ten von Ze­pe­lin und Tho­mas Dörf­lin­ger. Fo­to: Wa­cker

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