Erst den­ken, dann fah­ren

OLG-Ur­teil

Pforzheimer Kurier - - MOTOR UND VERKEHR -

Wer so lan­ge auf ei­ner Kreu­zung war­ten muss, dass die Am­pel schon wie­der um­ge­sprun­gen ist, darf al­len­falls sehr vor­sich­tig wei­ter­fah­ren. Das sagt ei­gent­lich schon der ge­sun­de Men­schen­ver­stand, doch ei­ne Au­to­fah­re­rin zog des­we­gen durch die Ge­richts­in­stan­zen – und schei­ter­te letzt­end­lich vor dem Ober­lan­des­ge­richt Hamm (Ak­ten­zei­chen: 7 U 22/16).

Die Au­to­fah­re­rin war bei Grün auf ei­ne Kreu­zung ge­fah­ren. Da sich durch Links­ab­bie­ger der Ver­kehr stau­te, zeig­te ih­re Am­pel aber be­reits Rot, als sie schließ­lich wei­ter­fuhr – und mit ei­ner Fah­re­rin aus dem von der Sei­te kom­men­den Ver­kehr zu­sam­men­stieß. Zwei Drit­tel der Scha­den­sum­me re­gu­lier­te die Ver­si­che­rung im Vor­feld. Den Rest woll­te die Fah­re­rin, die von der Sei­te kam, dann ein­kla­gen. Und das OLG gab ihr Recht mit dem Ar­gu­ment, die Nach­züg­le­rin ha­be ge­gen das Rück­sicht­nah­me­ge­bot ver­sto­ßen. Grund­sätz­lich hät­te sie zwar die Kreu­zung vor­ran­gig wie­der räu­men dür­fen. Doch ha­be sie nicht dar­auf ver­trau­en dür­fen, dass der ein­set­zen­de Qu­er­ver­kehr sie vor­bei­lässt. Viel­mehr ha­be ein Nach­züg­ler den Be­reich nur vor­sich­tig und „un­ter sorg­fäl­ti­ger Be­ach­tung des ein­set­zen­den Ge­gen- oder Qu­er­ver­kehrs mit Vor­rang“zu ver­las­sen, wie das Ge­richt mit­teilt.

Je län­ger ein Nach­züg­ler im Kreu­zungs­be­reich bleibt, des­to eher sei mit dem Um­sprin­gen der Am­pel und mit an­fah­ren­dem Qu­er­ver­kehr zu rech­nen, ent­schied das Ge­richt. Dann dür­fe nur wei­ter­fah­ren, wer sich ver­ge­wis­sert hat, dass ei­ne Kol­li­si­on aus­ge­schlos­sen ist. Die Be­klag­te sei al­ler­dings „un­er­war­tet und zü­gig“an­ge­fah­ren, oh­ne auf das Au­to der Klä­ge­rin zu ach­ten. loe

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.