Um­bau­ar­bei­ten im rol­len­den Kon­zert­saal

Hi­fi-Nach­rüs­tung

Pforzheimer Kurier - - MOTOR UND VERKEHR -

Heu­te bie­ten vie­le Au­tos schon ab Werk gu­te Mu­sik­an­la­gen. „Doch es gibt Kun­den mit be­son­de­ren Wün­schen, die ab Werk nicht be­dient wer­den“, sagt Ar­nulf Thie­mel vom ADAC. Hoch­wer­ti­ge se­ri­en­mä­ßi­ge Hi­fi-An­la­gen sei­en zwar meist teu­rer, aber auch bes­ser in­te­griert, bei­spiels­wei­se mit ei­nem Mul­ti­funk­ti­ons­lenk­rad. Nach­rüst­sys­te­me sei­en meist güns­ti­ger und hät­ten mehr Funk­tio­nen und An­schlüs­se. Ge­braucht­wa­gen­käu­fern bleibt bei Un­zu­frie­den­heit mit dem Klang nichts an­de­res üb­rig, als nach­zu­rüs­ten. Bei mo­der­nen Au­tos las­sen sich Ver­stär­ker oder Laut­spre­cher aber nicht un­be­dingt selbst er­neu­ern. „Heu­te ist oft Fach­kennt­nis ge­fragt, um die Bus-Sys­te­me im Au­to nicht zu stö­ren. Da­her im Zwei­fels bes­ser den Fach­mann be­auf­tra­gen“, rät Thie­mel. Auch die Kfz-Her­stel­ler selbst rüs­ten äl­te­re Au­tos auf Wunsch mit neu­en Hi­fi-Ge­rä­ten aus. „Dort wer­den fahr- zeug­spe­zi­fi­sche Ge­rä­te ver­wen­det, die viel­fach steck­fer­tig vor­be­rei­tet sind.“

Den­noch sei­en oft um­fang­rei­che De­mon­ta­ge-Ar­bei­ten nö­tig. Dann et­wa, wenn Ra­di­odis­play und das Steu­er­ge­rät da­zu se­ri­en­mä­ßig ge­trennt ver­baut sind, ein Frei­sprech-Mi­kro­fon oder ei­ne GPSAn­ten­ne nach­ge­rüs­tet wer­den müs­sen.

Statt mehr De­zi­bel geht der Trend zu sau­be­ren Lö­sun­gen. „Die An­la­gen sol­len nicht wie nach­ge­rüs­tet aus­se­hen, son­dern so, als wä­ren sie schon im­mer an Bord“, sagt Thie­mel. Das ge­he so weit, dass man­che Hi­fi-An­bie­ter pas­sen­de Blen­den samt Lüf­tungs­git­tern lie­fern. Au­ßer­dem müs­sen Ra­di­odis­plays heu­te nicht sel­ten auch In­for­ma­tio­nen und Ein­stell­mög­lich­kei­ten für das Fahr­zeug über­neh­men. Da­zu zäh­len et­wa Luft­druck-Ein­stel­lung, Re­gen­sen­sor, Kli­ma­an­la­ge, Park­sen­so­ren oder Na­vi­ga­ti­ons­pfei­le. Durch ei­ne Nach­rüs­tung dür­fen die­se Ein­stell­mög­lich­kei­ten nicht ver­lo­ren ge­hen.

Aber was macht über­haupt gu­ten Sound aus? „Für ei­nen gu­ten Klang ist vor al­lem ei­ne klare, ru­hi­ge und ver­zer­rungs­freie Wie­der­ga­be mit ei­nem gu­ten Bass­fun­da­ment wich­tig“, sagt Pe­ter Brandt vom Her­stel­ler Al­pi­ne Elec­tro­nics. Da­zu zählt ein aus­ge­wo­ge­ner Klang oh­ne stö­ren­de Über­hö­hun­gen oder Ab­sen­kun­gen im Fre­quenz­gang. „Gu­ter Klang ist kei­ne Fra­ge des Ge­schmacks, son­dern ei­ne Fra­ge der all­ge­mei­nen Lust an Mu­sik“, sagt Brandt. So­bald Fre­quen­zen oder Ein­flüs­se den Klang trü­ben, ma­che die Mu­sik kein Ver­gnü­gen mehr.

