Von äu­ßerst fru­gal bis be­tö­rend lu­xu­ri­ös

VW Cad­dy Kom­bi 1,4 TSI

Pforzheimer Kurier - - MOTOR UND VERKEHR -

Es gab Zei­ten bei Volks­wa­gen, da wa­ren die Au­tos am En­de der Wolfs­bur­ger Mon­ta­ge­stra­ße weit­ge­hend gleich: Der Kä­fer hat­te vier Rä­der, 34 PS und war beige oder schwarz. Das „Ex­port“-Mo­dell un­ter­schied sich vom „Stan­dard“durch Chrom und ein paar Zier­leis­ten. An mehr In­di­vi­dua­li­sie­rung war erst ein­mal nicht ge­dacht.

Als vor 13 Jah­ren der Cad­dy auf Ba­sis des ers­ten Tou­ran auf die Stra­ßen kam, hiel­ten sich auch hier die Op­tio­nen zur No­bi­li­tie­rung des Kas­ten­wa­gens in Gren­zen. Schließ­lich hat­ten die VWLeu­te mit dem Wa­gen vor al­lem ei­ne Ziel­grup­pe mit Sinn fürs Prak­ti­sche im Vi­sier: Hand­wer­ker mit Trans­port­be­darf, Di­enst­leis­ter im ur­ba­nen Raum, Fa­mi­li­en, die oh­ne Gla­mour-An­spruch von zu Hau­se zur Ki­ta und am Wo­che­n­en­de zur Oma kom­men wol­len.

Dem­zu­fol­ge war der Cad­dy ein bo­den­stän­di­ges Ar­beits­pferd mit viel Stau­raum und über­schau­ba­rer Tech­nik. Im In­nen­raum do­mi­nier­te Hart­plas­tik, und den Gip­fel des Lu­xus mar­kier­ten Ser­vo­len­kung, Zen­tral­ver­rie­ge­lung und fünf Gän­ge.

Auch den Cad­dy des Jahr­gangs 2017 kann man der­ma­ßen fru­gal be­kom­men. Dann ist das Lenk­rad aus Kunst­stoff, und die Kli­ma­ti­sie­rung des In­ne­ren er­folgt durch Be­tä­ti­gen der Fens­ter. Je­nen je­doch, die den hoch bau­en­den Kas­ten­wa­gen als den ta­len­tier­te­ren Tou­ran be­trach­ten, wer­den auf Wunsch auch sämt­li­che tech­no­lo­gi­schen Seg­nun­gen des Di­gi­tal­zeit­al­ters ge­bo­ten: Ein­park­au­to­ma­tik, ad­ap­ti­ve Tem­po­re­ge­lung, Spur­halt­e­hil­fe, Na­vi und Smart­pho­neIn­te­gra­ti­on. Aus dem Hand­wer­ker-Ho­bel von einst ist mit der jüngs­ten Mo­dell­pfle­ge ein Typ für al­le Fäl­le ge­wor­den. Das macht sich nur eben lei­der auch in ei­ner herz­haf­ten (Auf-)Preis­ge­stal­tung be­merk­bar. Ei­ne schnö­de Ge­päck­rau­m­ab­de­ckung wird in der fünf­sit­zi­gen Kom­bi-Ver­si­on des Cad­dy mit 178 Eu­ro be­rech­net. Und wer Lenk­rad, Schalt­knauf und Hand­brems­he­bel in Le­der wünscht, ist eben­falls mit 178 Eu­ro da­bei.

Zwar ist der Cad­dy mit ei­nem üp­pi­gen In­nen­raum ge­seg­net. Mit in­no­va­ti­ven Ide­en beim The­ma Va­ria­bi­li­tät punk­tet er aber nicht. Zwar las­sen sich die Rück­sit­ze klap­pen und de­mon­tie­ren, doch das braucht Übung und Kraft. Äu­ßer­lich un­ter­schei­det sich der neue Cad­dy nicht sehr vom Vor­gän­ger. Die nach­ge­schärf­te Front­par­tie wirkt dank der ge­än­der­ten Schein­wer­fer Pkw-ähn­li­cher denn je, doch vom Li­fe­style-Mo­bil mit SUV-Zi­ta­ten ist der Wa­gen noch im­mer weit ent­fernt.

Emp­feh­lens­wert ist das mitt­le­re Aus­stat­tungs­ni­veau Trend­li­ne. Es be­inhal­tet et­wa die zwei­te seit­li­che Schie­be­tür, eben­so elek­tri­sche Fens­ter so­wie Sei­ten­air­bags für die zwei­te Sitz­rei­he. Doch auch hier muss noch in Ex­tras in­ves­tiert wer­den – zum Bei­spiel für die bei den meis­ten aus­län­di­schen Mit­be­wer­bern se­ri­en­mä­ßi­ge Kli­ma­an­la­ge.

An­ge­sichts der Die­sel-Mi­se­re des Hau­ses emp­fiehlt sich ein Blick auf die Ot­toMo­to­ren. Ein gu­ter Kom­pro­miss aus Wirt­schaft­lich­keit und Tem­pe­ra­ment ist der 1,4 TSI, ein lei­ser aber sprit­zi­ger Vier­zy­lin­der mit 125 PS, der stan­dard­mä­ßig mit ei­nem ma­nu­el­len Sechs­gang­ge­trie­be ge­lie­fert wird. Die Ma­schi­ne bie­tet dank Auf­la­dung an­ge­neh­men Schub schon bei nied­ri­gen Dreh­zah­len und ver­brei­tet bei Dau­er­tem­po 140 auf der Au­to­bahn ein woh­li­ges aber nicht stö­ren­des Brum­men. Wer be­reit ist, gut 2 000 Eu­ro zu­sätz­lich in die Hand zu neh­men, be­kommt da­für das ner­ven­scho­nen­de Sechs­stu­fen-DSG, das sei­ne Vor­zü­ge vor al­lem im Stau und bei Ko­lon­nen­ver­kehr ent­fal­tet.

Das Fahr­werk des Cad­dy ist – man kann es kaum an­ders sa­gen – gro­ße Klas­se. Der Wa­gen rollt ge­schmei­dig ab, pol­tert nicht und bleibt auch dann noch ziel­ge­nau und ent­spannt, wenn die be­acht­li­che Zu­la­dung von an­nä­hernd 800 Ki­lo­gramm aus­ge­schöpft wird. WV

PLATZ DA: Der VW Cad­dy hat sich seit sei­ner Ein­füh­rung vor 13 Jah­ren Stück für Stück vom schie­ren Nutz­fahr­zeug zum Per­so­nen­wa­gen für al­le Fäl­le ent­wi­ckelt. Foto: Werk

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