Ein Ar­ran­geur gu­ter Ge­füh­le

Jan van Au­bel ist Re­gis­seur der heu­te be­gin­nen­den „Win­ter­träu­me“

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Clau­dia Kraus

Jan van Au­bel kommt als Schwan­ger­schafts­ver­tre­tung für die lang­jäh­ri­ge „Win­ter­träu­me“-Re­gis­seu­rin Ka­tin­ka Ra­benseif­ner nach Pforz­heim. Wenn sich heu­te, 20 Uhr, im Kul­tur­haus Os­ter­feld erst­mals wie­der der Vor­hang zum Va­rie­té­thea­ter hebt, wird der 47-Jäh­ri­ge schon ein ge­hö­ri­ges Ar­beits­pen­sum hin­ter sich ha­ben. Das ging be­reits zu Hau­se los. Der Wahl­ber­li­ner sah sich Vi­de­os der Künst­ler und Akro­ba­ten an, die bis 7. Ja­nu­ar mit ho­hem Kör­per­ein­satz und viel Herz­blut das Pu­bli­kum der „Win­ter­träu­me“ver­zau­bern möch­ten.

Nach sei­ner An­kunft in Pforz­heim be­gann dann der prak­ti­sche Teil, zu­nächst mit Ton- und Licht­tech­nik. „Ich ord­ne al­les, sor­tie­re, schrei­be ei­nen Plan für die Dar­bie­tun­gen, las­se mir und den Tech­ni­kern Zeit.“Vor­be­rei­ten, was vor­zu­be­rei­ten ist, da­mit mög­lichst we­nig Druck auf der Ver­an­stal­tung las­tet, ist sein Ar­beits­mot­to.

Die Dra­ma­tur­gie spielt ei­ne zen­tra­le Rol­le in dem vom Pforz­hei­mer Ku­ri­er prä­sen­tier­ten Va­rie­té­pro­gramm: die Wech­sel der Num­mern müs­sen har­mo­nisch sein in Be­zug auf das Span­nungs­ver­hält­nis von schnell und lang­sam, ra­sant und poe­tisch. „Das Pu­bli­kum soll über­rascht und ani­miert wer­den“, er­klärt van Au­bel. Ahs und Ohs kön­ne man auch durch un­er­war­te­te mu­si­ka­li­sche oder op­ti­sche Ef­fek­te er­wir­ken. Wich­tig sei für ihn als Re­gis­seur, die Wün­sche der Künst­ler auf­zu­neh­men. „Ich muss wis­sen, was sie brau­chen, da­mit es mög­lichst gut läuft und da­mit sie gut rü­ber­kom­men.“Jan van Au­bel be­treibt ge­mein­sam mit ei­nem Kol­le­gen ei­ne Agen­tur in Ber­lin, den „Wun­der­cir­cus“. Sie stel­len Pro­gram­me für Va­rie­té­shows zu­sam­men und or­ga­ni­sie­ren die Ab­sol­ven­ten­show der Staat­li­chen Ar­tis­ten­schu­le in Ber­lin, die je­des Jahr für drei Mo­na­te auf Tour geht.

Der ge­bür­ti­ge Nord­rhein West­fa­le hat nach dem Abitur zu­nächst ei­nen ganz an­de­ren Weg ein­ge­schla­gen. Er stu­dier­te in Düsseldorf Phi­lo­so­phie. Ein Eras­mus-Sti­pen­di­um führ­te ihn nach Du­blin, zum Haupt­stu­di­um ging er nach Ber­lin – und er­leb­te ei­nen ge­wal­ti­gen Kul­tur­schock. Nach den freund­li­chen Rhein­län­dern und den noch freund­li­che­ren Iren muss­te er sich an die preu­ßi­sche Form der Freund­lich­keit in Ber­lin erst ein­mal ge­wöh­nen. Ei­nes Ta­ges ent­deck­te der Stu­dent im Os­ten der Stadt ei­ne klei­ne, pri­va­te Pan­to­mi­men­schu­le. Und das setz­te sein Le­ben auf ei­ne neue Spur. Als Kind hat­te Jan van Au­bel einst ei­ne Vor­stel­lung von Mar­cel Mar­ceau ge­se­hen, je­nen be­rühm­ten fran­zö­si­schen Pan­to­mi­men, im Rin­gel­hemd mit dem weiß ge­schmink­ten Ge­sicht.

„Ich dach­te: ’das woll­test du doch schon im­mer ma­chen’“. Van Au­bel leg­te ein Ur­laubs­se­mes­ter ein und heu­er­te an der Pan­to­mi­men­schu­le an. „Ich hat­te so viel mit Spra­che zu tun und über Bü­chern ge­ses­sen, das war ein su­per Aus­gleich.“Die Be­we­gungs­schu­le ha­be neue Räu­me in sei­nem Ge­hirn ge­öff­net. Ei­nes Ta­ges schmiss er das Stu­di­um.

Ir­gend­wann ha­be er be­schlos­sen, von und mit der Kunst zu le­ben. Rich­tig an­ge­kom­men auf der Büh­ne mit ei­ner oder meh­re­ren Num­mern, die man kon­ti­nu­ier­lich spielt, sei er aber nie. Gleich­zei­tig be­gann er Leu­te fürs Va­rie­té zu­sam­men zu brin­gen und da­für Pro­gram­me auf­zu­stel­len. Das führ­te zu Auf­trit­ten im Off-Va­rie­té in Ber­lin über meh­re­re Jah­re. Auf die­ser Ex­pe­ri­men­tier­büh­ne ha­be er viel ge­lernt. Zum Bei­spiel die Er­kennt­nis, dass ei­ne Ver­an­stal­tung ge­lun­gen ist, wenn al­le Be­tei­lig­ten mit ei­nem gu­ten Ge­fühl weg ge­hen, das Pu­bli­kum, die Künst­ler und der Ver­an­stal­ter. Sei­te 1

Von der Phi­lo­so­phie zur Pan­to­mi­me

DER WAHL­BER­LI­NER Jan van Au­bel hält die Fä­den in der Hand bei den „Win­ter­träu­men“, die heu­te Abend im Kul­tur­haus Os­ter­feld Pre­mie­re ha­ben. Foto: Kraus

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