„So bit­te ich, mir die Woh­nung zu zei­gen“

Fal­sche Karls­ru­her Mel­de­da­ten: Ein­zugs­zen­tra­le für Rund­funk­ge­büh­ren bleibt hart­nä­ckig

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Kirs­ten Et­zold

Die neue Zweit­wohn­sitz­steu­er der Fä­cher­stadt zieht wei­te­res bü­ro­kra­ti­sches Hick­hack nach sich. „Sehr ge­ehr­ter Herr“, mel­det sich der „Bei­trags­ser­vice von ARD, ZDF und Deutsch­land­ra­dio“zu Be­ginn per Brief bei ei­nem ver­dutz­ten Adres­sa­ten, ei­nem ehe­ma­li­gen Karls­ru­her, „wir füh­ren Sie mit Ih­rer Ne­ben­woh­nung im Be­stand. Da Sie pos­ta­lisch un­ter der An­schrift nicht er­reich­bar wa­ren, konn­ten wir Ih­nen seit ge­rau­mer Zeit kei­ne Zah­lungs­auf­for­de­run­gen zu­sen­den. Zwi­schen­zeit­lich ha­ben wir von Ih­rem Ein­woh­ner­mel­de­amt die An­schrift Ih­rer Haupt­woh­nung mit­ge­teilt be­kom­men.“Und prompt fin­det der Mann, der schon seit 25 Jah­ren in Bruch­sal wohnt, bei­lie­gend ei­ne Zah­lungs­auf­for­de­rung über auf­ge­lau­fe­ne 315,48 Eu­ro für ei­ne ver­meint­li­che Ne­ben­woh­nung in der Un­ter­mühl­sied­lung.

Der Start der Zweit­wohn­sitz­steu­er, die Karls­ru­he ab 1. Ja­nu­ar 2017 er­he­ben will, brockt et­li­chen heu­ti­gen oder ehe­ma­li­gen Ein­woh­nern der Fä­cher­stadt durch Kar­tei­lei­chen im Mel­de­sys­tem zu­sätz­li­che Ar­beit und Ren­ne­rei ein. (Sie­he auch Hin­ter­grund.) Zu­sätz­lich macht man­chen Be­trof­fe­nen of­fen­bar auch die Ein­zugs­pra­xis für Rund­funk­ge­büh­ren Kum­mer, wie der Fall des 1991 von Karls­ru­he nach Bruch­sal um­ge­zo­ge­nen und seit­her nach­weis­lich dort ge­mel­de­ten Le­sers zeigt.

„Ich ha­be und hat­te kei­ne Ne­ben­woh­nung in Karls­ru­he“, be­tont der Mann, der auf­ge­lau­fe­ne Rund­funk­ge­büh­ren für die Adres­se in­der Un­ter­mühl sied­lung be­glei­chen soll. Nach­dem ihn die Ein­zugs­zen­tra­le für Rund­funk­ge­büh­ren in Köln im No­vem­ber ein wei­te­res Mal un­miss­ver­ständ­lich zur Kas­se bit­tet, als ha­be sie zum Sach­ver­halt kei­ner­lei neue Kennt­nis, ar­gu­men­tiert der An­ge­schrie­be­ne :„ Wenn das Karls­ru­her Ein­woh­ner­mel­de­amt mich noch wei­ter mit Ne­ben woh­nung in Karls­ru­he führt, den Feh­ler erst im Som­mer 2016 be­merkt und mich aus der Mel­de­lis­te aus­trägt, so ist dies nicht mein Ver­schul­den.“Wenn die Ge­gen­sei­te sei­ne An­ga­ben be­zweif­le, so der Adres­sat, mit sei­nem Latein all­mäh­lich am En­de, „so bit­te ich Sie, mir die Woh­nung zu be­nen­nen und zu zei­gen“.

Nicht lan­ge kann der Ex-Karls­ru­her hof­fen, sich klar ge­nug er­klärt zu ha­ben. Er­neut flat­tert ihm mit Be­treff­zei­le „Ihr Rund­funk­bei­trag“ein Schrei­ben ins Haus mit Vo­ka­beln wie„ Fests et zungs­be­scheid“und„ Säum­nis­zu­schlag “, ge­folgt von der Aus­sa­ge ,„ dass wir nach den ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen des Rund­funk bei­trags staats ver­trags nur die Da­ten des Ein­woh­ner­mel­de­am­tes be­rück­sich­ti­gen kön­nen “. Im­mer­hin folg­te in Lö­sungs­vor­schlag :„ Sen­den Sie uns bit­te ei­ne ent­spre­chen­de Kor­rek­tur be­schei­ni­gung des Ein­woh­ner­mel­de­am­tes zu. Wir wer­den den Sach­ver­halt dann selbst­ver­ständ­lich er­neut prü­fen .“

„Sach­ver­halt er­neut prü­fen“

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