Über wei­ße Ren­tie­re, Rutsch­par­ti­en und das Le­ben in Rust

Eu­ro­pa-Park-Chef Ro­land Mack will ei­nen über 140 Mil­lio­nen Eu­ro teu­ren Was­ser­park er­öff­nen / Ver­sun­ke­ne Stadt als The­ma

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT -

Rust. Eu­ro­pa-Park-Chef Ro­land Mack er­füllt den BNN-Re­dak­teu­ren schon jetzt ei­nen Weih­nachts­wunsch: Ei­ne abend­li­che Spritz­tour durch den so­eben ge­schlos­se­nen Frei­zeit­park soll es sein. „Bit­te schön, stei­gen Sie ein!“, for­dert er auf und star­tet sein pas­send zur Ad­vents­zeit ver­zier­tes Golf­cart. Ne­ben dem Steu­er leuch­tet in ei­ner Schnee­ku­gel ein Weih­nachts­mann. Mack ist in sei­nem Ele­ment, öff­net per Fern­be­die­nung die To­re von Deutsch­lands größ­tem Frei­zeit­park, er­wähnt stolz die über 2 500 Weih­nachts­bäu­me, die in dem fest­lich il­lu­mi­nier­ten frü­he­ren Rus­ter Schloss­gar­ten auf­ge­stellt sind. Dann muss er stop­pen: Zwei Ren­tie­re, ei­ne wei­ße Mut­ter – ex­trem sel­ten – und ihr Sohn ste­hen im Weg. Dann rie­selt auch noch Kunst­schnee durch die kal­te Luft und ein hüb­sches Mäd­chen aus Kap­pel­ro­deck lä­chelt den Grün­der des Eu­ro­pa-Parks an. Mack strahlt wie mit Kin­der­au­gen zu­rück, ist be­geis­tert von der Sze­ne­rie für ei­nen Image­film, der hier ge­ra­de ge­dreht wird. Ei­ni­ge St­un­den zu­vor hat­te das Ex­klu­siv-Interview mit den BNN-Re­dak­teu­ren Dirk Neu­bau­er und Ma­rio Belt­schak in der Bar des Eu­ro­pa-Park-Ho­tels Co­los­seo mit ei­nem The­ma be­gon­nen, für das es Ba­de­ho­sen be­darf ...

Herr Mack, mal ehr­lich, trotz der ak­tu­el­len Weih­nachts­stim­mung träu­men Sie doch schon von ei­ner Rutsch­par­tie in Ih­rem be­nach­bar­ten Was­ser­park, den sie 2019 für 140 Mil­lio­nen Eu­ro er­öff­nen wol­len.

Mack: Er wird mitt­ler­wei­le eher mehr Geld kos­ten. Die Ge­samt­flä­che für den neu­en Park mit 42 Hekt­ar ist be­reits kom­plett er­schlos­sen. Der Bau­auf­trag für ein wei­te­res pas­sen­des Ho­tel ist an ei­ne Karls­ru­her Bau­fir­ma ver­ge­ben.

Das wird die größ­te In­ves­ti­ti­on in der Fir­men­ge­schich­te. Fi­nan­zie­ren Sie die­se wie bis­her aus dem lau­fen­den Ge­schäft und aus Rück­la­gen?

Mack: Wir be­kom­men das mit re­la­tiv we­nig Fremd­ka­pi­tal hin.

Mit wel­cher Top-At­trak­ti­on ge­hen Sie an den Start? Wel­len­bad, „Wild Ri­ver“, Rut­schen, Surf­si­mu­la­tor und ein Fluss, der durch Höh­len führt, sol­len dar­un­ter sein.

Mack: Wir star­ten mit ei­nem über­dach­ten Was­ser­park mit 20 000 Qua­drat­me­tern Flä­che und zu­nächst ei­nem Au­ßen­pool samt „Wild Ri­ver“. Wir kön­nen den Park spä­ter aufs Dop­pel­te ver­grö­ßern. Uns kommt es aber vor al­lem dar­auf an, ein The­ma zu spie­len und nicht ein wei­te­res Er­leb­nis­bad mit Pal­men zu bau­en.

