„Den Letz­ten bei­ßen die Hun­de“

Ap­pel­le in Karls­ba­der Haus­halts­re­den / Bür­ger ver­stärkt in der Pflicht?

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS -

Karls­bad (rob). Dass in Karls­bad zwar ein Spar­wil­le spür­bar ist und künf­tig ver­stärkt bei fi­nan­zi­el­len Ent­schei­dun­gen be­her­zigt wer­den soll, ist ein Te­nor der Frak­ti­ons­re­den zum Dop­pel­haus­halt 2017/2018. Je­doch ist die Welt ak­tu­ell laut den Spre­chern noch in Ord­nung, die je­weils in län­ge­ren An­spra­chen die La­ge der Ge­mein­de be­leuch­te­ten:

Freie Wäh­ler

Jür­gen Herr­mann (Fotos: rob) sieht die stei­gen­den Pflicht­auf­ga­ben, „die Land und Bund den Kom­mu­nen auf­bür­den, als im­mer grö­ße­re Last auch für Karls­bad. Es sei „Ei­ne schlei­chen­de Aus­höh­lung der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung“. Der Res­sour­cen­ver­brauch kön­ne durch die Ge­mein­de nicht mehr er­wirt- schaf­tet wer­den. „Die Kreis­um­la­ge steigt und die Zu­wei­sun­gen vom Land sin­ken – den Letz­ten bei­ßen die Hun­de“. 2017 wer­de die Kreis­um­la­ge wohl noch wei­ter von 30 auf 33 Pro­zent stei­gen. Her­mann er­wähn­te das ne­ga­ti­ve or­dent­li­che Er­geb­nis 2017 von vor­aus­sicht­lich mi­nus 2,9 Mil­lio­nen Eu­ro und 2018 mit mi­nus 1,4 Mil­lio­nen Eu­ro. „Aus­ge­wo­ge­nes Han­deln muss auch künf­tig un­ser Ziel sein.“Vie­le Mit­tel-An­mel­dun­gen aus den Ort­schafts­rä­ten ha­be man lei­der nicht be­rück­sich­ti­gen kön­nen. Am En­de blie­ben aber In­ves­ti­tio­nen in al­len Ge­mein­de­tei­len. Zu­wei­sun­gen und Zu­schüs­se gin­gen „trotz an­ge­spann­ter Fi­nanz­la­ge“wei­ter als Frei­wil­lig­keits­leis­tung, wenn auch ge­de­ckelt, an Ver­ei­ne und Kir­chen.

CDU

Ro­land Räd­le be­ton­te Karls­bad als „über­re­gio­na­len Bil­dungs­stand­ort“und die ho­hen In­ves­ti­tio­nen in die In­fra­struk­tur, in den kom­men­den zwei Jah­ren al­len vor­an die Ge­mein­schafts­schu­le mit rund fünf Mil­lio­nen Eu­ro. Dass Fir­men, et­wa das Kli­ni­kum, viel Geld in die Hand neh­men „zeigt, dass un­se­re Stand­ort­fak­to­ren stim­men“. Das Karls­ba­der Sys­tem „mit fle­xi­blen An­ge­bo­ten in der Be­treu­ung von Kin­der ist vor­bild­lich – al­ler­dings ent­ste­hen jähr­li­che Kos­ten von mitt­ler­wei­le 4,5 Mil­lio­nen Eu­ro“. Zur Fi­nan­zie­rung müs­se man all­ge­mein „auf hö­he­re Ei­gen­ver­ant­wort­lich­keit un­se­rer Bür­ger set­zen“. Es kön­ne nicht mehr al­les durch die Kom­mu­ne ge­puf­fert wer­den. In­ves­ti­ti­ons­zu­schüs­se ge­de­ckelt wür­den für Ver­ei­ne auf ma­xi­mal 40 000 Eu­ro auf 15 Jah­re und 20 000 Eu­ro für Kir­chen. Wirt­schafts­wachs­tum, Schlüs­sel­zu­wei­sun­gen und wei­te­re Kos­ten für Flücht­lin­ge sei­en drei gro­ße fi­nan­zi­el­le Un­be­kann­te. Aber: „Karls­bad hat sei­ne Haus­auf­ga­ben ge­macht und ist zu­kunfts­fä­hig.“

