Kind von drei El­tern

Lon­don er­laubt be­son­de­re künst­li­che Be­f­ruch­tung

Pforzheimer Kurier - - BLICK IN DIE WELT -

Lon­don (AFP). Groß­bri­tan­ni­en er­laubt als ers­tes Land welt­weit die künst­li­che Be­f­ruch­tung mit Gen­ma­te­ri­al von drei Men­schen. Die zu­stän­di­ge Auf­sichts­be­hör­de gab ges­tern grü­nes Licht für die um­strit­te­ne Me­tho­de, mit der die Über­tra­gung ei­ner schwe­ren Erb­krank­heit ver­hin­dert wer­den soll. Das Par­la­ment in Lon­don hat­te die künst­li­che Er­zeu­gung von Ba­bys mit drei El­tern­tei­len be­reits Fe­bru­ar 2015 ge­bil­ligt.

Die Che­fin der Be­hör­de für mensch­li­che Be­f­ruch­tung und Em­bryo­lo­gie, Sal­ly Cheshire, nann­te die Ent­schei­dung „his­to­risch und wich­tig“. Die an der Uni­ver­si­tät von New­cast­le ent­wi­ckel­te Me­tho­de ist hoch um­strit­ten. Sie be­trifft al­ler­dings nur äu­ßerst we­ni­ge Paa­re: Rund 125 Ba­bys wer­den je­des Jahr in Groß­bri­tan­ni­en mit ei­ner Mi­to­chon­d­rio­pa­thie, ei­ner Fehl­funk­ti­on der Mi­to­chon­dri­en, ge­bo­ren. Die­se wird von der Mut­ter ver­erbt.

Die Mi­to­chon­dri­en sind win­zi­ge Or­ga­nis­men in den Zel­len, die Glu­ko­se in Ener­gie­mo­le­kü­le ver­wan­deln. Bei ei­ner Fehl­funk­ti­on ver­fügt der Or­ga­nis­mus nicht über aus­rei­chend Ener­gie, was zu schwe­ren de­ge­ne­ra­ti­ven Krank­hei­ten wie Dia­be­tes oder Mus­kel­schwä­che füh­ren kann. Bei der in New­cast­le ent­wi­ckel­ten Tech­nik wird die Über­tra­gung der Mi­to­chon­d­rio­pa­thie von der Mut­ter auf das Kind blo­ckiert, in­dem die de­fek­te Mi­to­chon­drie aus der Ei­zel­le ent­fernt und durch ei­ne Mi­to­chon­drie ei­ner an­de­ren Frau er­setzt wird. Die an­de­re Frau bleibt da­bei an­onym. Die so ver­än­der­te Ei­zel­le wird an­schlie­ßend im La­bor mit dem Sper­ma des Va­ters be­fruch­tet und dann in die Ge­bär­mut­ter der Mut­ter ein­ge­setzt.

Das so ent­ste­hen­de Kind wird die Cha­rak­te­ris­ti­ka sei­ner Mut­ter und sei­nes Va­ters auf­wei­sen, weil der von der frem­den Frau stam­men­de An­teil an den Erb­an­la­gen nur ge­ring ist. Wäh­rend die Be­für­wor­ter der Me­tho­de da­rin ei­nen rie­si­gen me­di­zi­ni­schen Fort­schritt se­hen, be­fürch­ten die Geg­ner, dass die Me­tho­de der Er­zeu­gung von De­si­gner-Ba­bys Tür und Tor öff­nen könn­te.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.