Und die­ses The­ma heißt?

Mack: Es wird ei­ne ver­sun­ke­ne Stadt sein. Im Nord­meer. Auch das Ho­tel mit 1 360 Bet­ten wird pas­send da­zu, üb­ri­gens von ei­nem Karls­ru­her Ar­chi­tek­tur­bü­ro, ge­stal­tet. So et­was gibt es von der At­mo­sphä­re und The­ma­ti­sie­rung in Mit­tel­eu­ro­pa noch nicht. Wir rech­nen mit 7 000 bis 8 000 Be­su­chern am Tag.

Ha­ben Sie schon ei­nen Na­men für den Park?

Mack (schlägt sich la­chend auf die Ober­schen­kel): Ja, aber den sa­ge ich noch nicht. Ich muss mir ja noch ei­ne Neu­ig­keit auf­he­ben.

Zum Eu­ro­pa-Park. Ha­ben Sie je­mals über­legt, bei Ih­rer Er­folgs­sträh­ne an­ders­wo ei­nen wei­te­ren Frei­zeit­park auf­zu­zie­hen?

Mack: So ei­ne Ex­pan­si­on wür­den Sie ei­gent­lich nur als Ak­ti­en­ge­sell­schaft mit ex­ter­nen Ge­sell­schaf­tern schaf­fen. Das will ich nicht. Ich wä­re ein schlech­ter Vor­sit­zen­der ei­ner Ak­ti­en­ge­sell­schaft. Wenn Sie ei­nen zwei­ten Eu­ro­pa-Park bau­en woll­ten, bräuch­ten Sie über ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro. Zur Er­öff­nung 1975 ha­ben wir gut 25 Mil­lio­nen D-Mark in­ves­tiert. So viel kos­tet heu­te ei­ne Großat­trak­ti­on, aber in Eu­ro.

Ak­tu­ell bau­en Sie für die Sai­son 2017 ei­nen Flug­si­mu­la­tor ...

Mack: Ja, der heißt „Project V“für 1 400 Men­schen pro St­un­de. Wir über­flie­gen in dem Sechs­achs-Si­mu­la­tor Eu­ro­pa. Al­lein das „Project V“kos­tet über 25 Mil­lio­nen Eu­ro. Hin­zu kom­men ei­ne wei­te­re Ver­an­stal­tungs­hal­le und ein hoch­mo­der­nes Lo­gis­tik­zen­trum für je zehn Mil­lio­nen Eu­ro.

Sie wol­len al­so wei­ter­hin ein Fa­mi­li­en­be­trieb blei­ben.

Mack: So ist es. Das prägt den Park. Wir wur­den zum drit­ten Mal als bes­ter Park un­ter den welt­weit über 1 000 Frei­zeit­parks aus­ge­zeich­net. Der Kun­de spürt un­se­re Lei­den­schaft. Ich füh­le mich hier sau­wohl. Und wir ha­ben mit der Fir­ma Mack So­lu­ti­ons im­mer noch ein Un­ter­neh­men, das für ex­ter­ne Kun­den gan­ze Parks aufs Pa­pier bringt und da­mit auch die Ach­ter­bah­nen un­se­res Mut­ter­hau­ses Mack Ri­des aus Wald­kirch in­te­grie­ren kann. Wir ha­ben auch ei­ne stra­te­gi­sche Part­ner­schaft mit Dis­ney und Auf­trä­ge für Parks von den USA bis Du­bai. Was will ich mehr?

