Nach­drück­li­ches „Auf Wie­der­se­hen“

Zwei­mal 0:0: Aus­hel­fer Kwas­ni­ok führt KSC vom Re­le­ga­ti­ons­platz / Fo­da scheint der Neue zu wer­den

Pforzheimer Kurier - - SPORT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Re­né Dan­kert

Karls­ru­he. Na­tür­lich trug Lu­kas Kwas­ni­ok auch zu sei­nem Aus­stand je­nen Over­all mit den Rie­sen­let­tern „Karls­ru­her Sport-Club“drauf. Das flot­te Out­fit har­mo­nier­te ja auch treff­lich mit sei­nem wäh­rend der 14 Ta­ge als In­te­rims­coach des Fuß­ball-Zweit­li­gis­ten KSC vor­ge­leb­ten Selbst­ver­ständ­nis. Ei­ne neue „Sym­bio­se zwi­schen der Mann­schaft und dem Um­feld“woll­te er her­stel­len. Die Sweat­ja­cke trans­por­tier­te den Wunsch nach der Wie­der­be­le­bung von Iden­ti­fi­ka­ti­on und Ge­mein­sinn. Das 0:0 zum Jah­res­ab­schluss ge­gen Ein­tracht Braun­schweig, vor al­lem aber die Art, wie das Heim­team im Wild­park ge­gen den Zweit­li­ga-Herbst­meis­ter auf­ge­tre­ten war, taug­te da zu­min­dest als Le­bens­zei­chen. Die Mann­schaft wird im Win­ter neu auf­ge­baut und aus­ta­riert wer­den müs­sen, nach Ver­stär­kun­gen wird man sich um­schau­en. Fran­co Fo­da wird wohl die Auf­ga­be zu­fal­len. Ei­ne Be­stä­ti­gung der Ei­ni­gung mit dem Wunsch­kan­di­da­ten von Sturm Graz stand ges­tern noch aus. Doch die Prä­sen­ta­ti­on des neu­en Chef­trai­ners dürf­te nicht mehr lan­ge auf sich war­ten las­sen.

Un­ter Über­gangs­hel­fer Kwas­ni­ok trat zu­ta­ge, dass es am Wil­len der Pro­fis nicht schei­tern soll. Nun, di­rekt vor ih­rem Ur­laubs­an­tritt, mach­ten ei­ni­ge Spie­ler kei­nen Hehl mehr dar­aus, dass sie sich nach der Tren­nung von To­mas Oral wie be­freit füh­len. Kwas­ni­ok ha­be dem Ka­der wie­der „Le­ben“ein­ge­haucht, sag­te Tor­wart Re­né Voll­ath. „Wir ha­ben end­lich wie­der Spaß am Fuß­ball. Es wer­den kei­ne un­nö­ti­gen Bau­stel­len mehr auf­ge­macht. Er hat uns ge­packt, und je­der hat mit­ge­zo­gen“, lob­te Voll­ath die Ar­beit des Man­nes aus dem A-Ju­nio­ren­la­ger. Und Mit­tel­feld­spie­ler Gri­scha Prö­mel fand es „scha­de“, dass Kwas­ni­ok ins zwei­te Glied zu­rück­tre­ten muss. „Was er in der kur­zen Zeit hier auf­ge­baut hat, ist echt be­mer­kens­wert.“

Die meis­ten Spie­ler schei­nen ihr La­chen wie­der ge­fun­den zu ha­ben – und das für sie un­ge­wohn­te, fle­xi­ble Sys­tem mit ei­ner Drei­er- be­zie­hungs­wei­se Fün­fer­ket­te wur­de nicht zum Ei­gen­tor, son­dern gut um­ge­setzt. Für den Mo­ment wa­ren Kwas­ni­o­ks Maß­nah­men ge­eig­net, um die Pro­fis auf­zu­rich­ten. Der Weg aus dem Ta­bel­len­kel­ler wird für sie den­noch kno­chen­hart blei­ben. Nach der Win­ter­pau­se war­tet am 29. Ja­nu­ar der un­te­re Ta­bel­len­nach­bar Ar­mi­nia Bie­le­feld als ers­ter Geg­ner im neu­en Jahr – ge­wis­ser­ma­ßen gleich ein SechsPunk­te-Spiel im Über­le­bens­kampf.

