Is­ra­els Gren­zer wol­len es ge­nau wis­sen

Ein­rei­se­kon­trol­le für Tou­ris­ten

Pforzheimer Kurier - - REISE - EIN­TRITTS­KAR­TE: Der blau-wei­ße Zet­tel er­setzt den Stem­pel im Rei­se­pass. Foto: dpa

Ein klei­ner blau-wei­ßer Zet­tel ist die Ein­tritts­kar­te ins Hei­li­ge Land. Statt ei­nes Stem­pel­ab­drucks im Pass er­hal­ten Tou­ris­ten am Ben-Gu­ri­on-Flug­ha­fen in Is­ra­el ein Stück Pa­pier, das sie bis zur spä­te­ren Aus­rei­se auf­be­wah­ren müs­sen. „Sta­te Of Is­ra­el – Bo­ar­der Con­trol“steht dar­auf – in­klu­si­ve Bar­code, dem ein­ge­scann­ten Foto aus dem Rei­se­pass und Pass­num­mer. Mit dem Bar­code öff­net sich das Dreh­kreuz zum An­kunfts­be­reich des Flug­ha­fens. Wer den Zet­tel in der Hand hält, hat die Ein­rei­se hin­ter sich – und die ist un­kom­pli­zier­ter als ihr Ruf.

Zwar soll­ten sich Rei­sen­de dar­auf ein­stel­len, dass der Grenz­be­am­te in Is­ra­el die Rou­te oder den Grund des Be­suchs wis­sen will. Die Sor­ge vor hoch­not­pein­li­chen Be­fra­gun­gen sei aber un­be­grün­det, sagt Uri Sha­ron, Di­rek­tor des staat­li­chen is­rae­li­schen Ver­kehrs­bü­ros in Ber­lin. „Vor­he­ri­ge Rei­sen in ara­bi­sche Staa­ten oder nach Iran stel­len per se kein Ein­rei­se­hin­der­nis dar“, heißt es auch in den Rei­se­hin­wei­sen des Aus­wär­ti­gen Amts. Bei „Vi­sa ara­bi­scher Staa­ten oder von Iran“im Rei­se­pass sei je­doch „mit ei­ner Si­cher­heits­be­fra­gung durch is­rae­li­sche Si­cher­heits­kräf­te zu rech­nen“.

Die Ber­li­ne­rin Lin­da Treu­de et­wa, die viel reist und in ih­rem Pass un­ter an­de­rem Stem­pel aus Ma­lay­sia und dem Oman ge­sam­melt hat, wur­de bei der Ein­rei­se nach Is­ra­el da­zu nicht be­fragt: „Das ging al­les sehr schnell. Erst bei der Aus­rei­se woll­te der Be­am­te wis­sen, wann und war­um ich im Oman und in Ma­lay­sia war und wen ich dort ken­ne.“Die Be­fra­gung sei sach­lich, aber nicht un­freund­lich ge­we­sen und ha­be et­wa zehn Mi­nu­ten ge­dau­ert.

Uri Sha­ron rät Is­ra­el­be­su­chern, bei Ein- und Aus­rei­se wich­ti­ge Da­ten pa­rat zu ha­ben: Wel­ches Ho­tel wird oder wur­de be­sucht, an wel­chen Ta­gen plant man, in wel­cher Stadt zu sein? „Es ist als Tou­rist sinn­voll, zu wis­sen, wo man hin­geht oder wo man war.“Es ge­he bei den Fra­gen auch dar­um, wo der Kof­fer war und wer ihn ge­packt hat.

Bei der is­rae­li­schen Flug­ge­sell­schaft El Al ist mit Be­fra­gun­gen be­reits vor dem Ab­flug nach Is­ra­el zu rech­nen. Ma­ri­on Pa­der­na, Mar­ke­ting­ma­na­ge­rin bei El Al in Deutsch­land, ver­tei­digt das Vor­ge­hen: „Ähn­li­che Be­fra­gun­gen wer­den heut­zu­ta­ge auch bei Rei­sen­den in die USA un­ter­nom­men.“Um die Si­cher­heit der Pas­sa­gie­re zu ge­währ­leis­ten, fin­den dem­nach in den Check-in-Be­rei­chen zu­sätz­li­che Kon­trol­len durch ge­schul­tes Per­so­nal statt. Wie ge­nau die­se ab­lau­fen, ver­rät die Flug­ge­sell­schaft nicht. Sie er­klärt nur, dass die Be­fra­gun­gen ent­we­der vor dem Check-in oder auch am Ga­te statt­fin­den. Auch die Bun­des­po­li­zei macht kei­ne An­ga­ben: „De­tails da­zu sind als Ver­schluss­sa­che ein­ge­stuft.“

Vie­len Pas­sa­gie­ren dürf­ten die be­son­de­ren Be­stim­mun­gen vor al­lem durch an­de­re Check-in-Zei­ten auf­fal­len. So schlie­ße bei­spiels­wei­se der Check-in für Flü­ge von Frankfurt nach Tel Aviv nicht 30 Mi­nu­ten vor Ab­flug, son­dern be­reits 60 Mi­nu­ten vor­her, wie Luft­han­sa-Spre­cher Tho­mas Jach­now er­klärt.

Im Jahr 2015 reis­ten 3,1 Mil­lio­nen Men­schen nach Is­ra­el – et­wa je­der 17. Be­su­cher war Deut­scher. Da­mit stel­len deut­sche Rei­sen­de nach den USA, Russ­land und Frank­reich die viert­größ­te Be­su­cher­grup­pe. Im Jahr 2016 be­such­ten das Land zwi­schen Ja­nu­ar und Sep­tem­ber rund 117 000 Deut­sche.

Die meis­ten von ih­nen ver­las­sen das Land wie­der über den Ben-Gu­ri­onFlug­ha­fen in Tel Aviv. Dort wer­den die Päs­se nicht nur bei der Ein-, son­dern auch bei der Aus­rei­se ge­nau un­ter die Lu­pe ge­nom­men. Das ist Teil des Si­cher­heits­kon­zepts. „Der Ben-Gu­ri­on-Flug­ha­fen ge­hört zu den si­chers­ten Flug­hä­fen der Welt und nimmt die Si­cher­heits­maß­nah­men sehr ernst“, be­tont Is­ra­elTou­ris­mus-Ex­per­te Sha­ron. Vor dem Check-in er­war­tet die Rei­sen­den ei­ne Be­fra­gung durch ei­nen Si­cher­heits­be­am­ten. Die kann kurz aus­fal­len und in­ner­halb ei­ner Mi­nu­te be­en­det sein. Oder et­was län­ger dau­ern – wie bei der aus Bay­ern stam­men­den Michae­la So­eff­ner. Be­ruf­lich ist die Wahl-Wie­ne­rin oft un­ter­wegs, hat in ara­bi­schen Län­dern ge­ar­bei­tet und ent­spre­chen­de Vi­sa im Rei­se­pass. „Ich muss­te bei der Aus­rei­se je­den Stem­pel er­klä­ren“, sagt So­eff­ner. Zu­dem sei das Hand­ge­päck ge­nau kon­trol­liert wor­den. Rund ei­ne hal­be St­un­de hät­ten Be­fra­gung und Kon­trol­le ge­dau­ert. Wie sie zu Hau­se fest­stell­te, wur­de auch ihr Kof­fer ge­öff­net und durch­sucht. „Die Ein­rei­se war da­ge­gen völ­lig un­kom­pli­ziert.“

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