Wie geht es wei­ter beim Al­ten­pfle­ge­heim?

Hoff­nung auf Ei­ni­gung in Rem­chin­gen: Ge­mein­de und Trä­ger­ver­ein ver­han­deln er­neut

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS - Von un­se­rem MIt­ar­bei­ter Ju­li­an Zach­mann

Rem­chin­gen-Wil­fer­din­gen. Wer ist in zwei­ein­halb Wo­chen zu­stän­dig für die Be­lan­ge im Rem­chin­ger Al­ten­pfle­ge­heim? Noch ist die­se Fra­ge nicht ein­deu­tig ge­klärt. Zwar hat­te der Ge­mein­de­rat – wie be­rich­tet – im De­zem­ber 2015 nicht­öf­fent­lich den Pacht- und Be­triebs­trä­ger­ver­trag mit dem Trä­ger­ver­ein Dia­ko­ni­sche Al­ten­hil­fe Rem­chin­gen auf En­de 2016 ge­kün­digt mit dem An­sin­nen, die Ge­schi­cke der Ein­rich­tung zu­min­dest vor­über­ge­hend wäh­rend der an­ste­hen­den grö­ße­ren Bau­maß­nah­men (ab 2018 sind drei Mil­lio­nen Eu­ro vor­ge­se­hen) als Ei­gen­be­trieb in Ge­mein­de­hand zu füh­ren. Der Trä­ger­ver­ein hat­te je­doch Wi­der­spruch ein­ge­legt, wor­auf­hin die Ge­mein­de Kla­ge er­hob, um die Recht­mä­ßig­keit ih­rer Kün­di­gung be­stä­ti­gen zu las­sen.

Bei der jüngs­ten Ge­mein­de­rats­sit­zung am 8. De­zem­ber si­cker­te nun durch, dass die Rä­te un­ter an­de­rem we­gen die­ser of­fe­nen De­bat­te den Rem­chin­ger Haus­halts­plan für 2017 nicht wie ge­plant im De­zem­ber, son­dern erst im Ja­nu­ar ver­ab­schie­den wer­den – es lau­fen al­so noch Ver­hand­lun­gen.

