Wir­bel um zwei schö­ne Men­schen

„Al­lied – ver­trau­te Frem­de“

Pforzheimer Kurier - - FILM UND TV-SZENE -

Das war für die Wer­be­stra­te­gen von Pa­ra­mount Pic­tu­res na­tür­lich ein ge­fun­de­nes Fres­sen: Bei den Dreh­ar­bei­ten des Films „Al­lied“tauch­ten in der Welt­pres­se Bil­der auf, die ei­ne hei­ße Af­fä­re zwi­schen der fran­zö­si­schen Os­car-Ge­win­ne­rin Ma­ri­on Co­til­lard („La vie en ro­se“) und dem ame­ri­ka­ni­schen Welt­star Brad Pitt („Sie­ben“) be­le­gen soll­ten. Das spä­te­re Ehe-Aus von „Bran­ge­li­na“, Brad Pitt und An­ge­li­na Jo­lie, be­feu­er­te die­se Ver­si­on. Da­nach folg­ten rasch die De­men­tis, doch für das Mar­ke­ting des Strei­fens von US-Re­gis­seur Ro­bert Ze­me­ckis war das Me­dien­spek­ta­kel si­cher kein Scha­den. In den deut­schen Ki­nos star­tet der Film am 22. De­zem­ber mit dem Ti­tel „Al­lied – Ver­trau­te Frem­de“.

Der Film ent­führt den Zu­schau­er in das Jahr 1942: In Cas­ablan­ca be­geg­nen sich der ka­na­di­sche Ge­heim­dienst­of­fi­zier Max (Brad Pitt) und die fran­zö­si­sche Wi­der­stands­kämp­fe­rin Ma­ri­an­ne (Ma­ri­on Cot­tilard). Sie ha­ben von den Al­li­ier­ten den Auf­trag be­kom­men, den deut­schen Bot­schaf­ter zu be­sei­ti­gen. Da­für brau­chen sie ei­ne Ein­la­dung des Na­zi­ge­ne­rals Ho­bar (ge­spielt von Au­gust Diehl). Das At­ten­tat ge­lingt, die bei­den, längst ver­liebt in­ein­an­der, flie­hen nach Lon­don. Dort wird Max wie­der für den Ge­heim­dienst tä­tig. Die bei­den hei­ra­ten. Bei der Hoch­zeits­fei­er lernt Ma­ri­an­ne Maxs Schwes­ter Bridget (Liz­zy Ca­plan) und den Vor­ge­setz­ten Frank (Ja­red Har­ris) ken­nen. Ein Jahr spä­ter kommt Toch­ter An­na zur Welt, das Glück scheint voll­kom­men. Plötz­lich wird Max zu ei­ner Un­ter­re­dung zi­tiert, wo ihm ent­hüllt wird, dass sei­ne Frau ei­ne Dop­pel-Agen­tin ist. Er hat 72 St­un­den Zeit, ih­re Un­schuld zu be­wei­sen. An­dern­falls muss er sie selbst li­qui­die­ren, da ihm sonst der Gal­gen droht. Ein ver­zwei­fel­ter Wett­lauf mit der Zeit be­ginnt.

Der 64-jäh­ri­ge Ze­me­ckis gilt als Spe­zia­list für in­tel­li­gen­te Mas­sen­un­ter­hal­tung vol­ler vi­su­el­ler Ef­fek­te. Die­ses Image kann er weit­ge­hend be­stä­ti­gen. Er zim­mert ei­ne be­acht­li­che Mischung aus Spio­na­ge­thril­ler mit ro­man­ti­schen Un­ter­tö­nen, Fa­mi­li­en­ge­schich­te und be­ton­tem Ac­tion-Ki­no. Der Zu­schau­er tappt lan­ge im Dun­keln zwi­schen Wahr­heit und Lü­ge. Der Span­nungs­bo­gen wird ge­schickt auf­recht­er­hal­ten, wenn auch von der Ent­tar­nung bis zum dra­ma­ti­schen Fi­na­le ei­ne St­un­de ver­geht. Da­durch ist der Strei­fen deut­lich zu lang. Ein Dop­pel­le­ben und dunk­le Ge­heim­nis­se aus der Ver­gan­gen­heit be­dro­hen die Zu­kunft ei­nes ver­lieb­ten Paa­res. Die­se mo­ra­li­sche Zwick­müh­le be­währt sich als dra­ma­tur­gi­scher Kunst­griff.

Nach ei­ge­ner Aus­sa­ge ori­en­tier­te sich Au­tor Ste­ven Knight bei sei­nem Dreh­buch an ei­ner wah­ren Ge­schich­te. Na­tür­lich sind die An­lei­hen beim Klas­si­ker „Cas­ablan­ca“mit Hum­phrey Bo­gart und In­grid Berg­man un­über­seh­bar. Aber auch über den Dä­chern von Cas­ablan­ca fehlt et­was das emo­tio­na­le Po­ten­zi­al. Im­mer­hin be­glei­tet Ze­me­ckis be­vor­zug­ter Kom­po­nist Alan Sil­vestri („Schat­ten der Wahr­heit“) ge­konnt Hö­he­punk­te der wen­dungs­rei­chen Hand­lung. Auf­fal­lend ge­lun­gen sind das At­ten­tat in Cas­ablan­ca, die Ge­burt des Kin­des wäh­rend ei­nes Luft­an­griffs oder die Be­geg­nung mit ei­nem ver­stüm­mel­ten Sol­da­ten. Ei­ne schau­spie­le­ri­sche Glanz­leis­tung voll­bringt wie­der ein­mal Ma­ri­on Co­til­lard („Zwei Ta­ge, ei­ne Nacht“). Sie pen­delt bei ih­rer Rol­len­in­ter­pre­ta­ti­on zwi­schen sinn­li­chen und un­durch­sich­ti­gen Ef­fek­ten. Nicht ganz auf ih­rer Hö­he be­fin­det sich der smar­te und eher kühl wir­ken­de Brad Pitt, weil sei­ne Wand­lungs­fä­hig­keit doch eher be­schränkt ist. Au­gust Diehl lehnt sich rou­ti­niert an sei­ne Schur­ken­rol­le in Qu­en­tin Ta­ran­ti­nos „Ing­lou­rious Bas­terds“an. Al­ler­dings kämp­fen al­le Darstel­ler ge­gen die groß­spu­ri­gen Schau­wer­te des Strei­fens an.

Der größ­te Er­folg in der Re­gie-Kar­rie­re von Ro­bert Ze­me­ckis war vor 20 Jah­ren die Tra­gi­ko­mö­die „For­rest Gump“mit Tom Hanks in der Haupt­rol­le. Da­für gab es da­mals sechs Os­cars. Mit sei­nem letz­ten Film „The Walk“er­leb­te Ro­bert Ze­me­ckis ein welt­wei­tes De­sas­ter an den Ki­no­kas­sen. Mit „Al­lied – Ver­trau­te Frem­de“kann man sich dank des Weih­nachts­ge­schäfts sein kom­mer­zi­el­les Come­back vor­stel­len. Pe­ter Va­len­ta

EIN SCHÖ­NES PAAR: Brad Pitt und Ma­ri­on Co­til­lard sind die Stars in Ro­bert Ze­me­ckis‘ neu­em Strei­fen „Al­lied – Ver­trau­te Frem­de“, der am Don­ners­tag in die deut­schen Ki­nos kommt. Die Welt­pres­se dich­te­te den bei­den Schau­spie­lern prompt ein Lie­bes­ver­hält­nis an. Foto: Pa­ra­mount Pic­tu­res

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