Die Kö­ni­gin von Ba­den-Ba­den

„Gän­se­haut“-Ge­füh­le bei Ker­ber nach Traum­jahr / Hand­bal­ler las­sen es trotz Platz zwei kra­chen

Pforzheimer Kurier - - BLICK IN DIE WELT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Re­né Dan­kert

Ba­den-Ba­den. Die Gil­de der Fo­to­gra­fen hat­te An­ge­li­que Ker­ber schon sehn­lichst er­war­tet. In ih­rem apri­cot-far­be­nen Abend­kleid schweb­te sie über den ro­ten Tep­pich hin­auf zum Bé­na­zet-Saal in Ba­den-Ba­den. Mehr­mals muss­te sie für die Män­ner mit ih­ren Ka­me­ras in­ne hal­ten. Gar nicht ge­nug schie­nen die­se von der welt­bes­ten Ten­nis­spie­le­rin zu be­kom­men, die ihr ge­win­nends­tes Lä­cheln be­müh­te, das sie für sol­che An­läs­se im Ram­pen­licht re­ser­viert hält.

Die Kö­ni­gin der Nacht im Kur­haus, das war der Tri­um­pha­to­rin der Gran­dSlam-Tur­nie­re von Mel­bourne und New York bei ih­rer An­kunft zur Pro­kla­ma­ti­on der Sport­ler des Jah­res klar, wür­de sie al­lei­ne sein. Sel­ten hat­ten die Sport­jour­na­lis­ten ei­ne Erst­plat­zier­te so weit vor­ne ge­se­hen wie das Ten­nis-Ass bei der 70. Auf­la­ge der Wahl. Die ste­hen­den Ova­tio­nen, die Ker­ber er­hielt, als sie die Tro­phäe aus den Hän­den ih­rer bes­ten Freun­din Ju­lia Lerz im Emp­fang nahm, ka­men von Her­zen. „Gän­se­haut“ha­be das der Ten­nis­spie­le­rin be­schert, die sich aus Ro­ten Tep­pi­chen ei­gent­lich nicht viel ma­che, wie sie er­zähl­te. Manch­mal wuss­te sie in ih­rem „Traum­jahr“2016 gar nicht wo­hin mit ih­ren Ge­füh­len.

Span­nen­der war das Rät­sel, wer am Abend an Ker­bers Sei­te ste­hen und mit ihr auf dem Sie­ger­fo­to um die Wet­te strah­len wür­de. An­wär­ter gab es ei­ne Rei­he. Letzt­lich lan­de­te Reck-Olym­pia­sie­ger Fa­bi­an Ham­bü­chen vor dem zur Zeit in Aus­tra­li­en trai­nie­ren­den und von dort per Vi­deo zu­ge­schal­te­ten „Iron­man“Jan Fro­de­no. Auch je­ner stand hö­her in der Gunst der Jour­na­lis­ten als Ni­co Ros­berg, der für man­chen Wäh­ler vi­el­leicht zu spät als Zwei­kampf­sie­ger über sei­nen Mer­ce­des-Ri­va­len Le­wis Ha­mil­ton fest­stand. Der For­mel-1-Welt­meis­ter, der nach sei­nem Kar­rie­re-High­light in Abu Dha­bi Stopp ge­sagt hat­te, war den­noch auch bei die­ser Eh­ren­run­de im Zwei­rei­her zur Stel­le. Die Freu­de dar­über war auch un­ter den Au­to­gramm­jä­gern groß, für die sich Ros­berg an der Sei­te sei­ner Frau Vi­vi­an Si­bold Zeit nahm. Spä­ter um­arm­te Ros­berg den Turn-Star Ham­bü­chen auf­rich­tig. Und der Turn-Star wuss­te, dass das kei­ne Show war, als man ihm in der Hal­le an­hal­tend hul­dig­te: „Der Mo­ment in Rio war schon krass, aber ich ha­be das noch nie so rea­li­siert wie ge­ra­de eben“, sag­te Ham­bü­chen, der den Haupt­preis schon ein­mal, 2007 näm­lich, aus Ba­den-Ba­den mit­ge­nom­men hat­te. „Er war so put­zig“, sag­te bei ei­nem da­zu­ge­hö­ri­gen Ein­spie­ler die ZDF-Frau Kath­rin Mül­ler-Ho­hen­stein, die wie­der an der Sei­te von Ru­di Cer­ne durchs Pro­gramm führ­te.

