Schlech­te Kar­ten

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - MAR­KUS GRA­BITZ

Das Ren­nen um die Nach­fol­ge von Mar­tin Schulz an der Spit­ze des Eu­ro­pa­par­la­ments wer­den zwei Ita­lie­ner un­ter sich aus­ma­chen. Am 17. Ja­nu­ar in Straß­burg wird es ei­ne Kampf­kan­di­da­tur zwi­schen dem ehe­ma­li­gen EU-Kom­mis­sar Antonio Ta­ja­ni ge­ben, der für die Christ­de­mo­kra­ten an­tritt, und dem Frak­ti­ons­chef der So­zia­lis­ten Gi­an­ni Pi­tel­la.

Ob­wohl Ta­ja­ni von der größ­ten Frak­ti­on no­mi­niert wird, wer­den ihm ge­rin­ge­re Chan­cen als Pi­tel­la ein­ge­räumt. Im EUPar­la­ment be­nö­tigt der EVP-Kan­di­dat die mas­si­ve Un­ter­stüt­zung aus an­de­ren Frak­tio­nen. Die So­zia­lis­ten dürf­ten ei­ni­ger­ma­ßen ge­schlos­sen für Pi­tel­la stim­men. Bei den Grü­nen und Lin­ken wird Ta­ja­ni aber so gut wie kei­ne Stim­men ho­len. Ih­nen ist er so gut wie un­ver­mit­tel­bar, weil er der Par­tei von Sil­vio Ber­lus­co­ni, For­za Ita­lia, an­ge­hört und als en­ger Ver­trau­ter des ehe­ma­li­gen ita­lie­ni­schen Re­gie­rungs­chefs gilt.

Für den Frak­ti­ons­chef der EVP, den CSU-Po­li­ti­ker Man­fred We­ber, ist die Ent­schei­dung für Ta­ja­ni ei­ne Bla­ma­ge. Der 44-Jäh­ri­ge We­ber, der ge­ra­de erst mit ei­nem sehr gu­ten Er­geb­nis wie­der­ge­wählt wur­de, hat­te sich in ei­nem Brief an die Ab­ge­ord­ne­ten ge­wandt und dar­um ge­wor­ben, bei ih­rer Ent­schei­dung im Hin­ter­kopf zu be­hal­ten, die Po­pu­lis­ten nicht zu stär­ken. Genau dies ist

jetzt aber ein­ge­tre­ten: Da Ta­ja­ni bei Grü­nen und Lin­ken auf größ­te Wi­der­stän­de stößt, müss­te er Stim­men im rech­ten La­ger ein­sam­meln, wenn er im drit­ten Wahl­gang ei­ne Chan­ce ha­ben will. Für We­ber ist die neue La­ge un­an­ge­nehm: Die Schulz-Nach­fol­ge ist die ers­te wich­ti­ge Per­so­nal­ent­schei­dung, die er in sei­ner Funk­ti­on als Frak­ti­ons­chef re­geln muss. We­ber hat sich mas­siv da­für stark ge­macht, dass nach dem So­zi­al­de­mo­kra­ten Schulz wie­der ein Mit­glied der EVP-Frak­ti­on den Pos­ten be­kommt. Soll­te er da­mit schei­tern, wür­de ihm dies als Nie­der­la­ge an­ge­rech­net. Da sich Antonio Ta­ja­ni EVP-in­tern nur knapp ge­gen die Mit­be­wer­ber durch­set­zen konn­te, rech­nen Be­ob­ach­ter in Brüs­sel da­mit, dass selbst im drit­ten Wahl­gang, wenn die ein­fa­che Mehr­heit aus­reicht, nicht al­le EVP-Ab­ge­ord­ne­ten für ihn stim­men wür­den.

Zu Be­ginn der Wahl­pe­ri­ode hat­ten So­zia­lis­ten und Christ­de­mo­kra­ten im Eu­ro­pa­par­la­ment ei­ne in­for­mel­le Zu­sam­men­ar­beit be­schlos­sen. Teil der Ver­ein­ba­rung ist, dass zur Hälf­te der Wahl­pe­ri­ode Mar­tin Schulz (SPD) den Par­la­ments­prä­si­den­ten­pos­ten auf­gibt und die EVP die Nach­be­set­zung re­geln kann. In­dem der Ita­lie­ner Pi­tel­la vor we­ni­gen Wo­chen sei­ne Kan­di­da­tur an­ge­mel­det hat, gilt die in­for­mel­le Gro­ße Ko­ali­ti­on als be­en­det.

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