Ein „für die Zu­kunft ge­plan­tes Bau­werk“

Rhein­brü­cke bei Karls­ru­he wur­de heu­te vor 50 Jah­ren er­öff­net / Nord­tan­gen­te stand auf der Agen­da

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Mat­thi­as Kuld

Karls­ru­he. Flag­gen we­hen, Christ­bäu­me und Tan­nen­schmuck kün­di­gen das na­he Weih­nach­ten an. Es ist ein kal­ter Tag, auf der frisch ge­teer­ten Stra­ße liegt et­was Schnee. Ein „be­deu­tungs­vol­les Er­eig­nis“wird ge­fei­ert, heißt es in den BNN, die über den „Brü­cken­schlag über den Strom“-Sei­te be­rich­ten: Heu­te vor 50 Jah­ren – 16. De­zem­ber 1966 – wur­de die Rhein­brü­cke zwi­schen Karls­ru­he und dem längst nach Wörth ein­ge­mein­de­ten Ma­xi­mi­li­an­sau über­ge­ben. Die neue Brü­cke lös­te da­mals ein Nach­kriegs­pro­vi­so­ri­um von 1947 ab.

Für den Bau­herrn war Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Ge­org Le­ber von Bonn nach Karls­ru­he ge­kom­men. Der sprach zwar nicht gleich von ei­nem wei­te­ren

1966 quer­ten täg­lich 18 000 Au­tos den Fluss

Brü­cken­schlag über den Rhein, der seit vie­len Jah­ren in der Re­gi­on dis­ku­tiert wird, aber er hat­te di­ver­se ver­kehrs­po­li­ti­sche Zu­kunfts­per­spek­ti­ven mit­ge­bracht. Laut Le­ber war schon 1966 ab­seh­bar, dass „der in­ter­na­tio­na­le Ver­kehr, der durch die­sen Raum geht, an Um­fang und Ge­wicht noch zu­neh­men wird, wenn die links­rhei­ni­sche Au­to­bahn die Süd­pfalz ein­mal durch­zieht.“Die A 65 ist ge­baut. Le­bers zwei­te Vi­si­on ist in­des be­er­digt: „Es ist ge­plant, in spä­te­ren Jah­ren die nörd­li­che Um­ge­hung Karls­ru­hes durch ei­nen neu­en An­schluss an die Au­to­bahn an­zu­glie­dern.“Die Nord­tan­gen­te über­stand jahr­zehn­te­lan­ge Dis­kus­sio­nen, mitt­ler­wei­le wird sie nicht wei­ter ver­folgt.

Die vor 50 Jah­ren er­öff­ne­te 300 Me­ter lan­ge Brü­cke – Kos­ten: 38 Mil­lio­nen Mark – mit dem mar­kan­ten 45 Me­ter ho­hen Py­lon wur­de sein­er­zeit als groß­zü­gi­ges, für die Zu­kunft ge­plan­tes Bau­werk ge­fei­ert. Die Rea­li­tät der Zu­kunft über­traf dann aber rasch die 1966 ge­dach­te Ent­wick­lung. Da­mals fuh­ren 18 000 Au­tos am Tag über die Brü­cke. Aus­ge­legt war sie für ein Auf­kom­men von 33 000. Ak­tu­ell set­zen nach An­ga­ben aus dem Re­gie­rungs­prä­si­di­um täg­lich 88 000 Au­tos dem Bau­werk zu.

Aus der stark ge­stie­ge­nen Zahl der täg­lich die Brü­cke que­ren­den Au­tos und der sich dar­aus er­ge­ben­den Not­wen­dig­keit um­fas­sen­der Sa­nie­rung ent­stand die De­bat­te um ei­ne zu­sätz­li­che Stra­ßen­brü­cke. In Rhein­land-Pfalz gibt es ei­ne star­ke Mehr­heit für das Pro­jekt, das al­ler­dings we­gen des Um­welt­schut­zes bei der Rea­li­sie­rung ho­hen Auf­wand er­for­dern wird. Rechts­rhei­nisch wird der Brü­cken­schlag au­ßer­halb Karls­ru­hes ve­he­ment ge­for­dert. In der Stadt selbst gibt es ei­ne po­li­ti­sche Mehr­heit ge­gen den Bau ei­ner zwei­ten Rhein­brü­cke. Die „Men­trup-Mehr­heit“steht da­bei mit ih­rem Vo­tum für das Mo­dell „Er­satz­brü­cke“ ge­gen die Min­der­heit von CDU und FDP. In­des scheint die­se Mehr­heit et­was auf­zu­wei­chen, denn mit der Mög­lich­keit, ei­ne künf­ti­ge „Nord­brü­cke“bis zur B 36 durch­zu­bin­den, könn­ten sich dem Ver­neh­men nach auch de­ren Geg­ner ar­ran­gie­ren. Zur Karls­ru­her Kri­tik ge­hört die durch die zwei­te Brü­cke ent­ste­hen­de zu­sätz­li­che Lärm­be­las­tung für Knie­lin­gen, zu­dem wer­den die Pro­gno­sen be­treffs ei­nes wei­ter stark stei­gen­den Ver­kehrs­auf­kom­mens in Fra­ge ge­stellt.

EIN HAL­BES JAHR­HUN­DERT IST DIE RHEIN­BRÜ­CKE zwi­schen Karls­ru­he und Ma­xi­mi­li­an­sau alt. Das Bau­werk wird im Was­ser von ei­nem Fluss­pfei­ler ge­stützt und hängt an dem 45 Me­ter ho­hen Py­lon. Fo­to: Ar­tis

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