Not­wen­di­ge Kor­rek­tur

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

Sig­mar Ga­b­ri­el und Horst See­ho­fer konn­ten schon im­mer ziem­lich gut mit­ein­an­der. Dass der SPD-Chef jetzt ei­ne al­te For­de­rung der CSU auf­greift, kommt aber doch et­was über­ra­schend. El­tern aus Bul­ga­ri­en, Ru­mä­ni­en, Po­len oder Tsche­chi­en, die in Deutsch­land ge­mel­det sind, de­ren Kin­der aber noch in ih­ren Hei­mat­län­dern le­ben, will Ga­b­ri­el das Kin­der­geld kür­zen – mit gu­ten Ar­gu­men­ten, aber über­schau­ba­ren Er­folgs­aus­sich­ten. Bis­her hat die deut­sche Po­li­tik kei­nen Weg ge­fun­den, um die EU-Kom­mis­si­on zu ei­nem Kurs­wech­sel zu be­we­gen.

In der Sa­che hat Ga­b­ri­el Recht. Die Frei­zü­gig­keit in Eu­ro­pa darf nicht da­zu miss­braucht wer­den, um in die So­zi­al­sys­te­me an­de­rer Län­der ein­zu­wan­dern. Ge­nau das aber tun die Zu­wan­de­rer aus den ost- und süd­ost­eu­ro­päi­schen Mit­glieds­staa­ten, die sich in der Bun­des­re­pu­blik nie­der­las­sen, um dort vor al­lem ei­nes zu be­kom­men: das deut­sche Kin­der­geld. Bei drei Kin­dern kom­men so be­reits knapp 600 Eu­ro im Mo­nat zu­sam­men – mehr als die El­tern zu­hau­se auf dem Bau, in der Fa­b­rik oder an der

Su­per­markt­kas­se ver­die­nen, so­fern sie über­haupt ei­ne Ar­beit ha­ben. Des­we­gen ge­hen dem Steu­er­zah­ler in der Bun­des­re­pu­blik zwar kei­ne Mil­li­ar­den ver­lo­ren – klag­los hin­neh­men aber muss die Bun­des­re­gie­rung das auch nicht. Den Bri­ten, zum Bei­spiel, hat Brüssel im Fe­bru­ar ei­ne Lö­sung wie die von Ga­b­ri­el skiz­zier­te an­ge­bo­ten, um sie in der EU zu hal­ten. Auch Ös­ter­reich drängt seit lan­gem auf ei­ne Kor­rek­tur der ent­spre­chen­den Richt­li­ni­en und sucht noch nach Mit­strei­tern.

In den meis­ten Fäl­len han­delt es sich da­bei nicht um ge­ziel­ten Miss­brauch, son­dern um das, was Öko­no­men ei­nen Mit­nah­me­ef­fekt nen­nen. Ein pol­ni­scher Bau­ar­bei­ter, der in Deutsch­land lebt und ar­bei­tet, lässt Frau und Kin­der in Po­len zu­rück, hat aber trotz­dem An­spruch auf Kin­der­geld in deut­scher Hö­he – ob­wohl sei­ne Fa­mi­lie in Po­len ver­gleichs­wei­se bil­lig lebt. Das wi­der­spricht nicht nur dem Ge­rech­tig­keits­emp­fin­den vie­ler Bür­ger, son­dern auch dem Geist von Kin­der­geld und Kin­der­frei­be­trag. Sie si­chern das Exis­tenz­mi­ni­mum ei­nes Kin­des – in deut­schen Prei­sen.

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