„Die Stim­mung macht die Ar­beit schwie­ri­ger“

Zu­zug nach Pforz­heim, Ein­spa­run­gen und Bau­plä­ne: Mo­ni­ka Mül­lers De­zer­nat hat viel zu tun

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ca­ro­lin Frey­tag

Flücht­lin­ge, feh­len­de Ki­ta­plät­ze, der Spar­zwang, der dem so­zia­len Be­reich ei­ni­ges ab­ver­langt – als So­zi­al­bür­ger­meis­te­rin kann sich Mo­ni­ka Mül­ler über feh­len­de Auf­ga­ben nicht be­kla­gen.

Da­bei sind Flücht­lin­ge und Asyl nicht mehr der gro­ße Auf­re­ger, der sie noch im vor­he­ri­gen Jahr wa­ren. „In der Öf­fent­lich­keit ist es tat­säch­lich nicht mehr so ein gro­ßes The­ma“, sagt Mül­ler im Re­dak­ti­ons­ge­spräch beim Pforz­hei­mer Ku­ri­er. „Den Men­schen muss aber auch klar sein, dass wir nicht mehr al­les auf Null zu­rück­fah­ren, man kann das Rad nicht drei Jah­re zu­rück­dre­hen.“Die Stadt müs­se wei­ter Flücht­lings­un­ter­künf­te bau­en, was für vie­le an­ge­sichts rück­läu­fi­ger Flücht­lings­zah­len nicht nach­voll­zieh­bar sei. „Aber noch im­mer le­ben vie­le im Tha­les-Ge­bäu­de, Con­tai­ner im Eu­tin­ger Tal sind be­legt.“Der Woh­nungs­markt in Pforz­heim sei na­he­zu dicht. „Rund 1 500 Flücht­lin­ge le­ben der­zeit in un­se­rer Stadt.“

Auch de­ren In­te­gra­ti­on wird Mül­ler künf­tig be­schäf­ti­gen – kei­ne ein­fa­che Auf­ga­be. Ob Pforz­heim das schaf­fen kann? „Wir müs­sen. Ob wir das kön­nen, ist über­haupt kei­ne Fra­ge.“Oh­ne die Mit­tel von Bund und Land wür­de es aber nicht ge­hen, sagt die Bür­ger­meis­te­rin. „Obers­tes Ziel ist es, die Men­schen in Ar­beit zu brin­gen. Dann ge­lingt auch die In­te­gra­ti­on.“Leicht wer­de das nicht. Oft feh­le es an Sprach­kennt­nis­sen, Ver­ständ­nis des hie­si­gen Ar­beits­le­bens oder an der Ak­zep­tanz von ar­bei­ten­den Frau­en. „Na­tür­lich be­steht auch die Ge­fahr, dass sich Pforz­hei­mer aus dem Nied­rig­lohn­sek­tor zu­neh­mend ver­drängt füh­len.“

Dass sol­che Ak­zep­tanz­pro­ble­me nicht nur Theo­rie sind, hat die Land­tags­wahl in ei­ni­gen Pforz­hei­mer Stadt­tei­len ein­drucks­voll be­wie­sen. „Ir­gend­wie ha­be ich mit so ei­nem Er­geb­nis schon ge­rech­net“, ge­steht Mül­ler ein. „Je mehr Wohl­stand, des­to mehr Angst herrscht, die­sen zu ver­lie­ren. Die Leu­te wol­len das Elend nicht vor der ei­ge­nen Haus­tür ha­ben.“ Den ei­ge­nen Kin­dern sei das nicht zu­zu­mu­ten und den Flücht­lin­gen ja ei­gent­lich auch nicht, hät­ten Bür­ger vor­ge­bracht.

