„Die Bri­ten wa­ren nie gu­te Eu­ro­pä­er“

Fran­zö­si­scher Ge­ne­ral­kon­sul Ey­ba­lin in Pforz­heim

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Su­san­ne Roth

Da wet­tet der Ge­ne­ral­kon­sul doch glatt um zwei Fla­schen Cham­pa­gner mit den Schü­lern des Reuch­lin­gym­na­si­ums: Ni­co­las Ey­ba­lin, au­ßer­dem Lei­ter des fran­zö­si­schen In­sti­tuts Stutt­gart, sagt klipp und klar, dass er nicht an Ma­rie Le Pen als neue Prä­si­den­tin Frank­reichs glaubt. „Es ist nicht un­mög­lich, aber un­wahr­schein­lich.“Und ver­weist auf das Wahl­sys­tem mit zwei Wahl­gän­gen.

Bis zu die­sem in­ter­es­san­ten State­ment aus Sicht ei­nes Fran­zo­sen, der stolz dar­auf ist, „die be­son­de­re Be­zie­hung zwi­schen Deutsch­land und Frank­reich för­dern zu dür­fen“, müs­sen sich die Schü­ler der zehn­ten Klas­sen und der Ober­stu­fen sehr ge­dul­den. Der Ge­ne­ral­kon­sul ist pünkt­lich, Rek­tor Kai Adam, der Or­ga­ni­sa­tor der „Ju­gend trifft Po­li­tik“-Rei­he und JU-Kreis­vor­sit­zen­de Phil­ipp Dörf­lin­ger auch, aber der Po­li­ti­ker nicht.

Der Eu­ro­pa-Ab­ge­ord­ne­te Da­ni­el Cas­pa­ry kommt zu spät aus ei­ner Sit­zung in Straß­burg raus und di­rekt in die Rush-Hour hin­ein. Die War­te­zeit über­brückt Rek­tor Adam, in­dem er den Gym­na­si­as­ten ei­ne Sicht auf sei­ne frü­hen Er­leb­nis­se mit Frank­reich mit­teilt. Der Va­ter, so Adam, ha­be noch „ge­lernt, auf Fran­zo­sen zu schie­ßen“. Pas­send da­zu er­tönt die Smart­pho­ne-Fan­fa­re Dörf­lin­gers – Cas­pa­ry kün­digt sein Kom­men an.

Statt ei­ner kur­zen An­spra­che ge­ben sich die Po­di­ums­gäs­te al­le Mü­he, ih­ren Le­bens­lauf akri­bisch nach­zu­er­zäh­len. Für Ni­co­las Ey­ba­lin war die Ver­söh­nung zwi­schen Frank­reich und Deutsch­land mit dem Zu­sam­men­tref­fen der bei­den Staats­ober­häup­ter Charles de Gaul­le und Kon­rad Ade­nau­er „end­gül­tig be­sie­gelt“. Wenn die Oma von Da­ni­el Cas­pa­ry nicht hät­te aus Tsche­chi­en flüch­ten müs­sen, wä­re er heu­te viel­leicht „Bä­cker oder Land­wirt, wie mei­ne Vor­fah­ren“– so aber ist er im Jahr 2004 in der eu­ro­päi­schen Po­li­tik ge­lan­det.

Schnell kommt Cas­pa­ry auf zwei hei­ße Ei­sen zu spre­chen. Das „Hin­schlach­ten von Fa­mi­li­en in Alep­po und wir re­agie­ren ei­gent­lich gar nicht“. Und die Tat­sa­che, dass es zu we­nig Ab­ge­ord­ne­te gä­be, um den Aus­tausch mit den an­de­ren 27 Län­dern ge­nug pfle­gen zu kön­nen. Auf die Fra­ge der Schü­ler, ob der Br­ex­it ei­nen Do­mi­no-Ef­fekt ha­ben könn­te: ein ent­schie­de­nes „Nein“von Ni­co­las Ey­ba­lin. „Die Bri­ten wa­ren nie gu­te Eu­ro­pä­er. Sie ha­ben im­mer ge­dacht, sie kön­nen das al­lei­ne.“Na­tür­lich hält Ey­ba­lin die eu­ro­päi­sche Flag­ge ver­bal hoch. „Aber ich ha­be mir noch nie so viel Sor­gen ge­macht wie zur Zeit“, sagt er und ver­weist auf Pu­tin, „der ein­fach ge­ra­de­aus geht“.

NAH AN DEN SCHÜ­LERN: der fran­zö­si­sche Ge­ne­ral­kon­sul Ni­co­las Ey­ba­lin, JU-Kreis­vor­sit­zen­der Phil­ipp Dörf­lin­ger und Kai Adam (von links). Fo­to: Ro

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