Schäd­li­che Für­sor­ge

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - MAR­TIN FERBER

Do­nald Trump wür­de wahr­schein­lich die gan­ze Auf­re­gung nicht ver­ste­hen. Ers­tens ist er selbst Un­ter­neh­mer und zwei­tens hat er die Wahl mit dem Ver­spre­chen ge­won­nen, al­les zu tun, um Ame­ri­ka wie­der groß zu ma­chen, ins Aus­land ab­ge­wan­der­te Ar­beits­plät­ze zu­rück­zu­ho­len oder neue Jobs zu schaf­fen – not­falls mit­hil­fe von Steu­er­er­leich­te­run­gen oder an­de­ren Zu­ge­ständ­nis­sen der Po­li­tik an die Un­ter­neh­men. Als Prä­si­dent ver­steht er sich als obers­ter Lob­by­ist der US-Wirt­schaft.

Auch in zahl­rei­chen an­de­ren Län­dern ist es üb­lich, dass die Staats- und Re­gie­rungs­chefs of­fen­siv die ei­ge­nen Un­ter­neh­men un­ter­stüt­zen, mit Staats­auf­trä­gen lo­cken oder im Aus­land Wer­bung für die Pro­duk­te aus dem Hei­mat­land ma­chen. Selbst Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel und Wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el wer­den bei Aus­lands­rei­sen oft von gro­ßen Wirt­schafts­de­le­ga­tio­nen be­glei­tet, die von den Kon­tak­ten der hoch­ran­gi­gen Po­li­ti­ker pro­fi­tie­ren und im Ge­fol­ge der Staats­be­su­che lu­kra­ti­ve Ge­schäfts­ab­schlüs­se tä­ti­gen.

In­so­fern ist es we­der über­ra­schend noch per se zu ver­ur­tei­len, dass das CSU-ge­führ­te Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um ein über­aus of­fe­nes Ohr für die In­ter­es­sen der deut­schen Au­to­in­dus­trie hat, schließ­lich hän­gen al­lei­ne von die­ser Bran­che di­rekt und in­di­rekt Mil­lio­nen

Jobs ab. Kein Zu­fall ist es auch, dass der obers­te Lob­by­ist der deut­schen Au­to­in­dus­trie, Ma­thi­as Wiss­mann, selbst ein­mal CDU-Ver­kehrs­mi­nis­ter war und ne­ben An­ge­la Mer­kel am Ka­bi­netts­tisch saß. Im Fall des Ab­gas­skan­dals, in den nicht nur VW, son­dern auch an­de­re Her­stel­ler ver­wi­ckelt sind, will nun al­ler­dings ein Un­ter­su­chungs­aus­schuss des Bun­des­tags klä­ren, ob die Für­sor­ge der Po­li­tik für die In­dus­trie zu weit ge­gan­gen ist. Viel spricht da­für. Denn das Haus von Mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt wuss­te of­fen­bar schon früh von den Ma­ni­pu­la­tio­nen der Her­stel­ler bei der Ab­gas­un­ter­su­chung. Und es ließ kri­ti­sche Pas­sa­gen aus ei­nem Un­ter­su­chungs­be­richt ent­fer­nen. Nicht zu­letzt ver­wei­sen die Her­stel­ler dar­auf, sich stets an die gül­ti­gen Ge­set­ze bei der Aus­le­gung der Mo­tor­steue­rung ge­hal­ten zu ha­ben, was den Schluss na­he­legt, dass die Ge­set­ze ge­nau je­nen Spiel­raum zur Täu­schung der Kun­den er­öff­net ha­ben, den VW und Co. bei ih­rer Ab­gas­mes­sung sehr groß­zü­gig aus­ge­legt ha­ben.

Die Leh­ren lie­gen auf der Hand. Zu viel Nä­he kann auch ein Scha­den sein, zu viel Für­sor­ge durch die Po­li­tik bringt auch Nach­tei­le mit sich. In die­sem Fal­le könn­te sich Deutsch­land durch­aus die USA zum Vor­bild neh­men – dort nimmt ei­ne von der Po­li­tik un­ab­hän­gi­ge Be­hör­de die not­wen­di­gen Prü­fun­gen vor.

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