Ein Ge­schenk!

Das Fau­ré Quar­tett in Karls­ru­hes Mu­sik­hoch­schu­le

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Ju­bi­lä­en sind in der Re­gel freu­di­ge Er­eig­nis­se, so auch das zum 40-jäh­ri­gen Be­ste­hen des Freun­des­krei­ses der Hoch­schu­le für Mu­sik Karls­ru­he. Als Pro­gramm des Fest­kon­zer­tes hat­ten sich die Mit­glie­der des be­rühm­ten Fau­ré-Quar­tetts frei­lich zwei be­son­de­re klin­gen­de Ju­we­len aus­ge­sucht: Die Kla­vier­quar­tet­te Es-Dur op. 87 von An­tonín Dvor­ˇák und a-Moll op. 1 sei­nes Schü­lers und spä­te­ren Schwie­ger­soh­nes Jo­sef Suk.

Das En­sem­ble ge­hört seit Jah­ren zu den in­ter­na­tio­nal am höchs­ten ge­schätz­ten Kam­mer­mu­sik-Ver­ei­ni­gun­gen, wur­de maß­geb­lich ge­formt durch die Ar­beit mit dem le­gen­dä­ren Wie­ner Al­ban-Berg-Quar­tett. Ist die­ses seit 2008 lei­der Ge­schich­te, so agiert das Fau­ré-Quar­tett seit 2009 als „en­sem­ble in re­si­dence“der Hoch­schu­le für Mu­sik Karls­ru­he, wur­de 1995 von vier da­ma­li­gen Stu­den­ten ins Le­ben ge­ru­fen. Die Ge­schich­te und ge­mein­sa­me Ar­beit der vier Mu­si­ker be­tref­fend be­ka­men die zahl­reich ver­sam­mel­ten Fest­gäs­te vor dem Kon­zert eben­so in­ter­es­san­te wie ver­gnüg­li­che Ein­bli­cke durch ein mit Mu­sik durch­setz­tes Po­di­ums­ge­spräch, das Ver­eins­vor­stand Hans Carl Hach­mann auf sei­ne be­kann­te geist- und hu­mor­vol­le Art mo­de­rier­te. Schon da­bei gab es fas­zi­nie­ren­de Mu­sik: Den Va­ria­ti­ons­satz aus dem ers­ten Kla­vier­quar­tett Dvor­ˇáks und ein Ba­ga­tel­le aus op. 47.

Nach ei­nem kur­zen Emp­fang zum Ju­bi­lä­um fon­ge dann das Fest­kon­zert auf höchs­tem Ni­veau. Fas­zi­nie­rend, wie sich Dirk Mom­mertz, Eri­ka Geld­set­zer, Sa­scha Fröm­bling und Kon­stan­tin Heid­rich ih­rer Mu­sik hin­ge­ben. Der stür­mi­sche Ap­plaus sprach für sich.

Wenn Fra­gen of­fen blie­ben, so wohl die­je­ni­ge, wie­so ein sol­ches Meis­ter­werk wie das Opus 1 des erst 16-jäh­ri­gen Jo­sef Suk nicht längst Ein­gang ins Stan­dard-Re­per­toire auch au­ßer­halb Tsche­chi­ens ge­fun­den hat. Das gilt nicht min­der für al­le an­de­ren Wer­ke die­ses Kom­po­nis­ten, zu­mal sei­ne sin­fo­ni­sche Mu­sik. Auf­füh­run­gen wie die der gro­ßen „As­ra­el“Sin­fo­nie vor ei­ni­gen Jah­ren in Mann­heim durch den Wie­ner Di­ri­gen­ten Pe­ter Schnei­der blie­ben bis heu­te mu­ti­ge Ein­zel­ta­ten, ob­wohl die Wir­kun­gen von Suks Mu­sik stets auch gro­ßes Pu­bli­kum fas­zi­nie­ren. Noch im­mer schlum­mern da gro­ße ver­bor­ge­ne Schät­ze.

An­tonín Dvor­ˇáks zwei­tes Kla­vier­quar­tett op. 87 ent­hält zwar mehr nach­denk­li­che und grüb­le­ri­sche Par­ti­en als das stür­mi­sche Ju­gend­werk Suks, doch er­klang un­ter den Hän­den sol­cher Mu­si­ker nicht we­ni­ger in­ten­siv und mit­rei­ßend. Die Zu­hö­rer ent­lie­ßen die In­ter­pre­ten nicht oh­ne ei­ne Zu­ga­be, die letz­te der Ba­ga­tel­len op. 47 von Dvor­ˇák. Wie schön, dass über das so groß­ar­ti­ge mu­si­ka­li­sche Er­leb­nis hin­aus in die­sem Kon­zert auch die hu­ma­ne Di­men­si­on der Mu­sik spür­bar wur­de, die Dank­bar­keit und ste­te Ver­bun­den­heit des so be­rühm­ten En­sem­bles sei­nen künst­le­ri­schen Wur­zeln ge­gen­über. Hart­mut Be­cker

Fest­kon­zert für Freun­des­kreis

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