Je­des Jahr ei­ne neue Großat­trak­ti­on, der Fahr­ge­schäf­te-Mix für die kom­plet­te Fa­mi­lie, Shows, Es­sen von der Brat­wurst bis zum Gour­met­me­nü. Das größ­te Ho­tel­an­ge­bot mit über 5 700 Bet­ten an ei­nem Ort in Deutsch­land, die zu über 98 Pro­zent aus­ge­las­tet sind. Ist der Eu­ro­pa-Park mit die­sem Kon­zept

ein Selbst­läu­fer?

Mack: Ich war­ne da­vor, von ei­nem Selbst­läu­fer zu spre­chen. Wir müs­sen nah am Kun­den dran blei­ben. (Mack dreht sich um und blickt auf den Ka­min­ofen). Man muss im­mer wie­der ein Stück Holz auf­le­gen, da­mit die Flam­me nicht aus­geht.

Kann der Park ir­gend­wann ein­mal zu groß wer­den, so dass ei­ne Über­sät­ti­gung statt­fin­det.

Mack: Wir ar­bei­ten stän­dig an der Qua­li­tät und tau­schen auch im­mer wie­der An­la­gen aus.

Über fünf Mil­lio­nen Men­schen be­su­chen pro Jahr Ih­ren Park. Die Top-At­trak­ti­on Köl­ner Dom …

Mack (wischt mit der Hand durch die Luft und lacht): … ha­ben wir be­reits über­holt. Aber da müs­sen Sie kei­nen Ein­tritt be­zah­len, son­dern nur Spen­den­geld.

Noch­mal zum Kon­zept: Ihr Sohn Michael hat­te die Idee, Fahr­gäs­ten auf der Ach­ter­bahn Vir­tu­al Rea­li­ty-Bril­len auf­zu­zie­hen, so dass die­se wäh­rend der Fahrt ein vir­tu­el­les Aben­teu­er er­le­ben.

Mack (strahlt): Ja, das kommt sehr gut an…

... die Deut­schen wer­den aber im­mer äl­ter. Ein 75-Jäh­ri­ger will nicht in die Ach­ter­bahn. Sie zwar vi­el­leicht schon ...

Mack (der 67 Jah­re alt ist und nicht gern aufs Al­ter an­ge­spro­chen wird, lacht auf): … Al­so jetzt wird’s im­mer bes­ser. (Dann ruft er zum Kell­ner:) Brin­gen Sie mir bit­te ei­nen Cam­pa­ri So­da. Aber im Ernst. Mein Va­ter hat schon ge­sagt, wir brau­chen ei­nen Fa­mi­li­en­park, der al­le an­spricht. Das gilt nach wie vor. Wir dür­fen nur ei­nes nicht: Trends ver­schla­fen. Ih­re bei­den Söh­ne sind als Ge­schäfts­füh­rer und Ge­sell­schaf­ter mit da­bei. Auch Ih­re Toch­ter als Ar­chi­tek­tin in­ter­es­siert sich für den Park. Das ist nicht selbst­ver­ständ­lich.

Mack: Rich­tig. Sie sind lei­den­schaft­lich da­bei. Da­für bin ich sehr dank­bar. Das schätzt man vi­el­leicht zu we­nig, das ha­be ich aber im Ver­hält­nis von mei­nem Va­ter zu mir auch nicht ken­nen­ge­lernt. Mög­li­cher­wei­se liegt es auch an der Angst, dass man sagt: Wenn ich die Kin­der zu sehr lo­be, wer­den sie vi­el­leicht zu be­quem.

Ihr Bru­der Jür­gen, der auch Ge­sell­schaf­ter ist, lebt im his­to­ri­schen Schloss des Eu­ro­pa-Parks. Sie und Ih­re Kin­der woh­nen in Häu­sern mit di­rek­tem Zu­gang zum Park oder in den Eu­ro­pa-Park-Ho­tels ...

