Ein Mord, ein Flücht­ling und vie­le of­fe­ne Fra­gen

Ehe­ma­li­ge An­wäl­tin er­kennt Ver­däch­ti­gen / Frei­burgs Er­mitt­ler hof­fen auf Hin­wei­se der grie­chi­schen Po­li­zei

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO -

Frei­burg. Zwei Mo­na­te nach dem Mord an ei­ner Stu­den­tin in Frei­burg und knapp zwei Wo­chen nach der Fest­nah­me ei­nes ver­däch­ti­gen Flücht­lings ste­hen die Er­mitt­ler un­ter Druck. Sie ver­fol­gen Hin­wei­se, dass der an­geb­lich 17-Jäh­ri­ge auch ver­ant­wort­lich ist für ein Ge­walt­ver­bre­chen an ei­ner jun­gen Frau in Grie­chen­land 2013. (Die BNN be­rich­te­ten.) In Frei­burg wird ihm vor­ge­wor­fen, Mit­te Ok­to­ber die­ses Jah­res ei­ne 19 Jah­re al­te Stu­den­tin ver­ge­wal­tigt und er­mor­det zu ha­ben. Doch der Ta­t­ab­lauf und auch das Al­ter des Ver­däch­ti­gen sind un­klar. Un­ser Mit­ar­bei­ter Jür­gen Ruf be­ant­wor­tet die wich­tigs­ten Fra­gen zu dem Mord­fall.

Was wis­sen die Er­mitt­ler über den Tat­ver­däch­ti­gen?

Po­li­zei und Staats­an­walt­schaft le­gen ihm Ver­ge­wal­ti­gung und Mord zur Last. Am Tat­ort in Frei­burg wa­ren DNA-Spu­ren von ihm ge­fun­den wor­den, sie­ben Wo­chen nach dem Tod der Stu­den­tin wur­de er fest­ge­nom­men. Er war in Frei­burg auf Vi­deo­auf­nah­men ei­ner Stra­ßen­bahn er­kannt wor­den. Den An­ga­ben zu­fol­ge ist er 17 Jah­re alt und aus Af­gha­nis­tan. Er kam laut Staats­an­walt­schaft 2015 als un­be­glei­te­ter Flücht­ling nach Deutsch­land, leb­te in Frei­burg bei ei­ner Pfle­ge­fa­mi­lie und stand un­ter der Vor­mund­schaft des Ju­gend­am­tes Breis­gau-Hoch­schwarz­wald.

Wie wur­de er in Frei­burg in­te­griert?

Er be­such­te laut Be­hör­den ei­ne Schu­le in Frei­burg und galt als nicht vor­be­straft. Zu­dem kann er sich in deut­scher Spra­che ver­stän­di­gen. Seit sei­ner Fest­nah­me An­fang De­zem­ber sitzt er in Un­ter­su­chungs­haft. Er äu­ßert sich nicht und hat ei­nen An­walt. Zur Fra­ge, wo und wie er in U-Haft sitzt, will die Staats­an­walt­schaft nichts sa­gen. Auch der An­walt so­wie die Pfle­ge­fa­mi­lie äu­ßern sich nicht. Wie aus gut in­for­mier­ten Krei­sen zu er­fah­ren war, be­fin­det er sich in­zwi­schen im Jus­tiz­voll­zugs­kran­ken­haus Ho­hen­as­perg bei Lud­wigs­burg, wo Ge­fan­ge­ne spe­zi­ell be­treut und me­di­zi­nisch ver­sorgt wer­den.

Wel­che Ver­bin­dun­gen hat der Mann zu der Tat in Grie­chen­land?

Die Po­li­zei prüft ei­nen mög­li­chen Zu­sam­men­hang zu dem Ge­walt­ver­bre­chen an ei­ner jun­gen Frau in Grie­chen­land im Jahr 2013. Die Frau war auf der In­sel Kor­fu über­fal­len und ei­ne Steil­küs­te hin­un­ter ge­wor­fen wor­den. Sie über­leb­te schwer ver­letzt. Und der Tä­ter? Die grie­chi­sche An­wäl­tin des da­ma­li­gen Tä­ters will den in Frei­burg Ver­haf­te­ten wie­der­er­kannt ha­ben. Wie sie sag­te, wur­de er 2014 in Grie­chen­land zu zehn Jah­ren Ge­fäng­nis ver­ur­teilt. Nach et­wa ein­ein­halb Jah­ren wur­de er dem­nach nach ei­nem Be­schluss der Jus­tiz un­ter Auf­la­gen frei­ge­las­sen. Da­nach ver­liert sich sei­ne Spur. Die Hin­ter­grün­de der Frei­las­sung in Grie­chen­land sind un­klar. Laut „Stern“soll er sich be­reits da­mals als 17-Jäh­ri­ger aus­ge­ge­ben ha­ben.

Wie re­agiert die Po­li­zei dar­auf?

Die Frei­bur­ger Er­mitt­ler ha­ben die­se Hin­wei­se durch Zeu­gen­be­fra­gun­gen er­hal­ten. Das Pro­blem: Sie müs­sen nach An­ga­ben ei­ner Spre­che­rin ver­wert­ba­re In­for­ma­tio­nen der grie­chi­schen Po­li­zei und der dor­ti­gen Jus­tiz ab­war­ten. Mög­lich ist un­ter an­de­rem das Ab­glei­chen von auf­fäl­li­gen Tä­to­wie­run­gen.

Wann kom­men die­se In­fos?

Das Bun­des­kri­mi­nal­amt in Wies­ba­den ko­or­di­niert das Über­sen­den der Frei­bur­ger Fra­gen nach Grie­chen­land. Ob und wann Ant­wor­ten kom­men, ist un­klar. Das Ver­fah­ren, sagt ei­ne Spre­che­rin, sei kom­pli­ziert und zeit­auf­wen­dig. Ju­ris­tisch nutz­ba­re Be­wei­se für ei­nen Zu­sam­men­hang der bei­den Ta­ten ha­ben die deut­schen Er­mitt­ler nach ei­ge­nen An­ga­ben der­zeit nicht.

Gibt es Hin­wei­se auf an­de­re Ta­ten des Ver­däch­ti­gen? Die Po­li­zei prüft dies, hat aber der­zeit kei­ne kon­kre­ten Hin­wei­se. Der deut­schen Po­li­zei war der Ver­däch­ti­ge vor dem Mord an der Stu­den­tin we­gen il­le­ga­ler Ein­rei­se auf­ge­fal­len so­wie in Zu­sam­men­hang mit ei­ner Kör­per­ver­let­zung. Der Ver­dacht der Kör­per­ver­let­zung er­här­te­te sich laut Staats­an­walt­schaft aber nicht.

KOM­PLI­ZIER­TE SPU­REN­SU­CHE: Nach dem Mord an ei­ner Stu­den­tin in Frei­burg sitzt ein Tat­ver­däch­ti­ger in U-Haft. Er schweigt. Nun steht ein wei­te­res Ver­bre­chen in Grie­chen­land 2013 im Raum. Doch die Er­mitt­ler ha­ben Mü­hen, den Spu­ren nach­zu­ge­hen. Symbolfoto: dpa

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