Der Bock in der Rol­le des Gärt­ners

Trump macht mit Scott Pruitt ei­nen Um­welt­geg­ner zum Chef der mäch­ti­gen US-Um­welt­be­hör­de

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten Frank Herr­mann

Wa­shing­ton. Auf Wahl­kampf­büh­nen hat sich Do­nald Trump in po­pu­lis­ti­scher Po­se als Kan­di­dat des Wan­dels ver­kauft. Da gab er den küh­nen Re­for­mer, der den Sumpf in Wa­shing­ton tro­cken zu le­gen ver­sprach, wo­bei das mit dem Mo­rast als Me­ta­pher für das po­li­ti­sche Esta­blish­ment ge­dacht war. Zum Er­folg trug bei, dass er nicht so leicht in ein Par­tei­en­ras­ter pass­te. Schließ­lich for­der­te Trump die Platz­hir­sche der „Grand Old Par­ty“mit der­sel­ben Ver­ve her­aus, mit der er sich mit Hil­la­ry Cl­in­ton du­el­lier­te. Ein Prag­ma­ti­ker, ideo­lo­gisch nicht fest­ge­legt, we­der Re­pu­bli­ka­ner noch De­mo­krat – so soll­ten ihn die Wäh­ler se­hen. Das Ka­bi­nett aber, das er ge­zim­mert hat, lässt je­nen über­par­tei­li­chen Charme na­he­zu kom­plett ver­mis­sen. Es ist die kon­ser­va­tivs­te Mi­nis­ter­rie­ge, die in der jün­ge­ren Ge­schich­te der Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu­sam­men­ge­stellt wur­de.

Der 70 Jah­re al­te Ty­coon hat lau­ter äl­te­re, wei­ße, wert­kon­ser­va­ti­ve Män­ner um sich ge­schart, die ei­nes mit ihm ver­bin­det: Sie sind es ge­wohnt, in straf­fen Hier­ar­chi­en Kom­man­dos zu ge­ben, sei es in Uni­form oder an der Spit­ze ei­nes Un­ter­neh­mens. Er­fah­run­gen im po­li­ti­schen All­tags­be­trieb, wo ge­dul­dig di­cke Bret­ter zu boh­ren sind, wo die Op­po­si­ti­on wi­der­spricht, wo im Par­la­ment an Kom­pro­mis­sen zu fei­len ist, ha­ben ge­ra­de je­ne kaum auf­zu­wei­sen, de­nen der künf­ti­ge Staats­chef die Schlüs­sel­pos­ten sei­nes Ka­bi­netts an­ver­traut. Was so­fort ins Au­ge sticht: Trump hat ein Fai­b­le für hoch­de­ko­rier­te Sol­da­ten, wes­halb sei­ne Kri­ti­ker vor ei­ner Welt­sicht war­nen, bei der man al­les durch die mi­li­tä­ri­sche Bril­le be­trach­tet. Der frü­he­re Ge­ne­ral Micha­el Flynn, der den Is­lam ein­mal pau­schal als Krebs­ge­schwür be­zeich­ne­te, wird als Na­tio­na­ler Si­cher­heits­be­ra­ter enor­men Ein­fluss auf die ame­ri­ka­ni­sche Au­ßen­po­li­tik be­kom­men.

Mit John Mat­tis wird ein Ex-Ge­ne­ral Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter, mit John Kel­ly lei­tet ein wei­te­rer das Hei­mat­schutz­mi­nis­te­ri­um, das die Gren­ze zu Me­xi­ko si­chern soll, um il­le­ga­len Ein­wan­de­rern den Weg zu ver­sper­ren. Eben­so pro­mi­nent ver­tre­ten sind Leu­te, die ein Mil­li­ar­den­ver­mö­gen be­sit­zen oder doch zu­min­dest et­li­che Mil­lio­nen auf dem Kon­to ha­ben. Der Wahl­kampf­re­bell Trump hat sich als wort­ge­wal­ti­ger Wi­der­part der Fi­nanz­jon­gleu­re der Wall Street ge­riert, er hat Hil­la­ry Cl­in­ton als ei­ne Art Ma­rio­net­te der Wall Street por­trai­tiert, nur um jetzt zen­tra­le Pos­ten an je­ne Jon­gleu­re zu ver­ge­ben. Ste­ven Mnu­ch­in, sein de­si­gnier­ter Fi­nanz­mi­nis­ter, war In­vest­ment­ban­ker bei Gold­man Sachs, be­vor er in Hol­ly­wood ins Film­ge­schäft ein­stieg. Wil­bur Ross, der das Han­dels­mi­nis­te­ri­um lei­ten soll, hat mit der Sa­nie­rung kri­seln­der Fir­men Mil­li­ar­den ver­dient. Ga­ry Cohn, die rech­te Hand von Gold­manSachs-Chef Lloyd Blank­fein, über­nimmt den Vor­sitz ei­nes Wirt­schafts­be­ra­ter­gre­mi­ums im Wei­ßen Haus. Die Mil­li­ar­dä­rin Bet­sy DeVos (Bil­dungs­res­sort) zählt seit drei Jahr­zehn­ten zum Kreis der ver­läss­lichs­ten Spen­der der Re­pu­bli­ka­ni­schen Par­tei, wäh­rend Lin­da McMahon al­lein die Kam­pa­gne Trumps mit sechs Mil­lio­nen Dol­lar un­ter­stütz­te. McMahon, mit der Wrest­ling-Ver­mark­tung zu Geld ge­kom­men, wird be­lohnt, in­dem sie als Be­auf­trag­te für klei­ne und mitt­le­re Un­ter­neh­men am Ka­bi­netts­tisch sit­zen darf. And­rew Puz­der, Ma­na­ger ei­nes Fas­tFood-Im­pe­ri­ums, wird Ar­beits­mi­nis­ter, was in Ge­werk­schafts­krei­sen für Alarm­stim­mung sorgt, weil er als gro­ßer Fan von Ro­bo­tern gilt.

Dann wä­re da noch die Ru­brik „Loya­le Freun­de“, Po­li­ti­ker, die sich ei­ne Be­för­de­rung er­hoff­ten, weil sie sich be­reits hin­ter den Kan­di­da­ten Trump stell­ten, als ihm die Par­teie­li­te noch die kal­te Schul­ter zeig­te. Jeff Ses­si­ons ge­hört da­zu, bis­lang Se­na­tor für Ala­ba­ma, nun­mehr de­si­gnier­ter Jus­tiz­mi­nis­ter, ein Ve­te­ran vom rech­ten Flü­gel der Kon­ser­va­ti­ven. Scott Pruitt, bis da­to Ge­ne­ral­staats­an­walt des öl­rei­chen Bun­des­staats Okla­ho­ma, steht für Trumps Wahl­ver­spre­chen, die Erd­öl­bran­che von al­len öko­lo­gi­schen Fes­seln zu be­frei­en. Aus­ge­rech­net Pruitt, der be­zwei­felt, dass mensch­li­ches Ver­hal­ten ver­ant­wort­lich für den Kli­ma­wan­del ist, soll der Um­welt­be­hör­de EPA vor­ste­hen. Mit an­de­ren Wor­ten, er wird ein Res­sort ver­wal­ten, das er seit Jah­ren mit al­len Mit­teln zu schwä­chen ver­sucht. Es ist der Klas­si­ker: Der Bock in der Rol­le des Gärt­ners.

SETZT AUF DIE ERD­ÖL­BRAN­CHE: Scott Pruitt ist in Trumps Mann­schaft für das Res­sort Um­welt zu­stän­dig. Fo­to: AFP

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