SPD

„Ge­schafft!“Mit die­sem Wort be­gann SPD-Mann Rein­hard Haas zum nun ste­hen­den Dop­pel­haus­halt. Ein Haus­halts­vo­lu­men von rund 80 Mil­lio­nen Eu­ro in zwei Jah­ren be­deu­te gro­ße Ver­ant­wor­tung. „Wir hau­en über 20 Mil­lio­nen in den Dop­pel­haus­halt rein – das will was hei­ßen.“Ein Schlag sei der vor kur­zem als ma­ro­de de­kla­rier­te Ober­flä­chen­was­ser-Fil­ter beim In­dus­trie­ge­biet It­ters­bach ge­we­sen, der 2017 laut Käm­me­rei mit 2,5 Mil­lio­nen Eu­ro zu Bu­che schlägt. Ein­ge­nom­me­nes Geld, et­wa durch die Ge­wer­be­steu­er müs­se man lei­der „zu er­heb­li­chen Tei­len wie­der an Kreis und Land ab­ge­ben“. Doch wür­de man beim Haus­halt noch mit der Ka­me­ra­lis­tik und nicht mit dop­pel­ter Haus­halts­füh­rung (Dop­pik) ar­bei­ten, „hät­ten wir in al­len Jah­ren ein po­si­ti­ve Zu­füh­rungs­ra­te“– mit jähr­li­cher Zu­füh­rung von rund 950 000 Eu­ro an den Ver­mö­gens­haus­halt. Die statt­li­che Rück­la­ge von 13,5 Mil­lio­nen Eu­ro En­de 2015 ver­min­de­re sich le­dig­lich um das De­fi­zit im or­dent­li­chen Er­geb­nis, bis En­de 2021 blie­ben al­so im­mer noch 6,2 Mil­lio­nen. Seit 2011 ha­be es kei­nen Kas­sen­kre­dit­be­darf ge­ge­ben. „Wir ha­ben ei­ne Li­qui­di­tät von 18 Mil­lio­nen Eu­ro.“

Grü­ne

Laut Uwe Roh­rer ste­he man bis­her, et­wa mit nur sechs Mil­lio­nen Eu­ro Ver­schul­dung, we­sent­lich bes­ser als vie­le an­de­re Kom­mu­nen da. „Wenn wir uns die Fi­nanz­pla­nung bis 2021 an­schau­en, wird die La­ge der Ge­mein­de dra­ma­tisch“, so Roh­rer. Wie ge­gen­steu­ern? Das fra­ge er sich. Auf der Ein­nah­men­sei­te ha­be man nur be­dingt Ein­fluss. „Es bleibt nur Spa­ren. Das ist aber leich­ter ge­sagt als ge­tan.“Das Ge­bäu­de­ma­nage­ment ha­be ent­ge­gen der Ver­spre­chen der Ver­wal­tung kei­ne Un­ter­hal­tungs­kos­ten ge­spart. Im Kin­der­gar­ten­be­reich über­neh­me man über 90 Pro­zent der Be­triebs­kos­ten und fast al­le In­ves­ti­ti­ons­kos­ten. Ei­ne Lö­sung hät­ten auch die Grü­nen für die fi­nan­zi­el­len Struk­tur­pro­ble­me nicht, man müs­se ge­mein­sam dar­an ar­bei­ten. So­zi­al und fi­nan­zi­ell po­si­tiv sei, dass kei­ne Neu­bau­ten für die An­schluss­un­ter­brin­gung der rund 150 Flücht­lin­ge nö­tig sei­en, son­dern wohl al­le in Nach­bar­schaf­ten in­te­griert wer­den kön­nen.

Uwe Roh­rer

Ro­land Räd­le

Rein­hard Haas

Jür­gen Herr­mann

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