Viel Lob für Papst Fran­zis­kus

Papst Fran­zis­kus macht sich nicht nur Freun­de

Pforzheimer Kurier - - ERSTE SEITE -

Bonn (AFP). An­läss­lich des heu­ti­gen 80. Ge­burts­tags von Papst Fran­zis­kus hat die Deut­sche Bi­schofs­kon­fe­renz des­sen Wir­ken ge­wür­digt. Mit Fran­zis­kus ler­ne „die Kir­che neu, an die Rän­der un­se­rer Ge­sell­schaf­ten zu ge­hen“, sag­te der Vor­sit­zen­de des Gre­mi­ums, Kar­di­nal Rein­hard Marx.

Am 13. März 2013 wur­de Jor­ge Bergo­glio zum Nach­fol­ger des eme­ri­tier­ten Paps­tes Be­ne­dikt XVI. ge­wählt. Fran­zis­kus’ oft­mals spon­ta­nen Äu­ße­run­gen ha­ben ihm viel Bei­fall, aber auch Kri­tik ein­ge­bracht.

Rom. Der 80. Ge­burts­tag von Papst Fran­zis­kus soll heu­te ein ganz nor­ma­ler Tag sein. Be­son­de­re Fei­er­lich­kei­ten im Kir­chen­staat sind nicht ge­plant, aber wahr­schein­lich wird es wie in ver­gan­ge­nen Jah­ren in der Men­sa der Va­ti­ka­n­un­ter­kunft San­ta Mar­ta, wo der Papst in ei­nem Ho­tel­zim­mer wohnt, ei­ne Ge­burts­tags­tor­te mit Ker­ze ge­ben. Doch von Ge­burts­tags­stim­mung kann im Va­ti­kan kei­ne Re­de sein. Im Kir­chen­staat herrscht di­cke Luft, und das seit Wo­chen. Spricht man mit den bei­den deut­schen Kar­di­nä­len Wal­ter Brand­mül­ler und Joa­chim Meis­ner wird deut­lich, dass für sie mit die­sem Pon­ti­fi­kat die Welt durch­ein­an­der­ge­ra­ten ist. Im Sep­tem­ber hat­ten sie ih­ren Un­mut in ei­nem kla­ren Brief an den Papst zum Aus­druck ge­bracht. Dass das Ober­haupt von fast 1,2 Mil­li­ar­den Gläu­bi­gen in Aus­nah­me­fäl­len den Ge­brauch von Ver­hü­tungs­mit­teln er­laubt, auf wie­der­ver­hei­ra­te­te Ge­schie­de­ne zu­geht und an­de­re Din­ge durch­set­zen will, passt ih­nen ganz und gar nicht. Der auch von an­de­ren mit­un­ter­zeich­ne­te öf­fent­li­che Brief ist nur die Eis­berg­spit­ze ei­nes im Kir­chen­staat und in der Ku­rie weit ver­brei­te­ten Un­muts über be­stimm­te Vor­ge­hens­wei­sen die­ses Paps­tes. Fran­zis­kus ant­wor­te­te nicht, je­den­falls nicht öf­fent­lich.

Papst Fran­zis­kus schei­det die Geis­ter. Wäh­rend vie­le jun­ge Leu­te und li­be­ra­le Ka­tho­li­ken in ihm ei­nen Re­for­mer se­hen, kri­ti­sie­ren ihn erz­kon­ser­va­ti­ve Gläu­bi­ge und Geist­li­che als Ver­wäs­se­rer kirch­li­cher Dok­tri­nen. Fran­zis­kus macht sich an ver­schie­de­nen Fron­ten Fein­de, und scheint da­mit kei­ne nen­nens­wer­ten Pro­ble­me zu ha­ben. Im­mer tritt er lä­chelnd auf und wirkt stets gut gelaunt.

