Mehr Kon­trol­le

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - MAR­TIN FERBER

Die Fra­ge steht im Raum, und sie muss be­ant­wor­tet wer­den: Könn­te die 19-jäh­ri­ge Frei­bur­ger Stu­den­tin Ma­ria L. noch le­ben, wenn die Be­hör­den in Grie­chen­land kor­rekt ge­ar­bei­tet und sich an al­le eu­ro­päi­schen Re­geln ge­hal­ten hät­ten – und wenn es auf eu­ro­päi­scher Ebe­ne ein zen­tra­les Re­gis­ter mit ei­nem of­fe­nen Da­ten­aus­tausch für die Si­cher­heits­be­hör­den al­ler EU-Län­der gä­be? Die Ant­wor­tet lau­tet wohl: Ja, Ma­ria wür­de noch le­ben, ihr Tod ist, grau­sam ge­nug, die Fol­ge ei­nes Be­hör­den­ver­sa­gens.

Das al­les ent­schei­den­de Ver­säum­nis war aus Sicht der Bun­des­re­gie­rung, dass Grie­chen­land den mut­maß­li­chen Tä­ter zwar na­tio­nal, aber nicht in­ter­na­tio­nal zur Fahn­dung aus­ge­schrie­ben hat, nach­dem er sei­nen Mel­de­auf­la­gen nach der vor­zei­ti­gen Ent­las­sung aus der Haft nicht nach­ge­kom­men war. Die­ser Vor­wurf wiegt schwer und be­las­tet das oh­ne­hin schon ram­po­nier­te deutsch­grie­chi­sche Ver­hält­nis.

Doch die grie­chi­schen Be­hör­den wol­len das nicht auf sich sit­zen las­sen, dre­hen den Spieß um und rei­chen den Schwar­zen Pe­ter wei­ter: Nach ih­ren An­ga­ben wur­den die Fin­ger­ab­drü­cke und Per­so­na­li­en des Ver­däch­ti­gen

schon bei sei­ner An­kunft in Grie­chen­land im eu­ro­päi­schen Eu­ro­dac-Sys­tem ge­spei­chert. Die­se Da­ten wä­ren so­mit al­len eu­ro­päi­schen Si­cher­heits­be­hör­den zu­gäng­lich ge­we­sen, auch den deut­schen. Ei­gent­lich hät­te er sich so­mit bei sei­ner Ein­rei­se kei­ne neue Iden­ti­tät als un­be­glei­te­ter Min­der­jäh­ri­ger oh­ne Pass zu­le­gen kön­nen.

Die ge­gen­sei­ti­gen Schuld­zu­wei­sen be­le­gen ei­nes: Das Sys­tem hat Män­gel, die De­fi­zi­te müs­sen drin­gend be­ho­ben wer­den. Wenn Eu­ro­pa tat­säch­lich, wie auf dem jüngs­ten Gip­fel­tref­fen der EURe­gie­rungs­chefs in Brüssel be­schlos­sen, bis zur Mit­te kom­men­den Jah­res die Flücht­lings- und Asyl­po­li­tik neu re­geln will, muss auch der kom­plet­te Da­ten­aus­tausch funk­tio­nie­ren. Nur wenn je­der Staat zu je­der Zeit den vol­len Zu­griff zu al­len Da­ten der re­gis­trier­ten Flücht­lin­ge hat, kön­nen Dop­pel­re­gis­trie­run­gen und Fol­ge­an­trä­ge un­ter neu­en Iden­ti­tä­ten ver­hin­dert wer­den. Und hier­zu­lan­de spricht nichts da­ge­gen, die an­geb­li­chen Min­der­jäh­ri­gen oh­ne Pass, die zu­fäl­lig al­le den 1. Ja­nu­ar als Ge­burts­tag an­ge­ben, me­di­zi­nisch zu un­ter­su­chen, um ihr Al­ter fest­zu­stel­len. So viel Kon­trol­le muss sein.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.