Dach­grün ist kein The­ma mehr für Em­pö­rung

Ef­fek­te zei­gen sich bei Stark­re­gen / 100-Jah­re-Plan zum Ab­was­ser ori­en­tiert sich am Kli­ma­wan­del

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Edith Kopf

Frei­wil­lig geht gar nichts, auch wenn die In­ves­ti­tio­nen ei­ne noch so ma­le­ri­sche Far­ben­pracht her­vor­brin­gen kön­nen. Dach­be­grü­nung blei­be auch nach ei­nem knap­pen Vier­tel­jahr­hun­dert ei­ne Fra­ge der Kon­trol­le, sagt In­go Bau­mann. Für rich­ti­ge Em­pö­rung, wie er in den An­fangs­jah­ren im Bau­rechts­amt er­leb­te, reicht das The­ma al­ler­dings auch nicht mehr hin. Das Stan­dard­mit­tel aus dem Hand­buch für Kli­ma­ver­bes­se­rung und ge­gen Hoch­was­ser­pro­ble­me ist an­ge­kom­men bei In­dus­trie- und Pri­vat­bau­her­ren. Was der Be­bau­ungs­plan hier vor­gibt, wer­de ak­zep­tiert – trotz hö­he­rer Kos­ten für die Sta­tik der Ge­bäu­de, ins­be­son­de­re im In­dus­trie­be­reich.

Bau­her­ren ak­zep­tie­ren die An­for­de­run­gen heu­te

Wer auf den Wart­berg steigt und run­ter schaut, kann er­mes­sen, wie groß der Wan­del ist. Im Ge­wer­be- und In­dus­trie­ge­biet Wil­fer­din­ger Hö­he reicht der Au­gen­schmaus auf den Dä­chern trotz vie­ler Be­stands­ge­bäu­de mit Blech je nach Jah­res­zeit vom saf­ti­gen Früh­lings­grün bis zum herbst­li­chen Rot.

Be­frei­un­gen von der Pflicht, Flach­dä­cher zu be­pflan­zen, sind heu­te al­ler­dings auch nicht mehr leicht zu be­kom­men. „Da geht es nicht mehr nur um Ab­fluss­spit­zen und die Kos­ten, die je­mand hat“, er­läu­tert Andrea Gloß von der Stadt­ent­wäs­se­rung. Die grü­ne Hül­le als Hal­len­ab­schluss wer­de aber auch leich­ter ak­zep­tiert, be­ob­ach­tet die Spe­zia­lis­tin für Grund­stücks­ent­wäs­se­rung. Die Er­kennt­nis, dass Dä­cher eher län­ger hal­ten als un­dicht wer­den, ha­be sich durch­ge­setzt. Au­ßer­dem sei­en die Sys­te­me in­zwi­schen aus­ge­reift, auch im Er­fah­rungs­schatz von Ar­chi­tek­ten. Ei­nen po­si­ti­ven Ef­fekt all die­ser An­stren­gun­gen kön­nen Ab­was­ser­ex­per­ten bei Stark­re­gen be­ob­ach­ten. Gloß bi­lan­ziert, dass je nach Dach­be­grü­nung zwi­schen 50 und 70 Pro­zent we­ni­ger Re­gen­was­ser di­rekt in der Ka­na­li­sa­ti­on lan­den.

Auf die Ab­was­ser­kos­ten schlägt das al­ler­dings eher nicht durch, ist bei Wal­ter Meer­warth zu er­fah­ren. „Po­si­ti­ve Ef­fek­te durch Dach­be­grü­nung, Zis­ter­nen, Tei­che und Si­cker­mul­den wer­den nicht ab­ge­bil­det“, sagt der Chef­pla­ner. Schuld dar­an ist der 100-Jah­re-Plan bei Neu­in­ves­ti­tio­nen. Bau­herrs Lau­nen sind kei­ne Grö­ße, wenn ein Ka­nal vier Ge­ne­ra­tio­nen die­nen muss. Meer­warth ver­weist auf Nut­zungs­än­de­run­gen – beim Ge­wer­be durch­schnitt­lich al­le 25 Jah­re.

Auch in Wohn­ge­bie­ten wie dem kli­ma­schutz­tech­nisch si­cher vor­bild­lich an­ge­leg­ten Tier­gar­ten will er sich nicht auf den nach­hal­ti­gen An­satz der heu­ti­gen Häus­le­bau­er ver­las­sen. „Wer soll von der Stadt kon­trol­lie­ren, dass die An­la­gen in 250 Häu­sern in 25 Jah­ren noch funk­tio­nie­ren.“Au­ßer­dem brin­ge der Kli­ma­wan­del grö­ße­re Re­gen­men­gen mit sich. „Des­halb ge­hen wir nicht nach un­ten.“

Meer­warth ist den­noch vom Be­ne­fit der be­pflanz­ten Dä­cher über­zeugt, die laut Bau­mann kaum je­mand von sich aus, oh­ne recht­li­che Vor­ga­ben bau­en wür­de: Die Ent­wäs­se­rung wird si­che­rer und kom­for­ta­bler, das Raum­kli­ma bes­ser.

Und dann gibt es ne­ben güns­ti­ge­ren Ab­was­ser­ge­büh­ren ge­mes­sen an ei­ner Voll­ver­sie­ge­lung auch noch ei­nen Aspekt, an den wohl kaum je­mand dach­te, als öko­lo­gi­sche­res Bau­en nach und durch­ge­setzt wur­de: Dach­be­grü­nun­gen und Ähn­li­ches las­sen sich ver­mark­ten. So warb kürz­lich ei­ne nam­haf­te Fir­ma aus dem Enz­kreis mit „Grä­sern, Acker­stief­müt­ter­chen, Mar­ge­ri­ten, wei­ßem Mau­er­pfef­fer und an­de­ren Se­dum-Ar­ten, die die Grün­dä­cher da­hin zu­rück­brin­gen, wo sie durch die Be­bau­ung einst ver­lo­ren gin­gen“.

DIE DACHLANDSCHAFT ver­än­dert sich mit dem Fort­schrei­ten des Kli­ma­schut­zes. Ne­ben Be­grü­nun­gen gibt es auf den In­dus­trie­bau­ten der Wil­fer­din­ger Hö­he auch viel So­lar zu se­hen. Fo­to: Wa­cker

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