Deutsch-grie­chi­sche Dis­so­nan­zen

Fall des mut­maß­li­chen Mör­ders von Frei­burg sorgt wei­ter für Un­stim­mig­kei­ten

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von Mo­ni­ka Wen­del und Oli­ver Schma­le

Frei­burg. Der Fall des mut­maß­li­chen Mör­ders von Frei­burg sorgt wei­ter für Un­stim­mig­kei­ten und Ver­wir­rung. Nach An­ga­ben der grie­chi­schen Be­hör­den wa­ren die Fin­ger­ab­drü­cke und Per­so­na­li­en des Ver­däch­ti­gen Hus­sein K. seit sei­ner An­kunft als Flücht­ling in Grie­chen­land 2013 im Eu­ro­dac-Sys­tem ge­spei­chert. „Die­se Da­ten wa­ren al­len eu­ro­päi­schen Si­cher­heits­be­hör­den zu­gäng­lich“, hieß es aus der grie­chi­schen Re­gie­rung. Ei­ne Spre­che­rin des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums stell­te al­ler­dings klar, dass die Da­ten­bank le­dig­lich An­ga­ben über den Ort, das Da­tum des Asyl­an­trags, das Ge­schlecht und den Zeit­punkt der Ab­nah­me der Fin­ger­ab­drü­cke ent­hal­te. Ver­ur­tei­lun­gen oder Fahn­dungs­maß­nah­men sei­en dar­in nicht ge­spei­chert.

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) hat­te den grie­chi­schen Be­hör­den schwe­re Vor­wür­fe ge­macht. Der ver­däch­ti­ge Mann wur­de nach Ver­stö­ßen ge­gen Be­wäh­rungs­auf­la­gen in Grie­chen­land nicht in­ter­na­tio­nal zur Fahn­dung aus­ge­schrie­ben. Beim Tref­fen von Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) mit dem grie­chi­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Al­exis Tsi­pras war der Mord­fall an­schei­nend kein The­ma, zu­min­dest äu­ßer­ten sie sich in ih­ren Stel­lung­nah­men nicht da­zu. Fra­gen von Me­di­en­ver­tre­tern wa­ren nach dem Tref­fen im Kanz­ler­amt nicht zu­ge­las­sen. Der ba­den­würt­tem­ber­gi­sche In­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl (CDU) for­der­te neue Re­geln im Um­gang mit min­der­jäh­ri­gen un­be­glei­te­ten Flücht­lin­gen. „Wir ge­wäh­ren ih­nen Rech­te, die nur ih­nen zu­ste­hen – und des­halb müs­sen wir mit mehr Sorg­falt schau­en, wer min­der­jäh­rig ist und wer nicht“, sag­te Strobl in Stuttgart. „Das geht hin bis zu ei­ner stan­dard­mä­ßi­gen Rönt­gen­un­ter­su­chung des Hand­wur­zel­kno­chens. Denn vie­le Flücht­lin­ge führ­ten lei­der kei­nen Pass mit sich, und in vie­len Fäl­len kön­nen wir uns lei­der auch nicht auf die Al­ters­an­ga­be ver­las­sen.“Im Frei­bur­ger Ver­bre­chens­fall ist das Al­ter des Ver­däch­ti­gen so­wie sei­ne Her­kunft un­klar. Hus­sein K. hat­te den deut­schen Be­hör­den an­ge­ge­ben, er stam­me aus Af­gha­nis­tan und sei 17 Jah­re alt. Ein­deu­ti­ge Do­ku­men­te konn­te er bei sei­ner Ein­rei­selaut Be­hör­den nicht vor­le­gen. Es geht zen­tral auch um die Fra­ge, war­um den deut­schen Be­hör­den bei der Ein­rei­se des mut­maß­li­chen Af­gha­nen im No­vem­ber 2015 des­sen grie­chi­sche Vor­stra­fe nicht auf­ge­fal­len ist. Hus­sein K. hat­te 2013 auf Kor­fu ei­ne Stu­den­tin über­fal­len und schwer ver­letzt. 2014 wur­de er we­gen ver­such­ten Mor­des zu ei­ner Haft­stra­fe ver­ur­teilt, im Herbst 2015 aber vor­zei­tig aus der Haft ent­las­sen. Kurz dar­auf kam er nach Deutsch­land. Im Ok­to­ber die­ses Jah­res soll er in Frei­burg ei­ne 19 Jah­re al­te Stu­den­tin ver­ge­wal­tigt und er­mor­det ha­ben. Strobl for­der­te ne­ben ei­nem eu­ro­päi­schen Fahn­dungs- auch ein eu­ro­päi­sches Straf­re­gis­ter.

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