Mit den Flücht­lin­gen und der Zu­wan­de­rung kommt die nächs­te Her­aus­for­de­rung. Mehr Plät­ze für Kin­der­be­treu­ung wer­den ge­braucht. Aber wie vie­le ei­gent­lich? Die Stadt kann den Be­darf nicht mehr ver­läss­lich be­stim­men. „Ich ge­be zu, es ist schwer ver­ständ­lich, war­um wir im­mer an­de­re Zah­len vor­le­gen, aber es sind kaum Pro­gno­sen mög­lich“, er­klärt Mül­ler. „Bis­her ha­ben wir mit ei­ner Pro­gno­se aus dem Jahr 2011 ge­ar­bei­tet, die Zah­len bis 2030 ent­hält. Die ist seit vie­len Jah­ren über­holt.“Des­halb ori­en­tie­re man sich am ak­tu­el­len Stand der Din­ge, an­ders ge­he es nicht. „Wir kön­nen nicht bis 2020 sie­ben Ki­tas bau­en und dann sind gar nicht mehr so vie­le Kin­der da. Über­ka­pa­zi­tä­ten wä­ren fa­tal.“Um ihr Soll bei den Krip­pen­plät­zen zu er­fül­len, greift die Stadt auch auf Ta­ges­pfle­ge zu­rück. Nicht al­len El­tern ge­fällt das. „Vie­le wol­len ei­nen Krip­pen­platz und kei­ne Ta­ges­mut­ter, weil es dort mehr An­ge­bo­te gibt und der Be­zug zur Be­treu­ungs­per­son doch we­ni­ger eng ist“, sagt Mül­ler. Recht­lich sei­en bei­de Be­treu­ungs­mo­del­le aber gleich­ran­gig. „Ich ra­te den El­tern, sich die Ta­ges­mut­ter erst ein­mal an­zu­schau­en, vi­el­leicht passt es ja doch gut.“

Auch über das Ziel „So­zi­al­rat­haus“sprach Mül­ler mit der Re­dak­ti­on: „Dort könn­ten al­le Ab­tei­lun­gen, die der­zeit über die Stadt ver­teilt sind, zu­sam­men un­ter­kom­men“. Das Ro­wi-Ge­bäu­de in der Bleich­stra­ße wä­re ei­ne Op­ti­on: „Die­se Über­le­gun­gen ste­hen aber noch ganz am An­fang.“In der künf­tig neu­en In­nen­stadt-Ost ist zu­min­dest kein Platz. „Wenn das tech­ni­sche Rat­haus ab­ge­ris­sen wird, brau­chen die Mit­ar­bei­ter neue Räu­me.“

We­ni­ger Mit­ar­bei­ter wird es künf­tig bei der GBE ge­ben. Die Ge­sell­schaft muss­te zu­guns­ten des Haus­halts ab­spe­cken. Hand­werk­li­ches, das Ma­le­r­an­ge­bot oder die Wä­sche­rei fal­len weg. „Sinn der GBE ist es aber nach wie vor, Be­schäf­ti­gung zu för­dern, und das wird sie wei­ter­hin tun“, ver­si­chert Mül­ler. Pro­jek­te der Stadt könn­ten aber nicht mehr auf Zu­ruf über­nom­men wer­den, wie frü­her. „Teil der Um­stel­lung ist eben auch, dass die GBE jetzt wirt­schaft­lich ar­bei­ten muss. Aber ei­ne Um­stel­lung war mir lie­ber als ei­ne Ein­stel­lung.“

Min­des­tens bis 2018 kann Mül­ler noch als Bür­ger­meis­te­rin an ih­ren Zie­len ar­bei­ten. Bis da­hin sol­le es mehr Kin­der­gär­ten ge­ben, ei­ne nicht deut­lich hö­he­re Ar­beits­lo­sen­quo­te und „hof­fent­lich we­ni­ger das Ge­fühl von Angst und Be­dro­hung in der Ge­sell­schaft“, wünscht sich Mül­ler. Die der­zei­ti­ge Stim­mung ma­che ih­re Ar­beit schwie­ri­ger.

Ro­wi als So­zi­al­rat­haus ist „ei­ne Über­le­gung“

DIE SO­ZI­AL­BÜR­GER­MEIS­TE­RIN wünscht sich, dass Sor­gen und Ängs­te in der Be­völ­ke­rung in den kom­men­den Jah­ren wie­der zu­rück­ge­hen. Foto: Eh­mann

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