Hoff­nung auf den Schnee­ball­ef­fekt

För­der­mit­tel für Fas­sa­den sol­len An­rei­ze schaf­fen / Bür­ger­meis­te­rin Schüs­s­ler bei „Hei­mat­Lie­be“

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Su­san­ne Roth

Von „ad­mi­nis­tra­ti­vem Van­da­lis­mus“am Tech­ni­schen Rat­haus ist die Re­de. Von Müll, der die Stadt ver­schan­delt. Von Plas­tik­mö­beln und schmut­zi­gen Schir­men vor Dö­ner-Lä­den. Und von un­wil­li­gen Be­sit­zern, die nicht mal mehr den Roll­la­den an ih­rer un­ver­mie­te­ten Im­mo­bi­lie hoch zie­hen. Wäh­rend die ei­gent­li­che Mit­glie­der­ver­samm­lung des Ver­kehrs­ver­eins „Hei­mat­Lie­be“recht ru­hig und schnell über die Büh­ne geht, scheint es, als ob man­che nur auf den Ta­ges­ord­nungs­punkt „Bür­ger­meis­te­rin Sibylle Schüs­s­ler zum The­ma Pforz­heim Mit­te und neue Fuß­gän­ger­zo­ne“ge­war­tet hät­ten, um den Kropf zu lee­ren. Oder auch mal ei­nen lan­gen Wer­be­block für neue gas­tro­no­mi­sche Ak­ti­vi­tä­ten zu span­nen.

Hei­mat­Lie­be-Vor­sit­zen­der Rolf Spiertz zeigt sich zwar et­was ent­täuscht, dass le­dig­lich die et­wa 20 Mit­glie­der, die zu­vor den Vor­stand ent­las­tet und den Ge­schäfts- so­wie Kas­sen­be­richt ab­ge­seg­net hat­ten, dann auch die ein­ge­la­de­ne Öf­fent­lich­keit re­prä­sen­tie­ren, aber das tut der Dis­kus­si­on kei­nen Ab­bruch. Die­se bricht sich schon kurz nach den ein­füh­ren­den Wor­ten Schüs­s­lers Bahn, die zu­nächst die Fuß­gän­ger­zo­ne an­steu­ert, in der „30 Jah­re lang nichts ge­macht wur­de“. Be­kannt. Auch be­kannt ist, dass die un­über­sicht­li­che „Mö­blie­rung“ei­nem ein­heit­li­chen Kon­zept wei­chen wird. Samt Gestal­tungs­hand­buch. Da gibt sie den Zu­hö­rern al­ler­dings recht, dass man „re­den, re­den, re­den“müs­se – da­mit nicht nur die Roll­lä­den hoch ge­zo­gen wer­den, son­dern sich ge­ne­rell et­was zum Gu­ten wen­de. Ein Fas­sa­den-För­der­pro­gramm soll mo­ti­vie­ren. „Ich hof­fe auf den Schnee­ball­Ef­fekt. Wenn zwei, drei mal an­fan­gen, dass sich dann der Nach­bar schämt.“

Und wenn schon Aus­la­gen, dann gut sor­tiert und qua­li­ta­tiv hoch­wer­tig. Und Ja auf die Fra­ge, der ganz­tä­gi­ge Lie­fer­ver­kehr wird ge­stoppt. Ver­senk­ba­re Pol­ler wird es ge­ben, ein Kon­zept für die An­lie­fe­rung der Ge­schäf­te in ge­ord­ne­ten Bah­nen ist ge­ra­de in Ar­beit. Wer zu spät kommt, müs­se eben mit der Sack­kar­re lie­fern.

Dann die In­nen­stadt Ost: his­to­ri­scher Grund­schnitt lau­tet das Zau­ber­wort. „Der Stadt das Herz zu­rück ge­ben.“Was aber nicht Fach­werk be­deu­te. „Das passt nicht“, so Schüs­s­ler. Und nein, sie sieht kein Ver­kehrs­cha­os, wenn der Schloss­berg für den Ver­kehr „zu“ist. Für sie be­deu­tet die Gestal­tung der In­nen­stadt ge­ne­rell nicht nur Han­dels­flä­che (oder Ver­kehrs­flä­che), son­dern vor al­lem Wohl­fühl- und Wohn­raum. „In der In­nen­stadt woh­nen ge­ra­de mal 1 700 Men­schen. Das ist na­da, nichts, null.“ Die Ver­wal­tung wird im Ja­nu­ar ei­ne „Kom­mu­ni­ka­ti­ons-Stra­te­gie“ent­wer­fen. „Wir müs­sen“, so Schüs­s­ler, „ei­ne Ge­schich­te er­zäh­len, Bil­der im Kopf ent­ste­hen las­sen.“Und dann wird noch über Ab­riss oder Nicht-Ab­riss des Tech­ni­schen Rat­hau­ses dis­ku­tiert. Als Stadt­rä­tin, so Schüs­s­ler, sei sie für den Er­halt ge­we­sen. Aber jetzt ist sie Bau­bür­ger­meis­te­rin und sagt: „Es ist kein In­ves­tor in Sicht, bei dem die Lö­sung für das Tech­ni­sche Rat­haus ei­ne Rol­le spielt.“Das im Üb­ri­gen in ei­nem schlech­ten Zu­stand sei. Stich­wort „ad­mi­nis­tra­ti­ver Van­da­lis­mus“.

DEN BLICK AUF DIE IN­NEN­STADT lenkt man bei der Mit­glie­der­ver­samm­lung des Ver­kehrs­ver­eins, wes­halb der Vor­sit­zen­de Rolf Spiertz Bau­bür­ger­meis­te­rin Sibylle Schüs­s­ler ein­ge­la­den hat. Foto: Ro

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