Kwas­ni­ok hat­te wäh­rend des Du­ells mit den Braun­schwei­gern an der Sei­ten­li­nie wie­der vor­ge­lebt, wie er ei­ne Emo­tio­na­li­sie­rung im Ab­stiegs­kampf ver­steht: Wie beim 0:0 zu­vor in Dres­den ließ er we­nig aus, um den vier­ten Of­fi­zi­el­len auf Tr­ab zu hal­ten. Ein­mal for­der­te er das Haupt­tri­bü­nen-Pu­bli­kum auf, al­le Zu­rück­hal­tung ab­zu­le­gen. Und als er zur Schluss­pha­se Ma­nu­el Tor­res vom Warm­lau­fen zur Ein­wechs­lung her­über­zi­tier­te, der Spa­nier aber trotz Auf­for­de­rung kei­ne Ei­le an den Tag leg­te, strich der Trai­ner kur­zer­hand des­sen Ein­satz­prä­mie und brach­te statt­des­sen Yann Rolim. „Ich hat­te nicht das Ge­fühl, dass er ein Tor er­zie­len woll­te. Ich fin­de, Kör­per­spra­che macht viel aus“, er­klär­te Kwas­ni­ok spä­ter bei der Pres­se­kon­fe­renz.

Dort hat­te ihn dann doch noch je­mand „er­rö­ten“las­sen. Braun­schweigs Trai­ner Torsten Lie­ber­knecht wür­dig­te die Ar­beit des di­plom­lo­sen Nach­wuchs­trai­ners. „Ich muss ihm ein Lob zol­len da­für, dass er of­fen­bar den rich­ti­gen Dreh ge­fun­den hat, um der Mann­schaft Sta­bi­li­tät zu ver­lei­hen.“Sta­bi­li­tät, die nun zwei Zäh­ler aus zwei Par­ti­en ab­warf. We­der kas­sier­te der KSC da­bei ein Ge­gen­tor noch er­ziel­te er auch ei­nen Tref­fer. Da­bei hat­te der Ta­bel­len-15., bei dem Mar­vin Meh­lem und Er­win Hof­fer an­stel­le von Tor­res und Dia­man­ta­kos von Be­ginn an ran durf­ten, den Spit­zen­rei­ter über wei­te Stre­cken do­mi­niert. Auch bo­ten sich der Heim­elf ei­ni­ge Mo­men­te, um ge­winn­brin­gend zu­zu­schla­gen. Meh­lem, der bis zu sei­ner Aus­wechs­lung ei­ne sehr an­stän­di­ge Start­elf-Pre­mie­re bot, krei­de­te sich an, kei­ne sei­ner bei­den Ge­le­gen­hei­ten ge­nutzt zu ha­ben. „Wir wa­ren zu 100 Pro­zent bes­ser. Nur das Tor hat eben ge­fehlt“, sag­te er. Am nächs­ten war der KSC ei­nem Er­folgs­er­leb­nis nach 38 Mi­nu­ten ge­kom­men: Ei­nen Frei­stoß von Hi­ro­ki Ya­ma­da aus dem rech­ten Halb­feld in den Sech­zeh­ner faus­te­te Ein­tracht-Schluss­mann Jas­min Fe­jzic vor die Fü­ße von Mo­ritz Stop­pel­kamp, des­sen Schuss von der Straf­raum­gren­ze von Mar­cel Cor­reia ge­blockt wur­de. Im zwei­ten Ver­such schei­ter­te Prö­mel an Fe­jzic. Über­haupt stand der Kee­per öf­ter im Brenn­punkt als man dies der no­to­risch schwä­cheln­den KSCOf­fen­si­ve zu­ge­traut hat­te. 18:9-Schüs­se wies die Sta­tis­tik­aus­wer­tung am En­de für den auch nach Ball­be­sitz (65,6 Pro­zent) über­le­ge­nen KSC aus. Dar­in ent­hal­ten un­ter an­de­rem ein Frei­stoß Stop­pel­kamps weit im zwei­ten Ab­schnitt (73.), den der Tor­wart dann nicht fest­hal­ten konn­te, wo­von die ein­ge­wech­sel­ten Dia­man­ta­kos und Da­vid Kin­som­bi aber nicht pro­fi­tie­ren konn­ten. In vie­len an­de­ren gu­ten Mo­men­ten galt das, was Kreu­zer rich­tig zu­sam­men­fass­te: „Wir ha­ben gu­ten Fuß­ball ge­spielt, aber der fi­na­le Pass und der letz­te Schluss Ent­schlos­sen­heit ha­ben ge­fehlt“, mein­te er. Al­ler­dings hat­te der KSC ein­mal auch Glück, dass der gu­te Schieds­rich­ter Flo­ri­an Bad­stüb­ner nach ei­nem Frei­stoß von Sau­lo De­car­li aus 26 Me­tern To­rent­fer­nung auf Ab­seits ent­schied. Voll­ath hat­te den Frei­stoß­ball mit den Fin­ger­spit­zen an die Lat­te ge­lenkt, Ken Rei­chel den Ab­pral­ler ins Tor ge­drückt. Die Aber­ken­nung des Tref­fers – strit­tig.