Weil die Beach­vol­ley­bal­le­rin­nen Ki­ra Wal­ken­horst und Lau­ra Lud­wig et­was knapp dran ge­we­sen wa­ren, ver­zö­ger­te sich der Be­ginn der Auf­zeich­nung um ei­ni­ge Mi­nu­ten. Auch den Gold­me­dail­len­ge­win­ne­rin­nen von Rio war schließ­lich ei­ne Haupt­rol­le ga­ran­tiert. Oh­ne sie ging al­so nichts. Das Duo mach­te das Ren­nen in der Ka­te­go­rie „Mann­schaft des Jah­res“– noch vor den Hand­ball-Eu­ro­pa­meis­tern, die es an­schlie­ßend auf der „Par­ty“den­noch kra­chen lie­ßen.

Den Ver­an­stal­tern von der In­ter­na­tio­na­len Sport-Kor­re­spon­denz war es ge­lun­gen, 48 ehe­ma­li­ge Sport­ler des Jah­res zu­sam­men­zu­brin­gen. Lau­ter il­lus­tre Na­men, dar­un­ter Ma­ri­ka Ki­li­us, Jut­ta Hei­ne, Hans-Joa­chim Klein, Heinz Füt­te­rer, El­len Wes­sin­g­ha­ge, Cor­ne­lia Ha­nisch, Frank Bu­se­mann, Nils Schu­mann, Oli­ver Rog­gisch, Paul Bie­der­mann, „Tä­ve“Schur, Michael Groß, Ul­ri­ke Nas­se-Mey­farth, Eber­hard Gi­en­ger, und, und, und. Das „Bild für die Ewig­keit“mit al­len As­sen der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te wur­de zu ei­ner or­ga­ni­sa­to­ri­schen Her­aus­for­de­rung auf der Büh­ne. Der Bo­xer-Tisch blieb der­weil voll be­setzt. Re­gi­na Hal­mich, Sven Ott­ke und Alt­meis­ter Re­né Wel­ler lie­ßen sich das von Ster­ne­koch Mar­tin Herr­mann (Bad Pe­ter­s­tal-Gries­bach) Kre­denz­te schme­cken.

Auf­ge­tischt hat­te man auch in de­ren Nach­bar­schaft, wo sich in Na­stass­ja Kin­ski ei­ne in­ter­na­tio­nal de­ko­rier­te Schau­spie­le­rin un­ter die Ath­le­ten ge­mischt hat­te. Auch sie hat­te ih­ren Spaß. Ge­lacht wur­de reich­lich. Beim Tur­ner Andrea To­ba zum Bei­spiel, der den „Spar­kas­sen-Preis“als Vor­bild des Sports er­hielt. In Rio hat­te er sich trotz ei­nes Kreuz­band­ris­ses in den Di­enst der Mann­schaft ge­stellt und so Ruhm weit über sei­ne Spar­te hin­aus er­langt. Er ste­he in­zwi­schen wie­der voll im Trai­ning, er­zähl­te der al­so und wur­de kon­kre­ter. „Oben rum bin ich fit, un­ten rum noch nicht ganz.“Was er mit dem Schen­kel­klop­fer an­rich­te­te, be­merk­te To­ba zu spät. „Äh, al­so am Knie, mei­ne ich da­mit“.

Trotz ei­nes Su­per-Sport­jah­res 2016, mit ei­ner Fuß­ball-EM und mit Olym­pi­schen Som­mer­spie­len, war längst nicht al­les lus­tig und längst war auch nicht al­les Gold, was man als glanz­voll aus­gab. Die Pro­ble­me des Sports, sie wa­ren in Ga­la-Ro­be nicht weg­zu­lä­cheln. Olym­pia mit Rus­sen, die Pa­ralym­pics oh­ne. Ge­ra­de IOC-Boss Tho­mas Bach muss­te sich für sei­ne In­kon­se­quenz in der Be­wer­tung des rus­si­schen Staats­do­pings ei­ni­ge Kri­tik an­hö­ren. Am Wo­che­n­en­de erst wie­der von In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re. In Ba­den-Ba­den fehl­te der Tau­ber­bi­schofs­hei­mer. Eben­so wie DOSB-Prä­si­dent Al­fons Hör­mann.

ÜBER­RA­SCHUNG: Ten­nis-Star An­ge­li­que Ker­ber be­kommt die Tro­phäe von ih­rer bes­ten Freun­din Ju­lia Lerz (links) über­reicht. Fotos (3): GES

ÜBUNG AM TIE­RI­SCHEN GE­RÄT: Olym­pia­sie­ger Fa­bi­an Ham­bü­chen auf dem Köl­ner Geiß­bock.

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