Neue Au­to­ra­di­os mit mehr Leis­tung und Di­gi­tal­emp­fang (DAB) bie­ten Elek­tro­nik­märk­te schon ab rund 100 Eu­ro an, nach oben gibt es kei­ne Gren­ze. Ei­ne hoch­wer­ti­ge An­la­ge kos­tet schnell an die 2 000 Eu­ro. So et­was ren­tiert sich für Mu­sik­lieb­ha­ber, Käu­fer von hö­her­wer­ti­gen Ge­braucht­fahr­zeu­gen oder Nut­zern von Rei­se­mo­bi­len, die viel Zeit im Au­to ver­brin­gen. „Ne­ben ei­nem fri­schen Klang er­hal­ten Sie vie­le neue Funk­tio­nen“, sagt Brandt. Et­wa das di­gi­ta­le Ra­dio­for­mat DAB+, ei­ne Blue­tooth-Frei­sprech­ein­rich­tung mit Nut­zung von Smart­pho­ne-In­hal­ten und ei­ne Na­vi­ga­ti­on. Für Brandt ge­winnt die Kon­nek­ti­vi­tät mit dem Smart­pho­ne wei­ter an Be­deu­tung. Die Zu­kunft wer­de dem di­gi­ta­len Ra­dio­emp­fang und dem noch schnel­le­ren mo­bi­len Da­ten­aus­tausch ge­hö­ren. Nur da­mit las­se sich Mu­sik von Strea­m­ing­diens­ten di­rekt ins Au­to­ra­dio über­tra­gen.

Für Dirk Krei­den­weiß von der Mes­se Tu­ning World Bo­den­see ist ein gu­ter Klang Ge­schmacks­sa­che: Mu­sik­lieb­ha­ber mit ei­nem Ohr für gu­ten Sound wür­den selbst mit man­chen Dol­by-Sur­roun­dSys­te­men ab Werk nicht glück­lich. „Für sie gibt es di­gi­ta­le Sound­pro­zes­so­ren zum Nach­rüs­ten, die es er­lau­ben, al­le Fre­quenz­gän­ge ex­akt ein­zu­stel­len und so den Klang deut­lich zu ver­bes­sern.“Wer da­zu noch hoch­wer­ti­ge Laut­spre­cher nach­rüs­te, er­hal­te ein un­glaub­li­ches Klang­er­leb­nis. „Wich­tig ist, dass die Kom­po­nen­ten per­fekt auf­ein­an­der ein­ge­stellt und ab­ge­stimmt sind.“Da­zu zählt auch, dass nach der In­stal­la­ti­on kei­ne Vi­bra­tio­nen an den Tü­ren auf­tre­ten. „Oft­mals hilft es bei Ge­braucht­wa­gen, die­se an Tü­ren und Heck­klap­pe zu­sätz­lich schall­zu­däm­men.“Auch bei mo­der­nen Hi­fi-An­la­gen sei „laut“nicht mit „gut“zu ver­wech­seln. „Auf Dau­er ist lau­te Mu­sik nicht ge­sund“, sagt Krei­den­weiß. Im Stra­ßen­ver­kehr darf Mu­sik nicht so laut ge­spielt wer­den, dass das Hö­ren von Hu­pen oder Mar­tins­hör­nern be­ein­träch­tigt wird. Das „Fah­ren mit be­ein­träch­tig­tem Ge­hör“kos­tet ein Buß­geld von zehn Eu­ro.

Fa­bi­an Ho­berg

Preis­lich gibt es nach oben kei­ne Gren­ze

RAUS DA­MIT: Das Au­to ist bes­tens er­hal­ten, aber die Mu­sik­an­la­ge des Ge­braucht­wa­gens ent­spricht oft nicht mehr den heu­ti­gen An­sprü­chen. Foto: Al­pi­ne

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.