Trom­pe­tenglanz und Pau­ken­schall

Präch­tig: Bachs Weih­nachts-Ora­to­ri­um im Fest­spiel­haus Ba­den-Ba­den

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

An­ders als der „Mes­si­as“Georg Fried­rich Hän­dels, der vor ei­ner Wo­che ei­ne groß­ar­ti­ge Auf­füh­rung im Ba­denBa­de­ner Fest­spiel­haus er­leb­te, sind die sechs Kan­ta­ten von Jo­hann Se­bas­ti­an Bachs „Weih­nachts-Ora­to­ri­um“tat­säch­lich für die ein­zel­nen Fest­ta­ge vom 25. De­zem­ber bis 6. Ja­nu­ar be­stimmt. Dem Usus, we­gen der Län­ge des ge­sam­ten Zy­klus von fast vier St­un­den wie auch aus Kos­ten­grün­den die Kan­ta­ten IV und V aus­zu­las­sen, folg­te auch die Auf­füh­rung durch das Frei­bur­ger Ba­rock­or­ches­ter, den RIAS-Kam­mer­chor und ei­ner hoch­klas­si­gen So­lis­tenSchar in Ba­den-Ba­den.

Weih­nach­ten galt der Chris­ten­heit früh als be­son­ders freu­di­ges Fest. Nicht ver­wun­der­lich, dass Kom­po­nis­ten Mu­sik zu die­sem Fest be­son­ders glän­zend ge­stal­te­ten. Bei Bach be­deu­tet das die ty­pi­sche Be­set­zung mit drei Trom­pe­ten und Pau­ken, die den Klang der Kan­ta­ten I, III und VI so nach­hal­tig prä­gen. Die Be­haup­tung in­des, dass die beim Evan­ge­lis­ten Lu­kas ge­schil­der­te Ar­mut von Je­su El­tern „den Künst­lern des Ba­rock, die­ser auf Rausch und Wir­kung ver­ses­se­nen Epo­che, Kopf­zer­bre­chen be­rei­tet“ha­be (so in der On­li­ne-PR des Fest­spiel­hau­ses), ist ab­we­gig. Trom­pe­ten und Pau­ken mar­kie­ren den da­mals ganz gän­gi­gen Klang-To­pos von Kö­nigs-Herr­schaft, kein Ze­le­brie­ren von Klang­rausch. Ge­ra­de die Kan­ta­te VI of­fen­bart den Wel­ten­herr­scher auch als Kämp­fer.

Di­ri­gent Hans-Christoph Ra­de­mann hat­te mit dem So­lis­ten-Quar­tett eben­so stil­si­che­re wie vo­kal­tech­nisch erst­klas­si­ge Mit­strei­ter. Der So­pran von An­na Lu­cia Rich­ter hat in­des noch nicht das For­mat der er­fah­re­ne­ren Al­tis­tin An­ke Von­dung: Ten­dier­te Rich­ter in den Hö­hen häu­fig zu ei­nem et­was grel­len, zu of­fe­nen Klang, so er­wies sich die sehr kraft­vol­le Stim­me der Kol­le­gin auch als per­fekt dis­zi­pli­niert und voll­brach­te – zu­mal in der Arie „Schla­fe, mein Liebs­ter“– wah­re Klang­wun­der im Pia­no-Pia­nis­si­moBe­reich. Bei ge­le­gent­li­chen Pro­ble­men mit Ko­lo­ra­tu­ren am Be­ginn des Wer­kes ver­ström­te der Te­nor Ma­xi­mi­li­an Sch­mitts an­rüh­ren­de Wär­me, ver­mit­tel­te in­des auch die dra­ma­ti­sche Sei­te der Kan­ta­te VI mit gro­ßer Ein­dring­lich­keit. Her­aus­ra­gend der Bas­sist Ro­de­rick Wil­li­ams: ei­ne ma­kel­los sau­ber und si­cher ge­führ­te Stim­me mit kla­rem, vi­ri­lem Tim­bre, die je­der An­for­de­rung der Par­ti­tur op­ti­mal ge­recht wur­de. Zu ei­ner Stern­stun­de ge­riet die Arie „Gro­ßer Herr“der Kan­ta­te I mit der phä­no­me­na­len So­lotrom­pe­te von Ja­ros­lav Roucˇek, der wie Han­nes und Al­mut Rux und der Pau­ker Karl Fi­scher fas­zi­nie­rend an­zu­hö­ren war.

Das Frei­bur­ger Ba­rock­or­ches­ter ge­hört seit vie­len Jah­ren in­ter­na­tio­nal zu den be­deu­tends­ten Klang­kör­pern für Mu­sik die­ser Zeit. Die groß­ar­ti­gen So­li von Kon­zert­meis­ter Got­fried von der Goltz, Su­san­ne Kai­ser (Flö­te) und der Obo­is­tin­nen Kat­ha­ri­na Arf­ken und Cla­ra Bles­sing sol­len stell­ver­tre­tend für das über­ra­gen­de Ni­veau die­ses En­sem­bles er­wähnt sein. Von wun­der­vol­ler Strahl­kraft prä­sen­tier­te sich der RIAS-Kam­mer­chor, ein aus­ge­zeich­ne­tes En­sem­ble. Ins­ge­samt ein ganz gro­ßer und be­we­gen­der Abend, wie er im Fest­spiel­haus Ba­den-Ba­den nicht oft zu er­le­ben ist. Hart­mut Be­cker

Klang­wun­der im Pia­nis­si­mo-Be­reich

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