Til­gung fällt aus

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - WOLF­GANG VOIGT

Es ist die­ser Drei­klang, der Fi­nanz­mi­nis­te­rin Edith Sitz­mann zu­frie­den lä­cheln lässt: Ein nach wie vor nied­ri­ges Zins­ni­veau, kom­for­ta­ble Steu­er­ein­nah­men und weit­ge­hen­de par­la­men­ta­ri­sche Rü­cken­de­ckung für Grün-Schwarz ent­he­ben die obers­te Kas­sen­war­tin des Lan­des der lei­di­gen Pflicht, Schul­den zu til­gen. Zu­min­dest scheint es der­zeit so.

Ver­bind­lich­kei­ten am Ka­pi­tal­markt hat der Süd­wes­ten aber mehr als ge­nug. Das Land wird sich end­lich um ih­re Rück­füh­rung küm­mern müs­sen, will es sich nicht den Vor­wurf ein­han­deln, man stel­le den gern stra­pa­zier­ten Nach­hal­tig­keits­be­griff al­lein sonn­tags ins Schau­fens­ter. Dass Fi­nanz-Sach­wal­te­rin Sitz­mann die Nied­rig­zins­pha­se lie­ber nutzt, um Lan­des­ei­gen­tum wie Hoch­schul­ge­bäu­de, Brü­cken, Ge­rich­te oder Lan­des­stra­ßen

in Schuss zu brin­gen, ist im Grund­satz nicht zu be­an­stan­den. Frei­lich trägt sie ziem­lich dick auf, wenn sie mit Blick auf den Er­hal­tungs­zu­stand der In­fra­struk­tur von „im­pli­zi­ter Ver­schul­dung“spricht. So wird der Schul­den­be­griff be­lie­big und Haus­halts­po­li­tik tri­vi­al. Das Ei­ne tun, und das An­de­re nicht las­sen, müss­te viel­mehr die Ma­xi­me sein. Denn nie wa­ren die volks­wirt­schaft­li­chen Be­din­gun­gen zum Ab­bau von Ka­pi­tal­markt­schul­den bes­ser als heu­te.

Oh­ne­hin scheint der po­li­ti­sche Op­ti­mis­mus im Land we­nig fun­diert. Der nicht un­wahr­schein­li­che US-Pro­tek­tio­nis­mus könn­te auch dem Mit­tel­stand im Länd­le das Le­ben schwer ma­chen, was Fol­gen für das Steu­er­auf­kom­men hät­te. Und auch die Flücht­lings­kri­se ist noch lan­ge nicht über­wun­den.

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