Dampf statt Rauch

Ta­ba­k­rie­se mit Neu­heit

Pforzheimer Kurier - - ZEITGESCHEHEN - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten Markus Gra­bitz

Brüssel. Die Ta­bak­steu­er war lan­ge ei­ne ver­läss­li­che und er­trag­rei­che Ver­brauchs­steu­er. Der Kon­sum von le­gal ver­steu­er­ten Zi­ga­ret­ten bricht aber seit ei­ni­ger Zeit dra­ma­tisch ein. In den 90ern wur­den hier­zu­lan­de noch 180 Mil­li­ar­den Stück Zi­ga­ret­ten jähr­lich re­gu­lär ver­steu­ert, jetzt sind es noch gut 80 Mil­li­ar­den Stück. Die­ser Trend hin­ter­lässt Spu­ren: Ob­wohl der Ge­setz­ge­ber die Ta­bak­steu­er seit der Jahr­tau­send­wen­de deut­lich an­ge­ho­ben hat, sta­gniert das Steu­er­auf­kom­men. 2015 ka­men in Deutsch­land 14,9 Mil­li­ar­den Eu­ro aus der Ta­bak­steu­er zu­sam­men, 2010 war es mit 13,49 Mil­li­ar­den nur et­was we­ni­ger.

Die ver­än­der­ten Kon­sum­ge­wohn­hei­ten der Rau­cher wer­den in Zu­kunft den Er­trag der Ta­bak­steu­er wei­ter min­dern. Im­mer mehr Rau­cher stei­gen näm­lich auf an­de­re Pro­duk­te um, die we­ni­ger oder gar nicht be­steu­ert wer­den. So wird auf die E-Zi­ga­ret­te und Li­quids, die zum Damp­fen be­nö­tigt wer­den, le­dig­lich Mehr­wert­steu­er er­ho­ben. Das Pro­dukt un­ter­liegt nicht der Ta­bak­steu­er. Die Bran­che ar­gu­men­tiert, das Steu­er­pri­vi­leg sei be­rech­tigt, weil die E-Zi­ga­ret­te we­ni­ger ge­sund­heits­schäd­lich

Steu­er­auf­kom­men sta­gniert seit Jah­ren

sei. Doch Ge­sund­heits­po­li­ti­ker sind skep­tisch und drän­gen auf die Ein­füh­rung ei­ner Steu­er. Den­noch ist ei­ne Be­steue­rung der E-Zi­ga­ret­te der­zeit nicht ab­seh­bar. Die Bun­des­re­gie­rung ver­weist seit Jah­ren auf Brüssel, aber die EUKom­mis­si­on bremst. Zwar hat die Kom­mis­si­on von den Mit­glieds­län­dern vor neun Mo­na­ten den Auf­trag be­kom­men, die EU-Ta­bak­steu­er­richt­li­nie zu über­ar­bei­ten. Doch es geht nicht so recht vor­an.

Da­bei ist der Hand­lungs­be­darf mit Hän­den zu grei­fen: Ne­ben E-Zi­ga­ret­ten kom­men im­mer mehr Ta­bak­pro­duk­te auf den Markt, die an­geb­lich we­ni­ger schäd­lich sind, aber sys­te­ma­tisch der Ta­bak­steu­er un­ter­wor­fen wer­den müs­sen. Das pro­mi­nen­tes­te Bei­spiel ist die Iqos von Phi­lip Mor­ris. Beim Ver­kaufs­preis lehnt sich das neue Ta­bak-Pro­dukt von Phi­lip Mor­ris an das al­te an: Ei­ne Schach­tel Iqos mit 20 Zi­ga­ret­ten der neu­en Ge­ne­ra­ti­on kos­tet sechs Eu­ro – ge­nau­so viel wie ei­ne Schach­tel Marl­bo­ro. Für den Kon­zern zeich­net sich ein gu­tes Ge­schäft ab. Phi­lip Mor­ris ist es, ver­mut­lich nicht zu­letzt durch ge­schick­te Lob­by­ar­beit, ge­lun­gen, in Deutsch­land ein Steu­er­schlupf­loch für die Iqos auf­zu­tun. Die Iqos wird näm­lich nicht wie ei­ne Zi­ga­ret­te be­steu­ert, son­dern wie Pfei­fen­ta­bak. Und der Pfei­fen­ta­bak zahlt nur ei­nen Bruch­teil der Ab­ga­ben, die bei Fa­b­rik­zi­ga­ret­ten fäl­lig wer­den. Kon­kret sieht es so aus: Bei ei­ner Schach­tel Marl­bo­ro mit 20 Zi­ga­ret­ten be­trägt die Ta­bak­steu­er 3,26 Eu­ro, ein­schließ­lich Mehr­wert­steu­er macht die Steu­er­last al­so 3,88 Eu­ro aus. Ei­ne Schach­tel Iqos mit 20 Sticks wird mit 0,88 Eu­ro bei der Ta­bak­steu­er her­an­ge­zo­gen, mit Mehr­wert­steu­er ins­ge­samt al­so 1,05 Eu­ro. Tech­nisch ist sie die Neu­ent­wick­lung von Phi­lip Mor­ris ein Zwi­schen­ding zwi­schen der E-Zi­ga­ret­te, die mit Tem­pe­ra­tu­ren von 180 Grad ar­bei­tet, und der klas­si­schen Zi­ga­ret­te: Die Iqos ver­dampft Ta­bak mit Hil­fe ei­nes elek­tri­schen Mehr­weg-Hal­ters bei Tem­pe­ra­tu­ren um 300 Grad Cel­si­us Ta­bak. Die her­kömm­li­che Zi­ga­ret­te ver­brennt den Ta­bak und kommt da­bei auf Tem­pe­ra­tu­ren von 500 bis 800 Grad.

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