Re­den hilft

Ali­cia Keys

Pforzheimer Kurier - - MUSIK-SZENE -

Nach drei­jäh­ri­ger Ba­by­pau­se mel­det sich Ali­cia Keys mit ei­nem sou­li­gen Pau­ken­schlag zu­rück. Ihr neu­es Al­bum setzt auf mu­si­ka­li­sche Viel­falt und klare Wor­te. Der Stress mit zwei Kin­dern, ei­nem Ehe­mann und ei­ner ei­ge­nen Pro­duk­ti­ons­ge­sell­schaft hat of­fen­sicht­li­che Spu­ren hin­ter­las­sen: Ali­cia Keys (35) trägt beim Interview kei­ne aus­ge­fal­le­nen De­si­gner­kla­mot­ten mehr, ver­zich­tet auf Ma­ke-up und spricht so ru­hig und so be­dacht, als hät­te sie ei­ne wich­ti­ge Bot­schaft zu ver­mit­teln oder als wä­re sie auf ei­ner re­gel­rech­ten Mis­si­on – min­des­tens. „Es gibt im­mer mehr Din­ge auf der Welt, die mich stö­ren, um die ich mir Sor­gen ma­che, und bei de­nen ich mich fra­ge, wel­che Aus­wir­kun­gen sie auf das spä­te­re Le­ben mei­ner bei­den Jungs ha­ben wer­den“, sin­niert die 15-fa­che Gram­my-Preis­trä­ge­rin im Interview. Und meint da­mit die Be­dro­hung durch Dem­ago­gen wie Do­nald Trump, die gras­sie­ren­de Po­li­zei­ge­walt, die auf fal­schen Feind­bil­dern wie über­hol­ten Kli­schees ba­siert, so­wie die zu­neh­men­de Ober­fläch­lich­keit und das all­ge­mei­ne Schub­la­den­den­ken, das durch so­zia­le Netz­wer­ke for­ciert wird.

Das sind zu­gleich die The­men ih­res neu­en, sechs­ten Stu­dio-Al­bums, das den viel­sa­gen­den Ti­tel „He­re“trägt – weil es sich als ideo­lo­gi­scher Denk­an­stoß, als war­nen­der Zei­ge­fin­ger und auch als mu­si­ka­li­sches Heil­mit­tel ver­steht. „Ich ser­vie­re hier Songs, die dem Hö­rer Har­mo­nie, Ru­he und Ge­bor­gen­heit ge­ben sol­len – oh­ne die Rea­li­tät aus­zu­blen­den und in den Fan­ta­sy-Be­reich ab­zu­drif­ten. Ich will ihm ein­fach ei­ne men­ta­le Ver­schnauf­pau­se und ei­ne Ge­le­gen­heit zum Durch­at­men ge­ben. Er soll sich neu Kon­so­li­die­ren kön­nen.“

Wor­un­ter die Da­me aus Har­lem klas­si­schen R&B und Soul, aber auch Vor­stö­ße in Jazz und spar­ta­ni­sche Akus­tik-Ar­ran­ge­ments ver­steht. Ei­ne sti­lis­ti­sche Viel­falt, die sich wahl­wei­se in stim­mungs­vol­len Pia­no-Bal­la­den wie „Hal­le­lu­ja“, in gro­ßem, opu­len­ten Herz­schmerz wie „Sa­cred Drug“, in akus­ti­schem Blues („Gramer­cy Park“) oder im ein­gän­gi­gen Pop der Sing­le „In Com­mon“äu­ßert. Stü­cke, die Ali­cia – zum ers­ten Mal in ih­rer 15-jäh­ri­gen Kar­rie­re – nicht al­lein im stil­len Käm­mer­lein ge­schrie­ben hat, son­dern im Team „Frü­her bin ich oft nur mit ei­ner va­gen Idee ins Stu­dio ge­gan­gen, ha­be mich dann trei­ben las­sen und ge­schaut, wo­hin das Gan­ze führt“, setzt Ali­cia an. „Dies­mal ha­ben wir al­le The­men, um die es ge­hen soll­te, vor­her ganz ge­nau durch­ge­spro­chen und bei der Ge­le­gen­heit gleich noch die Mu­sik kom­po­niert – eben als Team, als Ein­heit und mit ex­ak­ten Vor­stel­lun­gen. Mar­cel An­ders

DER MAN­TEL DES NICHTSCHWEIGENS: Ali­cia Keys. Foto: Pao­la Ku­da­cki

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