Schon im Jah­res­ver­lauf soll es von bei­den Sei­ten meh­re­re Ver­su­che ge­ge­ben ha­ben, zu ei­ner ein­ver­nehm­li­chen, ge­mein­sa­men Lö­sung zu kom­men. Die Hür­den sind al­ler­dings hoch: So be­män­gel­te die Ge­mein­de im­mer wie­der ei­ne un­zu­frie­den stel­len­de Kom­mu­ni­ka­ti­on sei­tens des Trä­ger­ver­eins, dem Alt­bür­ger­meis­ter Wolf­gang Oechs­le vor­sitzt, mit Lo­renz Pra­ef­cke und Bür­ger­meis­ter Lu­ca Wil­helm Prayon als Vi­ze. Au­ßer­dem sieht die Ge­mein­de den Ver­ein mit rund 460 000 Eu­ro un­be­zahl­ter Mie­te nebst Zin­sen und 70 000 Eu­ro un­be­zahl­ter Heiz­kos­ten in der Krei­de. Oechs­le und Pra­ef­cke wie­der­um leg­ten Tei­le des Be­triebs­trä­ger­ver­trags an­ders aus: Ih­rer Mei­nung nach be­fin­det sich der Ver­ein nicht im Schul­den­stand, son­dern eher in Über­zah­lung ge­gen­über der Ge­mein­de. Zu­dem be­klag­ten sie mehr­fach, dass die Kom­mu­ne an­ge­sichts der lan­des­wei­ten Heim­bau­ver­ord­nung, die seit 2009 Dop­pel­zim­mer ab­schaf­fen will, in Sa­chen Er­wei­te­rung nicht schnell ge­nug hand­le. Zwar sieht die öf­fent­li­che Ta­ges­ord­nung zur Ge­mein­de­rats­sit­zung am 22. De­zem­ber be­reits die Dis­kus­si­on über ei­ne wei­te­re vor­sorg­li­che Kün­di­gung des Pacht- und Be­triebs­trä­ger­ver­hält­nis­ses so­wie die Ein­brin­gung ei­nes Wirt­schafts­plans für das Al­ten­pfle­ge­heim als Ei­gen­be­trieb vor. Das sei aber nur die Vor­be­rei­tung ei­ner mög­li­chen Be­triebs­form, er­klär­te Bür­ger­meis­ter Prayon ges­tern ge­gen­über dem Pforz­hei­mer Ku­ri­er. Die letz­ten Wür­fel sei­en an­ge­sichts ge­plan­ter Ge­sprä­che in den nächs­ten Ta­gen noch nicht ge­fal­len. „Wir hof­fen auf ei­ne Lö­sung, aber ak­tu­ell sieht es schwie­rig aus, weil die Auf­fas­sun­gen in man­chen Be­rei­chen völ­lig kon­trär sind“, er­klär­te Prayon. Da­bei ha­be die Ge­mein­de Kom­pro­miss­be­reit­schaft ge­zeigt. So sei man ent­ge­gen dem ei­gent­li­chen Plan, ei­nen Ei­gen­be­trieb zu grün­den, schon ei­nen gro­ßen Schritt auf den Ver­ein zu­ge­gan­gen: Man wür­de ak­zep­tie­ren, den Trä­ger­ver­ein wei­ter be­ste­hen zu las­sen (un­ter Vor­sitz des am­tie­ren­den Bür­ger­meis­ters) und die strit­ti­ge hal­be Mil­li­on Eu­ro eins zu eins dem Heim und sei­nem Um­bau zu­gu­te­kom­men zu las­sen: „Die bes­te Lö­sung liegt auf dem Tisch, und wenn wirk­lich al­len dar­an ge­le­gen wä­re, gä­be es kei­nen Grund, sich nicht güt­lich zu ei­ni­gen.“Wenn der Trä­ger­ver­ein aber nun wei­te­re, un­er­füll­ba­re For­de­run­gen stel­le, wer­de der Ge­mein­de­rat ei­ne Lö­sung fin­den müs­sen, was dann wohl zu ei­nem Ei­gen­be­trieb führt.

Auch dann wer­de sich an der Be­treu­ung und den Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nis­sen im Heim nichts ver­schlech­tern, ent­geg­ne­te Prayon den Be­fürch­tun­gen: „Im Ge­gen­teil, da wird viel Pa­nik ver­brei­tet, die un­be­grün­det ist.“Auch ein Ei­gen­be­trieb sei stets of­fen für eh­ren­amt­li­ches En­ga­ge­ment.

Der Trä­ger­ver­eins­vor­sit­zen­de Wolf­gang Oechs­le woll­te sich zu den ak­tu­el­len Ge­sprä­chen ges­tern nicht äu­ßern: „Ich möch­te die lau­fen­den Ver­hand­lun­gen nicht mit ir­gend­ei­ner Aus­sa­ge ge­fähr­den. Man soll­te kei­nen gro­ßen Wir­bel aus der Sa­che ma­chen und auf er­folg­rei­che Ver­hand­lun­gen hof­fen.“

Prayon: Sind auf den Trä­ger­ver­ein zu­ge­gan­gen

OB DAS REM­CHIN­GER AL­TEN­PFLE­GE­HEIM ab Ja­nu­ar in Hän­den des bis­he­ri­gen Trä­ger­ver­eins mit dem Vor­sit­zen­den Wolf­gang Oechs­le (links) und Vi­ze Lo­renz Pra­ef­cke bleibt oder Ei­gen­be­trieb der Ge­mein­de wird, steht noch nicht fest. Fo­to: Zach­mann/Ar­chiv

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