Der Exit der Ame­ri­ka­ner

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - DIRK NEUBAUER

Der Ar­beits­markt in den USA ist re­la­tiv sta­bil und mit den Ener­gie- so­wie Roh­stoff­prei­sen zieht dort auch die In­fla­ti­on wie­der an. Da war es nur kon­se­quent, dass die US-No­ten­bank ge­gen­steu­ert und sich zum Exit aus der ul­tra­lo­cke­ren Geld­po­li­tik ent­schloss: Sie hat den Leit­zins er­höht. Im kom­men­den Jahr soll es wei­te­re Zins­schrit­te ge­ben. Fed-Che­fin Ja­net Yel­len kün­dig­te ein Triple an.

Was be­deu­tet das für den Ver­brau­cher in Deutsch­land? Rei­sen in die USA wer­den teu­rer, weil der Eu­ro schwä­cher wird. Und da der glo­ba­le Öl­han­del auf US-Dol­lar-Ba­sis läuft, wird sich dies an den Tank­stel­len be­merk­bar ma­chen. Im Ge­gen­zug ju­belt hier­zu­lan­de die Ex­port­wirt­schaft, al­len vor­an die Ma­schi­nen­und Au­to­bau­er. Das be­deu­tet in sol­chen Bran­chen auch si­che­re­re Ar­beits­plät­ze.

Nor­ma­ler­wei­se folgt die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank der Po­li­tik der Fed. Ob­wohl de­ren Ent­schei­dung ab­seh­bar war, ha­ben die Tau­ben um EZB-Prä­si­dent Ma­rio Draghi die geld­po­li­ti­schen Schleu­sen zu­letzt aber noch wei­ter ge­öff­net. Mit ei­ner ra­schen Kehrt­wen­de im Frank­fur­ter Eu­ro-To­wer braucht er­go kei­ner zu rech­nen.

Wenn die Zin­sen zwi­schen den Kon­ti­nen­ten noch wei­ter aus­ein­an­der­drif­ten, dann passt dies in die Stra­te­gie der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank. Denn die Ex­port­wirt­schaft in den süd­li­chen Eu­roLän­dern wird so an­ge­kur­belt. Hö­he­re Zin­sen könn­ten sich die­se ex­trem ver­schul­de­ten Staa­ten eh nicht leis­ten. Auf der an­de­ren Sei­te ha­ben sie kei­nen er­höh­ten Druck, Re­for­men durch­zu­zie­hen. War­um auch, die No­ten­ban­ker der EZB zei­gen für ih­re Nö­te ja ein – auch po­li­ti­sches – Ver­ständ­nis.

Weil der Im­port in die Eu­ro­zo­ne durch die di­ver­gie­ren­de Zins­po­li­tik teu­rer wird, be­kommt der Al­te Kon­ti­nent auch da­durch ei­ne hö­he­re In­fla­ti­on ab. Auch dies passt ins Kal­kül der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank, schließ­lich will sie die Teue­rungs­ra­te mög­lichst rasch wie­der an der Zwei-Pro­zent-Mar­ke ha­ben.

Die In­fla­ti­ons­ra­te wird, so viel ist auch we­gen der an­zie­hen­den Roh­öl­prei­se ge­wiss, im kom­men­den Jahr im Eu­ro­land kräf­tig an­zie­hen. Wie der EZB dann ein „Exit“wirk­lich ge­lin­gen will, das ist nach wie vor un­klar. Das wie­der­um soll­te auch den deut­schen Ver­brau­cher ver­un­si­chern.

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