Ta­rif­ein­heit im Fo­kus

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT -

Karls­ru­he. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ver­han­delt am 24. und 25. Ja­nu­ar über das um­strit­te­ne Ta­rif­ein­heits­ge­setz. Das wur­de ges­tern in Karls­ru­he mit­ge­teilt. Das im Ju­li 2015 in Kraft ge­tre­te­ne Ge­setz be­deu­te­te die Rück­kehr zum Prin­zip „Ein Be­trieb – ein Ta­rif­ver­trag“. Das soll die Macht klei­ner Spar­ten­ge­werk­schaf­ten be­schnei­den, die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren wie­der­holt mit teils zer­mür­ben­den Streiks für ih­re In­ter­es­sen ge­strit­ten hat­ten.

Et­li­che Ge­werk­schaf­ten se­hen sich durch die Ta­rif­ein­heit in ih­rem Streik­recht be­schränkt und ha­ben ge­klagt. In dem Pi­lot­ver­fah­ren ver­han­deln die Rich­ter über Be­schwer­den von Ver­di, des Be­am­ten­bunds dbb, der Luft­ver­kehrs­ge­werk­schaf­ten Ufo und Ver­ei­ni­gung Cock­pit so­wie der Ärz­te­ge­werk­schaft Mar­bur­ger Bund (Az. 1 BvR 1571/15 u.a.). Das Ge­setz re­gelt, dass nur der Ta­rif­ver­trag je­ner Ge­werk­schaft gilt, die zum Zeit­punkt des jüngs­ten Ab­schlus­ses im Be­trieb die meis­ten Mit­glie­der hat­te.

Ei­ne Kon­kur­renz­ver­ei­ni­gung, die nicht an den Ver­hand­lun­gen be­tei­ligt war, hat ein An­hö­rungs­recht beim Ar­beit­ge­ber und kann den Ver­trag nach­zeich­nen. Die Ta­rif­ein­heit gilt pro Be­trieb in ei­nem Un­ter­neh­men, nicht für das Un­ter­neh­men als Gan­zes. Bei Kol­li­sio­nen ent­schei­den die Ar­beits­ge­rich­te. Ei­gent­lich sol­len die Ge­werk­schaf­ten ih­re Zu­stän­dig­kei­ten aber un­ter­ein­an­der ab­stim­men.

An­lass für die Neu­re­ge­lung war ein Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts, das 2010 den Grund­satz der Ta­rif­ein­heit ge­kippt hat­te. Da­nach konn­ten für glei­che Be­schäf­tig­ten­grup­pen ver­schie­de­ne Ta­rif­ver­trä­ge gel­ten. Ge­gen das Ta­rif­ein­heits­ge­setz ge­klagt ha­ben auch die Lok­füh­rer­ge­werk­schaft GDL und der Deut­sche Jour­na­lis­ten-Ver­band (DJV). Drei Eil­an­trä­ge hat­ten die Ver­fas­sungs­rich­ter im Ok­to­ber 2015 ab­ge­wie­sen – die Nach­tei­le sei­en nicht der­art schwer­wie­gend oder gar exis­tenz­ge­fähr­dend. Das heißt aber nicht, dass die Ver­fas­sungs­be­schwer­den nicht trotz­dem Er­folg ha­ben kön­nen. An­ja Semmelroch

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