Klän­ge der Or­gel er­fül­len den Raum

„Mu­si­ca ad Ve­sper­um“in der Bar­fü­ßer­kir­che

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM -

Zahl­rei­che Ker­zen er­hel­len den gut be­such­ten Kir­chen­raum der Bar­fü­ßer­kir­che. Die So­pra­nis­tin Fran­zis­ka Tiedt­ke und Ma­thi­as Kohl­mann an der Or­gel ha­ben an die­sem letz­ten Abend der Rei­he „Mu­si­ca ad Ve­sper­um“ein mu­si­ka­lisch ab­wechs­lungs­rei­ches Pro­gramm zu­sam­men­ge­stellt.

Das rein in­stru­men­ta­le „Prae­lu­di­um d-Moll“von Jo­hann Pa­chel­bel bil­det den An­fang. Ma­jes­tä­tisch, dröh­nend und do­mi­nant er­fül­len die Klän­ge der Or­gel den Raum. Ehr­furchts­voll be­gin­nen die Kron­leuch­ter an der De­cke sich lang­sam zu dre­hen. Bei „Ave Ma­ris Stel­la“aus der Fe­der von Gio­van­ni Pai­si­el­lo zeigt sich deut­lich, dass Fran­zis­ka Tiedt­ke ein Opern­stu­di­um hin­ter sich hat und seit 2012 fest am Stadt­thea­ter Pforz­heim en­ga­giert ist. Mit ei­ner schö­nen, klang­vol­len Stim­me trifft sie so­gar die sehr ho­hen Tö­ne ab­so­lut sau­ber. Kohl­mann be­glei­tet an der Or­gel ih­re an­ge­neh­me Stim­me bei „Mil­le Che­ru­bi­ni in co­ro“von Franz Schu­bert sehr har­mo­nisch, be­schwingt und sanft­mü­tig.

Dann er­hebt sich Pas­to­ral­re­fe­rent To­bi­as Gfell und er­zählt ei­ne Ge­schich­te von Jo­han­nes dem Täu­fer, der in Je­sus ger­ne den Rich­ter der rich­tet und be­straft se­hen wür­de und nicht den Barm­her­zi­gen, der heilt und ver­gibt. Gfell zieht hier­bei ei­ne Par­al­le­le zu den Mor­den in Sy­ri­en, den Bom­ben auf die Kir­chen Ägyp­tens und dem Ter­ror in Istan­bul. Vie­le Men­schen wür­den ger­ne Stra­fe, Ge­richt und Bu­ße für die­je­ni­gen die has­sen und Brand­her­de le­gen se­hen, er­zählt er und fragt: „Wor­auf war­ten wir?“Dar­auf dass ei­ner kom­me, der nicht rich­te, son­dern ret­te. Der die Ge­rech­tig­keit su­che, auf­baue und hei­le. Der von Lie­be spre­che, die al­les be­wir­ke und für im­mer blei­be „Ei­ner wird kom­men, es kam schon ei­ner“, schließt Gfell.

Doch was be­deu­tet dies nun? Nichts tun und da­für be­ten dass je­mand kommt und was tut? Auch die Ge­schich­te des jun­gen Man­nes, der zum Rab­bi kommt und wis­sen möch­te, was er tun kann, um die Welt zu ret­ten, hat et­was Ent­mu­ti­gen­des. Denn der Rab­bi ant­wor­tet ihm: „So viel, wie du da­zu bei­tra­gen kannst, dass Mor­gens die Son­ne auf­geht.“Mit „Pa­ter Nos­ter“von Bon­net, wel­ches von Tiedt­ke hin­ge­bungs­voll und lei­den­schaft­lich ge­sun­gen wird, geht es mu­si­ka­lisch wei­ter. „Die schnel­le, ver­spiel­te und wun­der­bar leicht wir­ken­de „Sin­fo­nie in G“von Mar­pung und das ge­fäl­li­ge „Lord, Ma­ke Me An In­stru­ment Of Thy Pe­ace“von Will­cocks lei­ten das ge­mein­sa­me Va­ter­un­ser und Se­gens­ge­bet ein.

Zum Ab­schluss des Abends zieht Ma­thi­as Kohl­mann im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes noch ein­mal al­le Re­gis­ter und zeigt sein gan­zes Kön­nen an der Or­gel. Wie schon zur Er­öff­nung des Abends, wird mit der „Of­fer­toire Sym­pho­ni­que in g-Moll“von Cé­sar Franck auch zum Ab­schluss ein ma­jes­tä­ti­sches und ehr­furcht­er­we­cken­des Lied ge­wählt. Der Mit­tel­teil und das En­de wir­ken bei­na­he apo­ka­lyp­tisch. Ron Tee­ger

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