„Akt von Will­kür und Cha­os“

Kri­tik an Ab­schie­bun­gen nach Af­gha­nis­tan / Kret­sch­mann in­ter­ve­nier­te

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

Berlin/Ka­bul (dpa/fer/tob). Die Vor­sit­zen­de der Grü­nen-Bun­des­tags­frak­ti­on, Ka­trin Gö­ring-Eckardt, hat die Sam­mel­ab­schie­bung ab­ge­lehn­ter Asyl­be­wer­ber nach Af­gha­nis­tan scharf kri­ti­siert. Die Ak­ti­on sei „ein Akt von Cha­os und Will­kür“ge­we­sen, sag­te Gö­rin­gEckardt ges­tern in Berlin. „Wir müs­sen von min­des­tens sie­ben Ur­tei­len aus­ge­hen, in de­nen die Ab­schie­bung in letz­ter Mi­nu­te ge­richt­lich ver­hin­dert wor­den ist, da­von drei Ent­schei­dun­gen durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt.“Of­fen­sicht­lich sei es In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) dar­um ge­gan­gen, „auf Bie­gen und Bre­chen und weit­ge­hend oh­ne Rück­sicht auf den Ein­zel­fall ein Ex­em­pel zu sta­tu­ie­ren“.

Ei­ne Char­ter­ma­schi­ne mit 34 ab­ge­scho­be­nen Af­gha­nen war ges­tern Mor­gen in Ka­bul ge­lan­det. Nach An­ga­ben des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums wa­ren ei­gent­lich 50 Men­schen für den Flug vor­ge­se­hen. Zehn Men­schen hät­ten sich der Ab­schie­bung ent­zo­gen. In fünf wei­te­ren Fäl­len sei die­se durch Ge­richts­ent­schei­dun­gen, in ei­nem Fall durch ei­ne ad­mi­nis­tra­ti­ve Ent­schei­dung ver­hin­dert wor­den. Das Karls­ru­her Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat­te die Ab­schie­bung ei­nes 29-Jäh­ri­gen ge­stoppt. Nach An­ga­ben des Ge­richts ist sei­ne Ab­schie­bung aus­ge­setzt, bis über die Ver­fas­sungs­be­schwer­de des Man­nes ent­schie­den ist – längs­tens bis zum 26. Ja­nu­ar. In ei­nem wei­te­ren Fall soll nach In­for­ma­tio­nen die­ser Zei­tung Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann per­sön­lich die Ab­schie­bung ver­hin­dert ha­ben. Der Af­gha­ne, der be­reits im Om­ni­bus nach Frankfurt saß, wur­de auf Ver­an­las­sung von Kret­sch­mann wie­der aus dem Bus ge­nom­men und zu­rück nach Ba­den-Würt­tem­berg ge­bracht. Es soll sich da­bei um ei­nen Mann han­deln, der vom Is­lam zum Chris­ten­tum kon­ver­tiert ist und dem nach Auf­fas­sung der Lan­des­re­gie­rung in Af­gha­nis­tan der Tod droht. Al­ler­dings hat­ten Ge­rich­te in sei­nem Ver­fah­ren die­se Ge­fahr un­ter Ver­weis auf die Ver­fas­sung Af­gha­nis­tans ver­neint.

Nach An­ga­ben von In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) wa­ren un­ter den 34 ab­ge­scho­be­nen Af­gha­nen ein Drit­tel Straf­tä­ter. Sie sei­en we­gen Ver­ge­hen wie Dieb­stahl, Raub, Dro­gen­de­lik­ten, Ver­ge­wal­ti­gung und Tot­schlag ver­ur­teilt wor­den, sag­te de Mai­ziè­re ges­tern. Teil­wei­se sei­en die Af­gha­nen di­rekt aus der Haft her­aus ab­ge­scho­ben wor­den. Aus Ba­den-Würt­tem­berg sind nach An­ga­ben des In­nen­mi­nis­te­ri­ums fünf Men­schen nach Ka­bul ge­flo­gen wor­den, drei von ih­nen sei­en Straf­tä­ter ge­we­sen. De Mai­ziè­re ver­tei­dig­te ges­tern die Ak­ti­on. „Sol­che Rück­füh­rungs­ak­tio­nen sind rich­tig und not­wen­dig, um un­ser Asyl­sys­tem funk­ti­ons­fä­hig zu hal­ten“, sag­te er. Die Si­cher­heits­la­ge in Af­gha­nis­tan blei­be „ins­ge­samt nicht ein­fach“, in vie­len Ge­gen­den sei es aber „hin­rei­chend si­cher“, wes­halb Rück­füh­run­gen „zu­mut­bar“sei­en, sag­te er wei­ter.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.