Nicht nur sein Vor­pre­schen in Sa­chen ge­schie­de­ne Wie­der­ver­hei­ra­te­te und den Ge­brauch von Prä­ser­va­ti­ven in Aus­nah­me­fäl­len ver­är­gert be­stimm­te Grup­pie­run­gen in­ner­halb der Kir­che. Auch sei­ne durch­grei­fen­den Re­for­men im va­ti­kan­in­ter­nen Ver­wal­tungs­ap­pa­rat sor­gen für Miss­stim­mung. Er will Ord­nung in den Finanzen schaf­fen, die Va­ti­k­an­bank trans­pa­rent ma­chen und vom schlech­ten Image ver­gan­ge­ner Jahr­zehn­te be­frei­en, die teu­re Ver­wal­tung straf­fen. Mit die­sem ent­schie­de­nen Vor­ge­hen wer­den ver­krus­te­te Struk­tu­ren auf­ge­bro­chen und Pf­rün­den be­stimm­ter ho­her Geist­li­che ent­fal­len. Das ge­fällt je­nen nicht, die Macht und Ein­fluss ver­lie­ren.

Re­for­men in der Ver­wal­tung, das Zu­ge­hen auf Be­völ­ke­rungs­grup­pen wie ge­schie­de­ne Wie­der­ver­hei­ra­te­te, die Ein­rich­tung von Du­schen für Ob­dach­lo­se di­rekt beim Va­ti­kan, die Ent­schei­dung nicht in den präch­ti­gen Rä­um­lich­kei­ten des Papst­pa­las­tes zu le­ben und die Öff­nung der päpst­li­chen Som­mer­re­si­denz in Cas­tel Gan­dol­fo für Tou­ris­ten: das al­les ge­fällt den ei­nen und miss­fällt den an­de­ren. „Die­ser Papst“, so Va­ti­kan­ex­per­te San­dro Ma­gis­ter vom Wo­chen­ma­ga­zin „l’Es­pres­so“, „spal­tet sei­ne Kir­che wie nur sel­ten ein Pon­ti­fex vor ihm“. Ma­gis­ters Kol­le­ge Mar­co Po­li­ti spricht so­gar von ei­nem „Fran­zis­kus un­ter Wöl­fen“, wo­mit die im­mer stär­ker wer­den­de

Im Va­ti­kan bro­delt es hef­tig

Grup­pe erz­kon­ser­va­ti­ver Geist­li­cher im Kir­chen­staat ge­meint ist, die, so Po­li­ti, „im­mer of­fe­ner ih­re Mei­nung kund­tun, oh­ne ein Blatt vor den Mund zu neh­men“. An Papst Fran­zis­kus scheint all die­se Kri­tik ab­zu­pral­len. Er geht ge­ra­de aus wei­ter auf sei­nem Weg der Re­form in sei­ner Kir­che. Und er gibt sich im­mer noch leut­se­lig, wirkt im­mer noch ein we­nig wie ein Dorf­pfar­rer und kommt da­mit beim Kir­chen­volk un­ge­mein gut an.

Nach fast vier Jah­ren Pon­ti­fi­kat ist er auch mit 80 Jah­ren nicht mü­de ge­wor­den im­mer neue Ent­wick­lun­gen an­zu­sto­ßen. Auch in Rich­tung ei­ner of­fe­ne­ren Kir­che. Bi­schof Karl Leh­mann, ExVor­sit­zen­der der deut­schen Bi­schofs­kon­fe­renz, for­dert sei­ne Kol­le­gen da­zu auf, die von Fran­zis­kus ge­schaf­fe­nen neu­en Frei­räu­me zu nut­zen. Frei­räu­me, die aber je­nen Angst ma­chen, die es bis­her nicht ge­wohnt wa­ren, dass ein Papst ih­nen die Frei­heit gibt, selbst Din­ge in die Hand zu neh­men, und nicht nur mit er­ho­be­nem Zei­ge­fin­ger von oben her­ab zu be­stim­men. Tho­mas Mig­ge

BARM­HER­ZIG­KEIT UND NÄ­HE sind Papst Fran­zis­kus enorm wich­tig. Als Ges­te der Nächs­ten­lie­be wusch der Pon­ti­fex Flücht­lin­gen in die­sem Jahr die Fü­ße. Auch zu sei­nem Vor­gän­ger Be­ne­dikt such­te er den Kon­takt. Fotos: dpa

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