Ein Hoch auf die En­gel

Eme­li San­dé

Pforzheimer Kurier - - MUSIK-SZENE - MU­SIK FÜR SCHWE­RE ZEI­TEN: Eme­li San­dé. Foto: Uni­ver­sal Mu­sic

Sie wur­de mit ih­rem De­büt­al­bum zum größ­ten bri­ti­schen Pop­star hin­ter Ade­le. Doch auf dem Hö­he­punkt des Ruhms schei­ter­te ih­re Ehe. Mit „Long Li­ve The An­gels“hat Eme­li San­dé (29) ein be­we­gen­des Al­bum über ih­re Emo­ti­ons­ach­ter­bahn auf­ge­nom­men.

„Ich ha­be viel zu lan­ge viel zu viel in mich hin­ein­ge­fres­sen“, sagt Eme­li San­dé, bei un­se­rem Tref­fen in ei­ner be­ein­dru­ckend rie­si­gen Ber­li­ner Ho­tel­sui­te, „und ich brauch­te viel Zeit, um mich selbst und mei­ne Ge­füh­le so gut ken­nen­zu­ler­nen, dass ich wirk­lich aus­drü­cken konn­te, was in mir vor­geht. Die­ses Al­bum nun ist mei­ne The­ra­pie, mei­ne to­ta­le Öff­nung, mei­ne Be­frei­ung.“„Long Li­ve The An­gels“(klei­nes Foto) heißt das Al­bum, es ist San­dés zwei­tes, das ers­te er­schien An­fang 2012, hieß „Our Ver­si­on Of Events“und wur­de mit dra­ma­ti­schen, aus­ge­klü­gel­ten Pop-Soul-Songs wie „Next To Me“oder „Re­ad All About It“zu ei­nem Welter­folg. In Groß­bri­tan­ni­en avan­cier­te das Al­bum so­gar zum meist­ver­kauf­ten des Jah­res 2012, ei­nen Brit Award er­hielt Eme­li eben­falls.

Als sie dann 2012 auch noch ih­ren lang­jäh­ri­gen Freund hei­ra­te­te, schien das Glück, wie man so schön sagt, per­fekt. War es aber nicht. „Es war ei­ne hef­ti­ge Zeit. Ich bin ein re­la­tiv in­tro­ver­tier­ter Mensch, ich füh­le mich nicht rich­tig wohl in ei­nem Raum vol­ler Men­schen, und ein biss­chen Pri­vat­le­ben woll­te ich mir auch noch be­wah­ren. Zu­gleich will ich aber auch, dass mei­ne Mu­sik ge­hört wird. In die­sem Sze­na­rio un­be­scha­det ich selbst zu blei­ben, das war und ist ein Ba­lan­ce-Akt.“Der nicht im­mer ge­lang. Die Ehe ging schon bald in die Brü­che, in­zwi­schen ist Eme­li zwar neu li­iert („Und klar, ver­liebt zu sein ist schön“), aber die Ver­ar­bei­tung der sehr wi­der­sprüch­li­chen Er­fah­run­gen der ver­gan­ge­nen Jah­re (im Schla­ger wür­de man sa­gen: der Ge­fühl­sach­ter­bahn), dau­er­te sei­ne Zeit.

„Und die nahm ich mir“, so Eme­li San­dé. „Hät­te ich das Al­bum schon vor zwei Jah­ren her­aus­ge­bracht, wä­re es ge­hetzt und nicht wahr­haf­tig ge­we­sen.“So ist „Long Li­ve The An­gels“ein er­grei­fen­des Ma­ni­fest von San­dés Ge­füh­len und Stand­punk­ten ge­wor­den, in der Sing­le „Hurts“setzt sie sich auf scho­nungs­lo­se Wei­se mit dem Schei­tern der lang­jäh­ri­gen Be­zie­hung aus­ein­an­der, in „Bre­a­thing Un­der­wa­ter“geht es um das At­men, sprich das Wei­ter­le­ben, nach dem Dra­ma, in „Every Sing­le Pie­ce“ums Wie­der­zu­sam­men­set­zen der ei­ge­nen Per­son.

Mu­si­ka­lisch ser­viert Eme­li ih­re hoch per­sön­li­che Kost gleich­wohl mit ziem­lich viel Po­wer, „Hurts“ist ei­ne mit­rei­ßen­de Up­tem­po-Num­mer, „Highs And Lows“be­sticht mit Gos­pel-Ge­schmack. Aber lo­gisch, dass auch Pia­no-Bal­la­den („Sha­kes“, „Every Sing­le Litt­le Pie­ce“) ver­tre­ten sind. Eme­li San­dé, die ehe­ma­li­ge Me­di­zin­stu­den­tin, hat er­neut ein über wei­te Stre­cken recht erns­tes und ziem­lich rei­fes Al­bum auf­ge­nom­men, ein Al­bum, das auch an­de­ren Men­schen, die ähn­li­che Er­fah­run­gen ma­chen, Trost spen­det und Auf­bau­hil­fe gibt. „Mu­sik für schwe­re Zei­ten hat ei­nen wich­ti­gen Platz“, sagt sie, „doch ich selbst hof­fe sehr, dass mein Le­ben in den nächs­ten Jah­ren et­was we­ni­ger dra­ma­tisch und so­mit ent­spann­ter wird.“La­chend fügt sie an: „Wie sich das auf mei­ne Mu­sik aus­wir­ken wird, ist mir erst­mal egal.“Stef­fen Rüth

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