Mut­ter in Psych­ia­trie ein­ge­wie­sen

34-Jäh­ri­ge soll ih­re drei Kin­der nachts aus dem Fens­ter ge­wor­fen ha­ben

Pforzheimer Kurier - - BLICK IN DIE WELT - Von un­se­ren Mit­ar­bei­tern Mar­tin Hö­ke und Frank Chris­ti­an­sen

Kre­feld. Die 34-Jäh­ri­ge ist blass, wirkt aber ge­fasst und auf­merk­sam, als sie auf der An­kla­ge­bank Platz nimmt. Die Staats­an­walt­schaft wirft ihr drei­fa­chen Mord­ver­such vor. Sie soll im Ju­ni nachts ih­re schla­fen­den Kin­der aus ei­nem Fens­ter acht Me­ter in die Tie­fe ge­wor­fen ha­ben. Zur Tat­zeit litt sie aber nach Über­zeu­gung des Gut­ach­ters an ei­ner schwe­ren psy­chi­schen Krank­heit – und war nicht schuld­fä­hig. Das Land­ge­richt wies sie da­her ges­tern dau­er­haft in ei­ne ge­schlos­se­ne Psych­ia­trie ein. Die Un­ter­brin­gung wird jähr­lich über­prüft.

Die al­lein­er­zie­hen­de Mut­ter war be­reits nach der Tat im Ju­ni in ei­ner Psych­ia­trie un­ter­ge­bracht wor­den. Ih­rer Man­dan­tin sei ei­ne „pa­ra­no­ide Schi­zo­phre­nie“at­tes­tiert wor­den, sagt An­wäl­tin Ute St­ein­bren­ner. Die Tat vor ei­nem hal­ben Jahr sei der trau­ri­ge Hö­he­punkt der schwe­ren Krank­heit ge­we­sen. Heu­te sei sie aber sta­bil, neh­me die rich­ti­gen Me­di­ka­men­te und ak­zep­tie­re ih­re Krank­heit. Auf An­trag der Ver­tei­di­ge­rin schloss das Ge­richt ges­tern die Öf­fent­lich­keit vom Ver­fah­ren aus. Be­grün­det wur­de dies mit dem Schutz der Rech­te der Mut­ter und der klei­nen Kin­der. De­ren schwe­re Ver­let­zun­gen sind mitt­ler­wei­le aus­ge­heilt. Die bei­den Jun­gen und das Mäd­chen sind in­zwi­schen vier, fünf und sie­ben Jah­re alt. Sie le­ben beim Va­ter.

Ein Rad­fah­rer hat­te die wei­nen­den und wim­mern­den Kin­der da­mals ge­fun­den – in kri­ti­schem Zu­stand. An­woh­ner wa­ren scho­ckiert: „Das hät­ten wir der Frau nicht zu­ge­traut“, sag­te ein äl­te­res Paar. Die Mut­ter sei im­mer sehr lie­be­voll mit ih­ren Kin­dern um­ge­gan­gen. „Das war so ei­ne net­te Fa­mi­lie.“Ei­ne Nach­ba­rin hat­te be­rich­tet, sie sei nachts von Schrei­en wach ge­wor­den und ha­be zu­nächst ge­dacht, es sei­en Kat­zen. „Bei ge­naue­rem Hin­hö­ren dach­te ich mir: Das kön­nen kei­ne Kat­zen sein. Das ist ein Kind!“

Öf­fent­lich­keit vom Ver­fah­ren aus­ge­schlos­sen

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