„Er­heb­li­che Miss­brauchs­ge­fahr“

Mut­ter, die mit Kin­dern und ei­nem Ex-Se­xu­al­straf­tä­ter zu­sam­men­lebt, muss Wei­sun­gen des Ge­richts hin­neh­men

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO -

Karls­ru­he/Bruch­sal (epd). Ei­ne Mut­ter aus dem Raum Bruch­sal, die mit ih­ren Kin­dern und ei­nem ent­las­se­nen Ex-Se­xu­al­straf­tä­ter zu­sam­men­le­ben will, muss da­für re­gle­men­tie­ren­de Wei­sun­gen des Ge­rich­tes hin­neh­men. Bei ei­ner „er­heb­li­chen“Miss­brauchs­ge­fahr für ein Kind müss­ten die Grund­rech­te der Mut­ter und ih­res neu­en Le­bens­ge­fähr­ten zu­rück­tre­ten, ent­schied der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) in Karls­ru­he in ei­nem am Frei­tag ver­öf­fent­lich­ten Be­schluss (Ak­ten­zei­chen: XII ZB 149/16).

Vor dem Ge­richt in der Fä­cher­stadt wur­de der Fall ei­ner al­lein sor­ge­be­rech­tig­ten Mut­ter ent­schie­den, die Mit­te 2015 mit ih­rer da­mals sie­ben­jäh­ri­gen Toch­ter und ih­rem äl­te­ren Sohn in die Woh­nung ih­res neu­en Le­bens­ge­fähr­ten ge­zo­gen war. Der Mann war in den Jah­ren 2000 und 2004 we­gen se­xu­el­len Miss­brauchs an Kin­dern und Ver­ge­wal­ti­gung zu ei­ner vier­ein­halb­jäh­ri­gen Haft­stra­fe ver­ur­teilt wor­den. Nach sei­ner Haft­ent­las­sung im De­zem­ber 2009 folg­ten wei­te­re Ver­ur­tei­lun­gen, et­wa we­gen des Be­sit­zes von Kin­der­por­nos.

Bis Fe­bru­ar 2016 stand der Mann un­ter Füh­rungs­auf­sicht. In die­ser Zeit wur­de ihm ver­bo­ten, zu Mäd­chen Kon­takt auf­zu­neh­men, es sei denn, die Kin­der be­fin­den sich in Be­glei­tung ei­nes Sor­ge­be­rech­tig­ten. Weil die Mut­ter den­noch mit ih­rem vor­be­las­te­ten Freund zu­sam­men­zog, wur­de ihr teil­wei­se das Sor­ge­recht für die Toch­ter ent­zo­gen. Die Toch­ter wohn­te zu­nächst bei ei­ner be­freun­de­ten Fa­mi­lie und dann in ei­nem Kin­der­haus.

Das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he hob den Sor­ge­rechts­ent­zug un­ter Auf­la­gen auf. Da­nach durf­te die Mut­ter das Kind nicht mit dem Le­bens­ge­fähr­ten al­lein las­sen. Zwi­schen 22 und 8 Uhr durf­te sich das Kind nicht ge­mein­sam mit dem Mann in der­sel­ben Woh­nung auf­hal­ten. Auch un­an­ge­kün­dig­te Be­su­che des Ju­gend­am­tes soll­ten er­fol­gen, ver­füg­te das Ge­richt.

Der BGH be­stä­tig­te nun die­se Wei­sun­gen. Es han­de­le sich um er­for­der­li­che Maß­nah­men, die ei­ne Ge­fähr­dung des Kin­des­wohls ab­wen­den sol­len. Gut­ach­ter hät­ten dem Mann ei­ne im­mer noch 30-pro­zen­ti­ge Rück­fall­wahr­schein­lich­keit be­schei­nigt. Da­mit be­ste­he ei­ne „hin­rei­chen­de Wahr­schein­lich­keit“für ei­nen Miss­brauch und da­mit ei­ne „er­heb­li­che“Ge­fähr­dung des Mäd­chens.

Die Grund­rech­te der Mut­ter und des Le­bens­ge­fähr­ten müss­ten dann zu­rück­tre­ten. Auch die Zu­si­che­rung der Mut­ter, dass der 13-jäh­ri­ge Bru­der stän­dig an­we­send sein kön­ne oder das Kin­der­zim­mer der Toch­ter im­mer mit ei­nem Ba­by­fon und ei­nem akus­ti­schen Zei­chen an der Kin­der­zim­mer­tür über­wacht wird, könn­ten die ge­richt­li­chen Wei­sun­gen nicht er­set­zen, be­fand der Bun­des­ge­richts­hof in Karls­ru­he.

Ur­teil des Bun­des­ge­richts­hof

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