Wur­de Jun­ge im In­ter­net ra­di­ka­li­siert?

Bun­des­an­walt­schaft be­stä­tigt Er­mitt­lun­gen

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­ren Mit­ar­bei­tern Jan Brink­hus und Marc Kal­pi­dis

Lud­wigs­ha­fen/Karls­ru­he. Ein zwölf­jäh­ri­ger Jun­ge soll ver­sucht ha­ben, auf dem Weih­nachts­markt von Lud­wigs­ha­fen ei­ne Bom­be zu zün­den. Der Spreng­satz ging aber nicht hoch und und wur­de we­ni­ge Ta­ge spä­ter in der Nä­he das Rat­hau­ses der rhein­land-pfäl­zi­schen Stadt ge­fun­den. Die Bun­des­an­walt­schaft in Karls­ru­he be­stä­tig­te Er­mitt­lun­gen we­gen des Bom­ben­fun­des, mach­te aber kei­ne nä­he­ren An­ga­ben. „Wir kön­nen aus er­mitt­lungs­tak­ti­schen Grün­den kei­ne wei­te­ren An­ga­ben ma­chen“, sag­te der stell­ver­tre­ten­de Pres­se­spre­cher der Be­hör­de, Ste­fan Biehl. Das Ma­ga­zin „Fo­cus“be­rich­te­te, nach Er­kennt­nis­sen der Er­mitt­ler sei der Jun­ge stark re­li­gi­ös ra­di­ka­li­siert und könn­te von ei­nem un­be­kann­ten Mit­glied der Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat (IS) an­ge­stif­tet oder an­ge­lei­tet wor­den sein. Der straf­un­mün­di­ge Zwölf­jäh­ri­ge be­fin­det sich nach An­ga­ben der Stadt Lud­wigs­ha­fen in­zwi­schen in ei­ner ge­schütz­ten Ein­rich­tung. Des­we­gen ge­he von ihm kei­ne Ge­fahr aus, sag­te Ober­bür­ger­meis­te­rin Eva Loh­se (CDU) auf ei­ner Pres­se­kon­fe­renz.

Der Jun­ge soll laut „Fo­cus“am 26. No­vem­ber ver­sucht ha­ben, den Spreng­satz auf dem Weih­nachts­markt in Lud­wigs­ha­fen zu zün­den, was miss­lang. Das Ma­ga­zin be­ruft sich auf An­ga­ben der Jus­ti­zund Si­cher­heits­be­hör­den. Am 5. De­zem­ber ha­be der Jun­ge den in ei­nem Ruck­sack ver­steck­ten Spreng­satz – ein mit Spreng­pul­ver ge­füll­tes Kon­ser­venglas – dann in ei­nem Ge­büsch na­he dem Rat­haus de­po­niert. Die ge­nau­en Hin­ter­grün­de der Tat und die Ge­fähr­lich­keit des ver­wen­de­ten Ma­te­ri­als wa­ren zu­nächst un­klar. Der Zwölf­jäh­ri­ge wur­de in Lud­wigs­ha­fen ge­bo­ren und wohn­te dort auch wäh­rend der Vor­fäl­le, wie der Lei­ter der Staats­an­walt­schaft Fran­ken­thal, Hu­bert Strö­ber, sag­te. We­gen des Um­fel­des des Kin­des ha­be er die Bun­des­an­walt­schaft in­for­miert. Die Staats­an­walt­schaft selbst se­he von Er­mitt­lun­gen ge­gen das straf­un­mün­di­ge Kind ab, das so­wohl die deut­sche als auch die ira­ki­sche Staats­bür­ger­schaft ha­be, sag­te Strö­ber.

Der Ter­ro­ris­mus­ex­per­te der Stif­tung Wis­sen­schaft und Po­li­tik, Gui­do St­ein­berg, hält die Be­zeich­nung „Ter­ro­rist“für den zwölf­jäh­ri­gen Ver­däch­ti­gen für un­an­ge­mes­sen. „Ich ha­be Schwie­rig­kei­ten da­mit, ei­nen Zwölf­jäh­ri­gen als Ter­ro­ris­ten an­zu­se­hen“, sag­te er. „Das macht Sinn, wenn Leu­te an­fan­gen, sich für Po­li­tik zu in­ter­es­sie­ren, mit 15 oder 16. Aber wie po­li­tisch kann je­mand sein mit zwölf Jah­ren? Da stellt sich eher die Fra­ge: Was ist im Um­feld los? Denn das kann ja nicht sei­ne Idee ge­we­sen sein.“

Nach Auf­fas­sung des Ter­ro­ris­mus­ex­per­ten Pe­ter Ne­u­mann vom King’s Col­le­ge in Lon­don wur­de der Jun­ge ver­mut­lich im In­ter­net ra­di­ka­li­siert. „Dort könn­te der Jun­ge mit ei­nem Re­kru­teur in Sy­ri­en in Kon­takt ge­kom­men sein, der ihn ge­wis­ser­ma­ßen über Mes­sen­ger­diens­te in Echt­zeit fern­ge­steu­ert hat“, sag­te Ne­u­mann der Deut­schen Pres­seA­gen­tur. Über Mes­sen­ger­diens­te kön­nen zum Bei­spiel per Mo­bil­te­le­fon Nach­rich­ten aus­ge­tauscht wer­den. Die Bun­des­re­gie­rung zeig­te sich alar­miert. „Das ist na­tür­lich ei­ne Mel­dung, die je­den

Zwölf­jäh­ri­ger woll­te Bom­be hoch­ge­hen las­sen

auf­schre­cken lässt“, sag­te Re­gie­rungs­spre­cher Stef­fen Sei­bert in Ber­lin.

Ein Spre­cher des Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums sag­te, nur weil je­mand nicht straf­mün­dig sei, be­deu­te dies noch lan­ge nicht, „dass kei­ne Straf­bar­keit vor­liegt“. Im De­zem­ber 2000 hat­te die Frank­fur­ter Po­li­zei meh­re­re Is­la­mis­ten ge­fasst, die mit ei­ner Koch­topf-Bom­be mög­lichst vie­le „Un­gläu­bi­ge“auf dem Straß­bur­ger Weih­nachts­markt tö­ten woll­ten. Die Mit­glie­der der Ter­ror­zel­le wur­den zu teils lang­jäh­ri­gen Haft­stra­fen ver­ur­teilt.

Foto: An­s­pach

NA­HE DEM RAT­HAUS von Lud­wigs­ha­fen wur­de ein Spreng­satz in ei­nem Ruck­sack ge­fun­den. Ein Zwölf­jäh­ri­ger soll da­für ver­ant­wort­lich sein.

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