Ei­ne rich­tig gu­te Chan­ce hat­te das ins­ge­samt schwa­che Team des Auf­stiegs­an­wär­ters ja auch schon nach ei­ner hal­ben St­un­de ge­habt. Der für Kin­som­bi wie­der von Be­ginn an auf­ge­bo­te­ne KSC-In­nen­ver­tei­di­ger Bjar­ne Tho­el­ke, der im zwei­ten Ab­schnitt we­gen Übel­keit raus muss­te, hat­te Braun­schweigs Tor­jä­ger Do­mi Kum­be­la mit ei­nem fahr­läs­si­gen Ball­ver­lust zum Durch­bruch ein­ge­la­den. Doch der dann mit dem Ball Rich­tung Straf­raum los­ge­zo­ge­ne An­grei­fer ver­zog sei­nen Ab­schluss letzt­lich knapp.

Kwas­ni­ok gab sei­ne Platz­hal­ter­rol­le oh­ne Weh­mut auf – sag­te er. „Ich bin zwei Wo­chen ers­te Klas­se ge­fah­ren, bin aber die zwei­te Klas­se ge­wohnt. Da ist es be­que­mer“, sag­te er, um spä­ter ei­nen letz­ten Ap­pell im Sin­ne sei­nes Auf­trags los zu wer­den: „Lasst uns al­le zu­sam­men in den ver­blei­ben­den 16 Spie­len, von der U 10 über al­le Jour­na­lis­ten und über al­le im Um­feld, ge­mein­sam die Punk­te ho­len, da­mit wir die drei im letz­ten Spiel in Braun­schweig dann nicht mehr brau­chen.“Und dann sag­te er noch, sehr be­tont: „Auf Wie­der­se­hen.“

Sta­tis­tik

Karls­ru­her SC: Voll­ath, Tho­el­ke (61. Kin­som­bi), Fi­gueras, Kem­pe, Prö­mel, Ya­ma­da – Mavri­as, Ba­der, Meh­lem (86. Rolim), Stop­pel­kamp, Hof­fer (61. Dia­man­ta­kos).

Ein­tracht Braun­schweig: Fe­jzic, Sau­er, Cor­reia, De­car­li, Rei­chel, Moll, Schön­feld (46. Bo­land), Om­la­dic (81. Khe­li­fi), Her­nan­dez, Ny­man (65. Ab­dul­lahi), Kum­be­la.

Schieds­rich­ter: Bad­stüb­ner (Winds­bach), Zu­schau­er: 12 096.

Gel­be Kar­ten: Fi­gueras (3), Ya­ma­da (4) – Schön­feld (4), Om­la­dic (4), De­car­li (4).

DAN­KE­SCHÖN für ei­nen über­zeu­gend aus­ge­füll­ten Aus­hilfs­job bei den Pro­fis sag­ten die KSC-Pro­fis dem Nach­wuchs­trai­ner Lu­kas Kwas­ni­ok nach dem 0:0 ge­gen Braun­schweig.

AUF DEM SPRUNG aus Graz zum KSC? Fran­co Fo­da. Fotos: GES/imago

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