Mack (scherzt): Lei­der oder Gott sei Dank. Da sieht man auch, wenn ei­nes der Kin­der mor­gens zu spät kommt... Nein, es ist schon schön, dass wir al­le hier sind. Wir Macks schau­en aber auch ger­ne bei Ak­ti­vi­tä­ten et­wa der Ver­ei­ne im Ort vor­bei.

Ma­chen Sie sich Ge­dan­ken dar­über, wie es ein­mal ist, wenn Sie nicht mehr al­le Fä­den in der Hand ha­ben?

Mack: Das ope­ra­ti­ve Team mit mei­nem Bru­der und den Kin­dern gibt mir die Mög­lich­keit, mich stär­ker auf die stra­te­gi­sche Wei­ter­ent­wick­lung zu kon­zen­trie­ren. Wir ha­ben ei­ne Fa­mi­li­en­ver­fas­sung er­ar­bei­tet. Sie ist kei­ne Ga­ran­tie, aber sie hilft uns enorm, dass es wei­ter geht im Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men. Wir sind letzt­lich nur Treu­hän­der für un­ser Un­ter­neh­men ...

… das 3 600 Mit­ar­bei­ter im Eu­ro­pa­Park be­schäf­tigt. Rust hat 4 000 Ein­woh­ner. Kein Wun­der, dass man­che Sie als Fürst im „Fürs­ten­tum“Eu­ro­pa-Park be­zeich­nen.

Mack: Wir ha­ben si­cher ei­nen Ener­gie­ver­brauch wie ein Fürs­ten­tum. Es ist ei­ne Kle­in­stadt, in der 6 000 Men­schen schla­fen. Aber es ist nicht so, dass ich mich als Bür­ger­meis­ter füh­le. Ich mer­ke, wie klein man wer­den kann, wenn man et­wa mit der Ge­mein­de ver­han­deln muss.

3 600 Mit­ar­bei­ter! Hat Ih­nen der Min­dest­lohn kei­ne Pro­ble­me be­schert?

Mack: Nein, wir ha­ben schon im­mer über Ta­rif be­zahlt. Ein The­ma für uns war eher das Ar­beits­zeit­ge­setz. Hier be­wegt sich glück­li­cher­wei­se die Po­li­tik. Vie­le un­se­rer Mit­ar­bei­ter kom­men aus eu­ro­päi­schen Nach­bar­län­dern, aus Süd­ame­ri­ka oder aus Asi­en. Sie wol­len hier Geld ver­die­nen und nicht nachts im Zim­mer Skat spie­len.

Sie ha­ben vie­le Pro­mi­nen­te ken­nen­ge­lernt – vom in­ter­na­tio­na­len Pop-Star bis zum Papst. Wer hat sie am meis­ten be­ein­druckt?

Mack (denkt kurz nach): Die, die am we­nigs­ten aus sich ma­chen, auch wenn sie ei­nen gro­ßen Na­men ha­ben. Und da­von gibt es vie­le. Pries­ter sind tol­le Leu­te. Denn die rich­tig schwie­ri­gen Pro­ble­me sind zwi­schen­mensch­li­che, die wir täg­lich lö­sen müs­sen. Vi­el­leicht wer­de ich im nächs­ten Le­ben ja Pries­ter (schmun­zelt).

DER PARK-PRINZIPAL: Ro­land Mack ist Chef und Ge­sicht des Eu­ro­pa-Parks in Rust – es ist ei­ne Kle­in­stadt mit 3 600 Mit­ar­bei­tern und 6 000 Über­nach­tungs­gäs­ten.

VIEL NEU­ES IN SÜD­BA­DEN: Im Interview mit den Wirt­schafts­re­dak­teu­ren Ma­rio Belt­schak (l.) und Dirk Neu­bau­er (Mit­te) kon­kre­ti­siert Mack sei­ne Plä­ne für ei­nen Was­ser­park.

ES FÄHRT DER CHEF: Ro­land Mack, hier mit BNN-Re­dak­teur Dirk Neu­bau­er, ist voll in sei­nem Ele­ment.

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