Kurz soll in­ter­na­tio­na­ler Kri­sen­ma­na­ger wer­den

Ös­ter­reichs Au­ßen­mi­nis­ter über­nimmt OSZE-Vor­sitz

Pforzheimer Kurier - - FORUM - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten Ru­dolf Gru­ber

Wi­en. Im nächs­ten Jahr über­nimmt Ös­ter­reich von Deutsch­land den Vor­sitz der OSZE, dem ju­gend­li­chen Au­ßen­mi­nis­ter Se­bas­ti­an Kurz fällt die Rol­le des di­plo­ma­ti­schen Kri­sen­ma­na­gers zu. Der eigene Ehr­geiz könn­te ihm im Weg ste­hen. Die ge­mein­sa­me Er­klä­rung der EU-Au­ßen­mi­nis­ter zur künf­ti­gen Tür­kei­po­li­tik schei­ter­te in die­ser Wo­che le­dig­lich an ei­ner se­man­ti­schen Klei­nig­keit. Kurz be­stand dar­auf, die Be­zie­hun­gen zum Re­gime in An­ka­ra „ein­zu­frie­ren“, die üb­ri­gen 27 Amts­kol­le­gen woll­ten die Be­zie­hun­gen der­zeit „ru­hen“las­sen. Der deut­sche Chef­di­plo­mat Fran­kWal­ter St­ein­mei­er hat­te mit vä­ter­li­cher Ge­duld ver­geb­lich ver­sucht, Kurz auf ge­mein­sa­men Kurs zu brin- gen. Hin­ter­her stell­te Jo- han­nes Hahn, EU-Kom- mis­sar für Er­wei­te­rungs- und Nach­bar­schafts­po­li­tik, sei­nen Lands­mann und Par­tei­freund Kurz – bei­de ge­hö­ren der kon­ser­va­ti­ven ÖVP an –, mit der Kri­tik bloß: „Das war ei­ne künst­li­che De­bat­te.“Der ge­ra­de 30 Jah­re al­te Shoo­ting­star der ös­ter­rei­chi­schen Po­li­tik scheint sei­ne Pro­fi­lie­rungs­sucht nur noch schwer zü­geln zu kön­nen.

Auch dürf­ten die Lob­hu­de­lei­en der Me­di­en über das „größ­te po­li­ti­sche Ta­lent“seit Jahr­zehn­ten ih­re Wir­kung nicht ver­fehlt ha­ben. So rühmt er sich bei je­der Ge­le­gen­heit, er sei es ja ge­we­sen, der die Schlie­ßung der Bal­kan­rou­te ver­han­delt und so den Mi­gran­ten­strom nach Eu­ro­pa ge­stoppt ha­be. Auch die Blo­cka­de­po­li­tik ge­gen die Tür­kei ver­bucht er als Er­folg ös­ter­rei­chi­scher Au­ßen­po­li­tik, wie Jour­na­lis­ten bei ei­ner Pres­se­kon­fe­renz in Brüssel be­ob­ach­te­ten. „Es ist nun klar, dass kei­ne wei­te­ren Ka­pi­tel er­öff­net wer­den“, tön­te er mit et­was über­stei­ger­tem Selbst­be­wusst­sein. Was treibt Kurz an? Sei­ne for­schen Tö­ne ent­pup­pen sich als rei­ner in­nen­po­li­ti­scher Po­pu­lis­mus. Er steht der rech­ten FPÖ weit­aus nä­her als dem li­be­ra­len, of­fe­nen Welt­bild, das er von sich selbst zeich­net. Als Hoff­nungs­trä­ger und Kanz­ler­kan­di­dat der seit Jah­ren lah­men­den ÖVP steht der ge­bür­ti­ge Wie­ner un­ter Er­folgs­zwang, mög­lichst vie­le vor al­lem an die rech­te FPÖ ver­lo­re­ne Wäh­ler ein­zu­sam­meln. Die Kri­tik an der Tür­kei ver­spricht Er­folg, weil sie in Ös­ter­reich sehr po­pu­lär ist.

Als Gast­ge­ber der OSZE – das Kür­zel steht für Si­cher­heit und Zu­sam­men­ar­beit in Eu­ro­pa – hat sich der „Blo­cka­de­di­plo­mat“Kurz bis­lang nicht emp­foh­len. Soll­te ihn die gro­ße in­ter­na­tio­na­le Büh­ne wei­ter­hin zu of­fen­si­ver Selbst­pro­fi­lie­rung ver­lo­cken, ist ein per­sön­li­ches Schei­tern nicht aus­zu­schlie­ßen.

ECKT IN DER EU AN: Se- bas­ti­an Kurz. Foto: dpa

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