Ver­ein küm­mert sich

Ver­ein „Tür-Can“schließt Ver­sor­gungs­lü­cke

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Ulla Donn-von Yrsch

Pforz­heim. Der Ver­ein Tür-Can küm­mert sich um tür­ki­sche Pforz­hei­mer, die bei Gän­gen zum Rat­haus oder Arzt Hil­fe brau­chen, weil es an Sprach­kennt­nis­sen ha­pert.

Nor­ma­ler­wei­se wird bei der Dia­ko­nie in der Kai­ser-Fried­rich-Stra­ße 89 je­den Di­ens­tag­vor­mit­tag vom Ver­ein „TürCan“(Le­ben aus der Tür­kei) ein in­ter­na­tio­na­les Früh­stück an­ge­bo­ten.

Ges­tern Nach­mit­tag lu­den tür­ki­sche Pla­ka­te im Fens­ter zum In­for­ma­ti­ons­treff ein. 2013 von Can Ce­tin ge­grün­det, sieht der Ver­ein sei­ne Auf­ga­be dar­in, äl­te­ren tür­ki­schen Men­schen bei ge­sund­heit­li­chen Pro­ble­men zu hel­fen. Denn mit dem Al­ter kom­men die Pro­ble­me: Das gan­ze Le­ben hät­ten sich die Tür­ken hier nicht in­te­grie­ren müs­sen, sag­te Ce­tin ges­tern.

Denn Tür­kisch reich­te im­mer voll­kom­men aus: tür­ki­scher Su­per­markt, Arzt, Fern­se­hen, Mo­schee und vie­les mehr. So­gar die amt­li­chen For­mu­la­re im Rat­haus gibt es auf tür­kisch. Und wenn es doch mal Deutsch sein muss­te: „Schon als Acht­jäh­ri­ge ha­be ich mei­ne Mut­ter be­glei­tet und über­setzt“, er­in­nert sich Ha­cer Solak, stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de des Ver­eins.

Doch in den letz­ten Jah­ren ha­be sich bei den Tür­ken viel ver­än­dert: „Je­der macht sein ei­ge­nes Ding.“Den Schutz und Zu­sam­men­halt der Groß­fa­mi­lie ge­be es nicht mehr. Des­halb hilft nun der Ver­ein: Zu­sam­men geht es zum Rat­haus, wo Mit­glie­der des Ver­eins, wie Solak, sich ei­ne Ge­sund­heits­voll­macht ge­ben las­sen um dann zu be­stim­men, in wel­cher Rei­hen­fol­ge Ärz­te und Äm­ter zur Kos­ten­über­nah­me kon­tak­tiert wer­den müs­sen. Solak kennt die Pro­ble­me gut. Ihr ei­ge­ner Mann ist noch kei­ne 50, aber schon sehr krank und al­lei­ne hilf­los, weil er zwar schon seit über 26 Jah­ren in Deutsch­land wohnt, aber im­mer noch kaum Deutsch ver­steht.

„Ich ha­be im­mer al­les für ihn ge­macht“, sagt die 45-Jäh­ri­ge la­chend, die, im Ge­gen­satz zum Mann, in Deutsch­land ge­bo­ren ist. Seit die Sy­rie­rin Ba­haa Sa­min, ver­hei­ra­tet mit ei­nem Tür­ken, Mit­glied im Ver­ein ist, kön­nen

„Tür­kisch hat im­mer ge­reicht“

auch ara­bi­sche Bür­ger be­ra­ten wer­den. Doch auch um al­lein­ste­hen­de Frau­en mit Kin­dern küm­mert sich der Ver­ein. „Frü­her, als sie noch mit 16 Jah­ren aus der Tür­kei nach Deutsch­land ver­hei­ra­tet wur­den, war al­les bes­ser“, seufzt Ce­tin. Nun sei­en die Frau­en schon über 20 bis sie nach Deutsch­land kä­men und selbst­be­wuss­ter.

Nach dem zwei­ten Kind, hät­ten sie oft ge­nug von der tür­ki­schen Ehe und woll­ten die Schei­dung. Doch oh­ne Deutsch brau­chen sie den Ver­ein, der sei­nen Sitz in der Blu­men­heck­stra­ße 34 hat.

ÜBER DEN VER­EIN „Tür-Can“in­for­mie­ren (links) die stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de Ha­cer Solak und der Vor­sit­zen­de Can Ce­tin (Drit­ter von rechts) in den Räu­men der Blu­men­heck­stra­ße. Foto: Wa­cker

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